Um ihre Ziele bei der Energieeffizienz zu erreichen, möchte die Bundesregierung die Privathaushalte besser über mögliche Einsparmaßnahmen aufklären. Gemeinsam mit den Verbraucherzentralen hat sie deshalb das Angebot der "Energiespar-Checks" gestartet. Handwerksbetriebe dürfen hierbei zwar nicht beratend tätig werden, trotzdem winken viele neue Aufträge.
Jana Tashina Wörrle

Der Schlüssel zum Erfolg der Energiewende ist das Sparen. Genauer gesagt das Energiesparen, damit einerseits die Kosten sinken und andererseits die vorhandenen Ressourcen geschont werden. Richtete die Deutsche Energieagentur (dena) in der vergangenen Woche dazu noch einen Appell an Unternehmen, Verbraucher und die Politik, so kommt jetzt Bewegung in die Sache. Denn die Politik geht in die Offensive.
Mit den neuen Energiechecks der deutschen Verbraucherzentralen sollen Privathaushalte nun eine bessere Unterstützung beim Aufspüren des eigenen Sparpotenzials im Haushalt bekommen. Die Bundesregierung gibt dabei finanzielle Unterstützung. Möglichst viele Bürger und Hausbesitzer sollen die Sparberatungen in Anspruch nehmen.
Für diese "Energieberatungen light" – denn dabei werden keine Energieausweise ausgestellt oder Thermographieaufnahmen der Gebäude gemacht – kommen Experten ins Haus oder die Wohnung und zeigen den Verbrauchern Möglichkeiten zur Einsparung wie Wärmedämmungen an Schwachstellen des Hauses oder effizientere Heizsysteme auf. Je nach Wohnsituation bieten die Verbraucherzentralen verschiedene Checks an: Einen Basis-Check für Mieter und Eigentümer und einen umfangreicheren Gebäudecheck.
Energiespar-Checks bringen Aufträge fürs Handwerk
Durchgeführt werden dürfen die Beratungen jedoch nur von Architekten und Ingenieuren, die unabhängig von einer ausführenden Firma arbeiten. "Sie sollen neutral beraten und dabei nicht ihr eigenes Gewerk oder einen möglichen neuen Auftrag im Hinterkopf haben", erklärt eine Sprecherin der bundesweiten Energieberatung der Verbraucherzentralen. Zudem sei ein Hochschulabschluss eine Voraussetzung für die Tätigkeit im Zusammenhang mit dem neuen Angebot der Verbraucherzentralen.
Anders als bei den Energieberatungen, die eine Ausbildung mit einem Zertifikat beispielsweise der Handwerkskammern voraussetzen, können Handwerksbetriebe also für die neuen Energiespar-Checks nicht beratend tätig werden. Aber trotzdem kann das Handwerk hierbei ordentlich profitieren. "Die Beratungen lösen im Anschluss fast immer Investitionen in Handwerksleistungen aus, das haben schon viele unserer Auswertungen ergeben", sagt die Verbandssprecherin. Handwerksbetriebe – darunter vor allem Elektriker, Heizungsinstallateure sowie Bau- und Ausbauunternehmen – können durch die Energiespar-Checks mit neuen Aufträgen rechnen.
Ein weiterer Unterschied zu den richtigen Energieberatungen liegt für die Privathaushalte auch in den Kosten. Zwar gibt es auch für alle Varianten Fördermittel, aber die Checks der Verbraucherzentralen liegen deutlich unter den Kosten für andere Beratungen. Mit Preisen zwischen 10 und 30 Euro seien diese Energiespar-Checks auch für jedermann bezahlbar, sagte der Vorstand des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv), Gerd Billen, am Dienstag in Hönow bei Berlin, als dort das neue Angebot vorgestellt wurde.
Gemeinsam mit Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) gab er persönlich den Auftakt zu den Energie-Checks. Beide schauten sich das Vorgehen vor Ort im Haus von Petra Röfke und Hartmut Müller an. Bei dem Gebäude der beiden handelt es sich um ein erst 1999 errichtetes Reihenhaus mit einer Wohnfläche von 91 Quadratmetern. Energieberaterin Birgit Holfert bewertete neben dem Stromverbrauch auch die Heizungsanlage und den Wärmeschutz. Sie errechnete eine mögliche Ersparnis von 150 Euro pro Jahr.
Dazu seien Investitionen von etwa 700 Euro erforderlich, inklusive eines neuen Kühlschranks, sagte Holfert. Als ein Schwachpunkt am Gebäude wurde im Keller die fehlende Dämmung bei den Zuleitungen für die Fernwärme und den Armaturen der Therme ausgemacht. Zudem gibt es im Wohnzimmer vor einem fußbodentiefen Fenster einen Heizkörper, der unnötig Wärme nach außen abstrahlt. Das Fenster war ursprünglich als Terrassentür gedacht und ist jetzt zur Hälfte mit einer Kunststoffwand versehen.
Maßnahmen rechnen sich schnell
Wirtschaftsminister Rösler war beeindruckt von den Ergebnissen und wies sogleich darauf hin, dass auch in vergleichsweise neuen Gebäuden noch ein großes Einsparpotenzial zu finden sei. Sein Ministerium unterstütze das Projekt der Verbraucherzentralen deshalb mit jährlich sechs Millionen Euro. Die hier empfohlenen Maßnahmen rechneten sich in relativ wenigen Jahren. Bei größeren Investitionen seien auch finanzielle Hilfen durch die staatliche Förderbank KfW möglich, sagte der Minister.
Billen verwies darauf, dass nach einer Gebäudesanierung mit kompetenter Beratung im Schnitt 27 Prozent Energie eingespart würden. Bei der Mehrheit des Wohnungsbestands in Deutschland – Häusern bis Baujahr 1984 – könne eine Sanierung oder Erneuerung der Heizung den Energiebedarf um bis zu 80 Prozent senken. So gebe es in Fragen der Energieeffizienz es noch viele "ungenutzte Spardosen in Häusern", sagte der Verbandspräsident. (mit dapd)
Mehr zu den Energie-Checks der Verbraucherzentralen erfahren Sie unter verbraucherzentrale-energieberatung.de .
Informationen über Energieberatungen hat die dena zusammengestellt. Hier finden Sie auch eine Datenbank mit Ansprechpartner aus dem Handwerk.