Bundestagswahl 2021 Bundestagswahl: Das wünschen sich junge Handwerker

Bildungspolitik, Umweltschutz, aber auch die Rente: Diese Themen beschäftigen junge Handwerker vor der Bundestagswahl. Die DHZ hat drei Azubis und eine junge Gesellin zu ihren Wünschen an die kommende Bundesregierung befragt.

Hände, Winkel, Bleistift und Holz
Die jungen Handwerker wünschen sich von der kommenden Bundesregierung unter anderem, dass sie das Thema Klimawandel entschlossen angeht. - © contrastwerkstatt - stock.adobe.com

Maximilian Olapinski, Schreiner-Azubi

Maximilian Olapinski ist 17 Jahre alt und absolviert gerade eine Schreiner-Lehre. Sein Hauptaugenmerk liegt auf Bildungspolitik und Umweltschutz. Er befindet sich im Berufsschul-Grundjahr in Fürstenfeld-Bruck und kann somit aus erster Hand über die Zustände im deutschen Bildungssektor berichten.

In der Schule bemängelt er eine gewisse Respektlosigkeit gegenüber den Schülern. "Mit 20 Jahre alten Büchern und völlig aus der Zeit gefallenen IT-Räumen zu lernen, zeige dass man als Schüler keinen sonderlich hohen Stellenwert habt", sagt Olapinkski. Die Prioritätensetzung einer neuen Bundesregierung müsse hier deutlich klarer in Richtung Bildung verlagert werden.

"Die Jobsuche war extrem einfach".

Im September hat er bei einem Betrieb den praktischen Teil seiner Lehre begonnen. Die Jobsuche fiel ihm extrem leicht, weil er aktuell kaum Konkurrenz auf dem Azubi-Markt fürchten muss, berichtet Olapinski. Schon bei der Beobachtung der Berufswünsche seiner Mitschüler stellte er fest, "die wollten alle einfach irgendwo im Büro sitzen."

Man müsse die berufliche Tätigkeit eines Handwerkers positiver in der Schule kommunizieren und nicht erzählen, dass ein Studium der einzige Weg zum Glück sei, so Olapinski.

Ein zweites großes Thema, dass ihm an Herzen liegt ist der Klimaschutz. Er setzt sich, wie viele andere junge Menschen in seinem Alter, sehr für Nachhaltigkeit ein und fordert auch von der Politik umfassender zu handeln. Eine Forderung des Azubis ist zum Beispiel ein kompletter Plastikverzicht

Isabelle Vivian, Tischlergesellin

Die 24-jährige Tischlerin Isabelle Vivian ist 24 Jahre alt und wechselte während ihrer Ausbildung von Hamburg nach Berlin. In der Hauptstadt ist sie unter dem Namen "die.Tischlerin" auch als Influencerin auf Instagram aktiv. Sie legt besonders viel Wert auf Klimaschutz und faire Löhne.

Die Politik müsse anfangen, Fehler einzugestehen. Und sie sieht die gleichen Probleme, wie Olapinski. Zieht jedoch andere Schlüsse daraus. Nicht nur an der Kommunikation mit den potentiellen neuen Azubis und dem Image des Handwerks mangele es, sondern auch an der Bezahlung.

So müsse sich die nächste Bundesregierung für faire Löhne einsetzen. "Handwerker sind unterbezahlt, bitches", wie sie es ausdrückt.

Die Tischlerin hat auch schon konkrete Vorstellungen, wie die Regierung den Unternehmen bei der Refinanzierung ihrer Forderung behilflich sein könnte. Nämlich durch den Abbau von "unnötiger Bürokratie".

Man müsse den Klimaschutz "als absolut wichtigsten Fokus unserer Gegenwart, unserer Zukunft und unserer Vergangenheit ansetzen".

Obey Khalefa, Zimmerer-Azubi

Obey Khalefa kam Ende 2015 als Flüchtling nach Deutschland und ihm gefällt hier besonders, "dass man die Natur beschützt und auf sie achtet, dass man seine Rechte hat und dass es genug Arbeit gibt". Daher liegen ihm die Themen Migration und Umweltschutz besonders am Herzen.

Als er aus Damaskus in das baden-württembergische Balingen kam, war der schwäbische Dialekt eine Herausforderung für ihn – "vor allem bei der Ausbildung - im Betrieb und in der Berufsschule." Aber nach und nach komme er besser damit zurecht.

Von einer neuen Bundesregierung wünscht er sich, "noch mehr Anstrengungen beim Thema Umweltschutz und dass irgendwann vielleicht seine Familie hierherkommen kann."

Chiara Monteton, Dachdecker-Azubine

Chiara Monteton absolviert eine Ausbildung im elterlichen Betrieb in Bochum. Sie wünscht sich von der Regierung, dass sie sich für ein "nachhaltiges Wirtschaftswachstum" einsetzt. Die Auszubildende ist auf Social Media als "Dachdeckerin Chiara" bekannt geworden.

Auch das Thema Rente beschäftigt sich schon in jungen Jahren. Monteton fordert eine differenziertere Auslegung des Renteneintrittsalters, da der Köper schneller verschleiße, als der Geist. "Wir Handwerker haben es uns verdient nicht mehr mit 70 auf der Baustelle rumzukraxeln".