Durchführung, Kosten, Sparpotenzial Energietipp: Das bringt ein hydraulischer Abgleich

Energieexperten heben einen Tipp zum Sparen von Heizungswärme besonders hervor: Den hydraulischen Abgleich für Heizungen. Was steckt dahinter – und wie viel spart man eigentlich damit?

Erwärmen sich einzelne Heizkörper trotz gleicher Einstellung unterschiedlich stark, kann ein hydraulischer Abgleich Abhilfe schaffen. - © finecki - stock.adobe.com

Viele der Energiespartipps, die derzeit genannt werden, bringen etwas – keine Frage. Wer aber angesichts der steigenden Preise um jeden Euro Ersparnis ringt, muss sich im Klaren sein: Oft sind diese Tipps mit teils hohen Investitionen verbunden. Dazu gehört auch der hydraulische Abgleich. Ein Überblick:

Was ist ein hydraulischer Abgleich?

Bei diesem Abgleich ermittelt ein Fachmann, wie viel Wärmeleistung es eigentlich braucht, um die einzelnen Wohnräume eines Hauses zu beheizen. Darauf basierend stellt er die nötige Wassermenge der Heizung und die optimale Vorlauftemperatur ein.

Außerdem werden die Pumpenleistung und die nötigen Widerstände im Heizkreislauf errechnet. Dadurch wird zum Beispiel sichergestellt, dass von der Umwälzpumpe zu den Heizkörpern und zurück immer genau die benötigte Wassermenge fließt. Denn fließt zu viel oder zu wenig Wasser, werden nicht alle Räume im Haus gleichmäßig warm. Die Folge: Kältere Heizkörper werden stärker aufgedreht. Das verursacht unnötige Kosten.

Die Maßnahme wird von Heizungsfachbetrieben durchgeführt und dauert je nach Größe der Anlage mehrere Stunden, vielleicht auch mit einer Unterbrechung für die Berechnung über zwei Tage.

Lässt sich der hydraulische Abgleich an jeder Heizung machen?

An fast allen wasserführenden Heizungssystemen – egal ob mit Heizkörper, Wand- oder Fußbodenheizung, so Stefan Materne von der Energieberatung im Verbraucherzentrale Bundesverband. Ausgenommen sind ältere Systeme mit Heizkörpern ohne voreinstellbare Heizkörperventile. Diese müssten erst für 100 bis 150 Euro je Stück ausgetauscht werden.

Stefan Materne empfiehlt den Abgleich an jeder Heizungsanlage, die neu installiert wird. Das ist sogar Voraussetzung für Förderkredite. Aber auch an Bestandsanlagen ist der hydraulische Abgleich sinnvoll, hier kann er hohe Energieeinsparungen zur Folge haben – vor allem, wenn man sich einen teureren Heizungstausch aktuell nicht leisten kann. "Und es gibt eine frohe Botschaft: Wenn Sie ein paar Jahre nach dem hydraulischen Abgleich dann doch den Heizkessel tauschen, bleibt das Ergebnis erhalten", ergänzt Materne. Denn beim Abgleich wird das gesamte System, das auf den Kessel folgt, dauerhaft feinjustiert.

Anzeichen, dass die Heizung ineffizient arbeitet und einen hydraulischen Abgleich vertragen könnte, sind zum Beispiel:

  • die Räume werden nicht warm
  • manche Heizkörper bleiben bei gleicher Thermostateinstellung kühler als andere oder erwärmen sich später
  • gluckernde Geräusche

Was kostet der hydraulische Abgleich?

"In etwa 600 bis 1.200 Euro je nach Größe des Objektes beziehungsweise der Heizungsanlage" müsse man für diese Maßnahme ausgeben, so Energieberater Stefan Materne.

Es gibt zwar staatliche Förderung über das Programm "Heizungsoptimierung" beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa): Für die Kosten von solchen Maßnahmen zur besseren Effizienz von Heizungen bekommt man nach Antrag 20 Prozent zurück. Im Fall eines hydraulischen Abgleichs muss aber zugleich die Umwälzpumpe getauscht werden, was mit weiteren Kosten verbunden ist.

Wie viel kann man sparen?

Der Energieverbrauch bei der Erwärmung von Heizkörpern soll sich durch einen hydraulischen Abgleich um bis zu 15 Prozent senken lassen, so der Zentralverband Sanitär Heizung Klima. Die Energieberatung des Verbraucherzentrale Bundesverbands geht von einer Einsparung von bis zu fünf Prozent aus. Die Angaben schwanken also stark – das hat Gründe. "Die Ersparnis hängt vom vorhandenen Energieträger und vom Zustand des Systems ab", so Stefan Materne.

