Energetische Gebäudesanierung Der grüne Daumen des Handwerks

Jetzt muss das Handwerk ran: Bis zum Jahr 2050 sollen Deutschlands Eigenheime klimaneutral modernisiert sein. Mehr als 30 Gewerke stehen dafür gerade. Zwei Betriebe berichten, was sie sich dafür haben einfallen lassen.

Es muss voran gehen bei der energetischen Gebäudesanierung. - © jehafo/Fotolia

Das Handwerk macht Eigenheim-Besitzer zu Klimaschützern. Die energetische Sanierung von Gebäuden ist eine der wichtigsten Säulen für das Gelingen der Energiewende. Das macht die rund dreißig beteiligten handwerklichen Gewerke vom Anlagenmechaniker SHK bis zum Zimmerer unverzichtbar. Denn ohne klimaschonende Maßnahmen wie Wärmedämmungen oder Lüftungssysteme ist das kaum denkbar.

Dahinter steht auch ein ambitioniertes Ziel der Bundesregierung: Bis zum Jahr 2050 soll nahezu der gesamte Gebäudebestand in Deutschland klimaneutral modernisiert werden.

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Gebäudesanierung

Um das realisieren zu können, sind höhere staatliche Investitionen und das Wissen verschiedenster Branchen aus dem Handwerk wichtig.

Holz als "klimaoptimaler" Baustoff

Josef Ambros ist einer dieser Handwerker, deren Ideen die Energiewende möglich machen könnten. Gemeinsam mit einer internationalen Forschungsgruppe entwickelte der Zimmerer- und Parkettlegermeister aus Hopferau im Allgäu ein Fassadendämmsystem auf Holzbasis. Die „TES Energy Fassade“ beinhaltet Wärmedämmung, Fenster, Sonnenschutz, Beleuchtung und Lüftung in einem – und ist statisch hoch belastbar.

Die bis zu fünfzehn Meter breiten und ein Stockwerk hohen Bauteile können einfach auf bestehende Außenwände montiert werden. "Das bedeutet weitere Energieeinsparungen durch eine besonders kurze Bauzeit", sagt Ambros.

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Um seine langjährige Erfahrung mit energetischen Sanierungsmaßnahmen weiterzugeben, bildet sein Betrieb junge Leute zum Zimmerer, Tischler und Bauzeichner aus. Mit dem Know-how-Mix handwerklicher Gewerke sichert sich der Holzspezialist nicht nur die nächste gute Idee, sondern auch die Zukunft.

Aus alt mach besser als neu

Innovative Ideen hat auch Manfred Lutz aus dem baden-württembergischen Urbach vorzuweisen. Sein Handwerksbetrieb ist auf Rollladen- und Sonnenschutzsysteme spezialisiert. "Wir machen aus veralteten Rollladenkästen hochgedämmte Bauteile, die sogar Standards für Neubauten übertreffen", erläutert der Unternehmer. Hierbei werden alte Rollladenkästen in wärmetechnisch optimierte Bauteile umgewandelt. Für diese Idee erhielt Lutz 2006 den Innovationspreis der internationalen Rollladen- und Sonnenschutzbranche.

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Doch nicht nur im Bereich der Gebäudedämmung ist der Meisterbetrieb tätig. Auch das Lüftungssystem "Ventiroll" wurde mit einem Innovationspreis ausgezeichnet. "Dabei handelt es sich um ein Lüftungssystem für Fenster und Rollläden, das Feuchteschäden verhindert und den Luftaustausch durch kontrollierte Lüftung garantiert", erklärt Lutz.

Neben energetischen Sanierungs- und Umbauprojekten bieten die Sonnenschutz- und Rollladenmechatroniker seit einiger Zeit auch thermografische Analysen und detaillierte Lüftungskonzepte an. Diese Angebotserweiterung wurde unter anderem durch die gestiegene Investitionsbereitschaft privater Eigentümer möglich. "Dennoch wird die energetische Sanierung noch zu wenig thematisiert", findet Lutz. Das Potenzial zur Klimaschonung sei noch lange nicht ausgeschöpft. dhz