Haftpflichtversicherung Betriebs- oder Berufshaftpflicht: Welche Police benötige ich?

Haftpflichtversicherungen sind ein Muss bei den Versicherungen – das weiß auch jeder Handwerker. Doch der Teufel steckt im Detail. Das sind die Unterschiede zwischen Betriebs- und Berufshaftpflicht.

Die Betriebshaftpflicht springt ein, wenn zum Beispiel ein Kunde in der Kfz-Werkstatt verletzt wird. - © jörn buchheim - stock.adobe.com

Auf den ersten Blick scheinen die Unterschiede klar. Die Betriebshaftpflichtversicherung, mitunter auch als Firmen- oder Gewerbehaftpflichtversicherung bezeichnet, deckt Personen- und Sachschäden ab. Das heißt, sie hilft, wenn sich beispielsweise ein Kunde in einer Autowerkstatt verletzt oder der Friseur den Haartrockner zu heiß einstellt. Die Berufshaftpflicht dagegen springt ein, wenn dem Kunden durch die berufliche Tätigkeit ein Vermögensschaden entsteht. Klassischer Fall ist hier die Fehlberatung eines Vermögens- oder Steuerberaters.

Entsprechend, so sehen es die meisten Experten, richten sich beide Versicherungen in erster Linie auch an unterschiedliche Berufsgruppen. Während die Berufshaftpflicht für alle beratenden Berufe und Dienstleister empfohlen wird und teilweise – wie für Ärzte oder Rechtsanwälte – sogar ein Muss ist, sollte die Betriebshaftpflicht vor allem in der Industrie, im Handel, in der Transport- und Logistikunternehmen sowie im Hotel und Gastgewerbe vorhanden sein, aber auch in normalen Büro-/Dienstleistungsbetrieben – und natürlich im Handwerk.

Betriebs- oder Berufshaftpflicht: Begriffe werden oft verwechselt

Doch ganz so einfach wie es scheint, räumt ein Sprecher des Münchener Vereins ein, ist die Sache dann doch nicht. Zum einen, erläutert er, sei "Berufshaftpflicht" kein festgeschriebener Begriff, zum anderen würden die Begriffe nicht selten verwechselt oder vermengt. So wird bei Architekten, Gutachtern oder Sachverständigen, oft von ganz allgemein von „Berufshaftpflicht“ gesprochen, weil bei der Frage der Versicherung ein möglicher Vermögensschaden im Vordergrund steht. Tatsächlich jedoch können hier aber natürlich auch Sach- und/oder Personenschäden entstehen und mitversichert werden.

Und selbstverständlich sind auch im Handwerk Konstellationen denkbar, bei denen eine breitere Abdeckung als die reine Betriebshaftpflicht vonnöten sein könnte. Zum Beispiel, wenn ein Elektriker auch Energieberatung macht oder der Geschäftsführer eines Sanitärinstallationsbetriebs nebenbei auch als Sachverständiger tätig ist. Kleine Fehleinschätzungen, Schätz- oder Rechenfehler können hier schnell große Schäden verursachen.

Dennoch haben weder der Münchener Verein noch die Signal Iduna, die sich ja beide gezielt an das Handwerk richten, den Suchbegriff Berufshaftpflicht überhaupt auf ihrer Homepage – und eine entsprechende Police auch gar nicht im Portfolio. Stattdessen, erläutert Michael Quandt, Abteilungsleiter gewerbliche Haftpflicht bei der Signal Iduna, seien heutzu­­tage viele Vermögensschäden, die durch Gutachter- oder Sachverständigentätigkeiten entstehen können, in der Betriebshaftpflicht mitversichert, solange diese Tätigkeit nicht hauptberuflich durchgeführt wird.

Manchmal ist separate Berufshaftpflicht sinnvoll

Außerdem, heißt es dazu auch beim Münchener Verein, biete man bestimmten Berufsbildern zusätzlich zur Betriebshaftpflichtversicherung "einen optional wählbaren Baustein an, der planerische Tätigkeiten bis zu einer bestimmten Honorarsumme mitversichert". Ob das allerdings immer ausreicht, ist letztlich eine individuelle Entscheidung. Mitunter, stellen Experten des Online-Versicherers Andsafe, auf der Homepage klar, kann es auch für Unternehmer im Handwerk sinnvoll sein, die Berufshaftpflicht separat abzuschließen, je nachdem welche Zusatzaufgaben übernommen oder vermittelt werden.

Zudem: Sowohl Einschluss von bestimmten Vermögensschäden als auch Erweiterbarkeit gibt es standardmäßig erst für sogenannte moderne, sprich neuere Policen. Wer seine Betriebshaftpflicht schon vor Jahren abgeschlossen hat, dem rät Quandt unbedingt dazu, noch einmal einen Blick in die Bedingungen zu werfen. Und selbst wenn bei älteren Policen ein Einschluss von Vermögensschäden enthalten ist, schade es nicht, die entsprechenden Passi noch einmal genau zu lesen. Denn nicht selten folgten in älteren Verträgen nach dem Einschluss erst einmal zehn Ausschlüsse.

Grundsätzlich gilt: Gerade bei der Betriebshaftpflicht ist eine regelmäßige Überprüfung der Bedingungen wichtig. Denn alle Veränderungen im laufenden Betrieb haben Auswirkungen auf den Versicherungsschutz, nicht nur die Aufnahme oder die Ausweitung beratender Tätigkeiten. Auch die Erweiterung der Betriebsstätte oder ein Umzug müssen dem Versicherer angezeigt werden, ebenso wie die Beschäftigung neuer Mitarbeiter oder der Einstieg vom Junior in die Geschäftsführung.

Auf Deckungsgrenzen achten

Und noch einen Rat hält Quandt bereit: „Unbedingt auch auf die Leistungsgrenze, sprich die Deckungssumme achten.“ Meist werden drei, fünf oder zehn Millionen angeboten. Laut Bürgerlichen Gesetzbuch haften Gewerbetreibende und Freiberufler unbegrenzt. Rund 200 bis 250 Euro pro Jahr, so Quandt, kostet es einen kleinen Friseurladen zu versichern – inklusive Privathaftpflicht. Die Erhöhung der Versicherungssumme von drei auf fünf Millionen gibt es dann für zehn Prozent Aufschlag. "Das zahlt sich im Ernstfall schnell aus."

Der Versicherungsschutz in Kürze

Die Betriebshaftpflicht tritt ein, wenn zum Beispiel:

  • beim Kunden, beim Be- und Entladen oder beim Transport etwas beschädigt wird,
  • Güter oder Schlüssel verloren gehen,
  • Verkehrssicherungspflichten verletzt werden,
  • jemand verletzt wird.

Fälle für die Berufshaftpflicht sind beispielsweise:

  • falsche Beratung,
  • Verletzung von Geheimhaltungspflichten
  • Probleme mit Datenschutzgesetzen,
  • Fristversäumnisse, z.B. durch die Erkrankung von Mitarbeitern.

Beide Versicherungen wehren außerdem unberechtigte ­Ansprüche ab.