Konkreter wird es mit einem Rechenbeispiel: Die Hochschule Braunschweig/Wolfenbüttel hat für die Optimus-Studie der Deutschen Bundesstiftung Umwelt nachgewiesen, dass im Mittel aller Gebäude ein Einsparpotenzial von sieben Kilowattstunden je Quadratmeter Fläche pro Jahr erreicht wird.

Überträgt man diese Zahl auf ein Beispielhaus mit 130 Quadratmetern, sind bei Kosten von 16 Cent für die Kilowattstunde Gas eine Ersparnis von 910 Kilowattstunden und 145 Euro pro Jahr möglich (Stand Ende Juni). Eine weitere Ersparnis kommt laut Materne nach dem Abgleich dazu: Durch die gute Einstellung der Pumpenleistung verbraucht diese weniger Strom.

Der ZVSHK rät Wohneigentümern dazu, sich von einem Fachbetrieb für Sanitär, Heizung, Klima (SHK) zu sinnvollen Modernisierungsmaßnahmen beraten zu lassen. Eine umfassende Wartung und gegebenenfalls auch Reinigung des Wärmeerzeugers sei für eine Optimierung der Heizanlage in jedem Fall sinnvoll.

Lohnt sich das?

Finanziell betrachtet – auf den ersten Blick nicht. Die Investitionskosten sind höher, als man in diesem Winter an Ersparnissen herausholen könnte.

Aber die Heizkosten waren auch schon vor der Versorgungskrise hoch und sie werden es für Gas- und Öl-Heizssysteme sehr wahrscheinlich auch bleiben. Insofern ist so ein hydraulischer Abgleich also eine Investition in die Zukunft. Denn die Kosten für den Abgleich werden sich je nach Heizungssystem in wenigen Jahren amortisieren.

Zur groben Berechnung, wann das in einem Haushalt beziehungsweise für das jeweilige Heizungssystem der Fall sein wird, eignet sich der WärmeCheck der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online.

Materne gibt außerdem zu bedenken, dass seine Berechnungen konservativ sind. Es kann höhere Entlastungen durch diese Maßnahme geben. Außerdem benötige die Pumpe als Folge der Einstellungen weniger Strom, man reduziere womöglich eine Geräuschbelastung im Wohnraum und man steigere den Komfort durch eine schnellere und effizientere Wärmeverteilung. Sein Urteil lautet daher trotz der hohen Investitionskosten: "Das lohnt sich unbedingt."

Aber es gibt aktuell noch mehr zu bedenken: Wer sich diese Investition leisten kann, leistet damit einen Beitrag zu einem gesamtgesellschaftlichen Ziel. So hat unter anderem Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck schon Ende März zum gemeinsamen Energiesparen aufgerufen, um die Versorgungssicherheit in Deutschland zu erhalten: "Wir sind in einer Situation, wo ich klar sagen muss, dass jede eingesparte Kilowattstunde Energie hilft." Und der hydraulische Abgleich verringert den CO2-Ausstoß einer Heizungsanlage. Man leistet also auch einen Beitrag zum Klimaschutz. dpa/fre

Was kann ich sofort tun, um Kosten zu sparen?

Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) gibt Tipps zur schnellen Verbrauchsreduktion für Hausbewohner:

  • Senken Sie die Raumtemperatur um einen Grad und sparen Sie bis zu sechs Prozent Heizenergie. Reduzieren Sie geringfügig die Raumtemperatur bei Abwesenheit und während der Nacht ohne jedoch die Räume auskühlen zu lassen. Das geht bequem mit programmierbaren Heizkörperthermostaten.
  • Selten genutzte Räume sollten nur ausreichend temperiert werden.
  • Verwenden Sie beim Duschen Sparduschköpfe oder Durchflussbegrenzer und reduzieren Sie damit Ihren Warmwasserverbrauch. Verzichten Sie nach Möglichkeit auf das Baden und waschen Sie Ihre Hände mit kaltem Wasser.
  • Setzen Sie auf neue LED-Lampen und energieeffiziente Elektrogeräte. Damit lassen sich die Stromkosten (indirekt auch der Gasverbrauch) deutlich senken.
  • Entlüften Sie bei "Glucksgeräuschen" Ihre Heizkörper oder lassen Sie diese entlüften und den Anlagendruck kontrollieren.
  • Lüften Sie richtig im Winter (Stoßlüftung statt Dauerlüften).
  • Undichte Fenster verursachen Wärmeverluste. Fehlende oder schadhafte Fensterdichtungen können ein Grund sein. Lassen Sie undichte Fenster prüfen und fachgerecht instandsetzen.
  • Schließen Sie nachts die Rollläden. Tagsüber kann solare Einstrahlung durch Fenster für Wärmegewinne genutzt werden.