Unternehmensfinanzierung Beteiligungsgesellschaften im Handwerk: Eigenkapital statt Kredit

Genaro Carrillo aus Ebersbach setzte auf eine Beteiligung statt auf neue Kredite. Das schaffte Spielraum für Investitionen und verbesserte das Unternehmensrating. Wie Private-Equity-Gesellschaften funktionieren – und für wen sie sich eignen.

Illustration für Text zu Unternehmensbeteiligungen
Genaro Carrillo hat auf die Beratung seiner Bank vertraut und mithilfe einer ­Beteiligung einen Sprung für sein Unternehmen geschafft. - © KD Busch

Genaro Carrillo und Hans-Ulrich Vogelmann arbeiten jetzt schon rund 14 Jahre zusammen. Der Inhaber einer Firma für Blitzschutzbau aus dem baden-württembergischen Ebersbach vertraut dem Unternehmensberater. Vor allem, weil er ihn aus einer Zeit begleitet hat, in der PC Blitzschutzbau finanziell nicht optimal aufgestellt war. Die Liquidität im Unternehmen war beansprucht.

Die Kreissparkasse Göppingen, Hausbank des Betriebs, schickte Vogelmann, Betriebswirtschaftlicher Berater und vorher Referatsleiter beim Fachverband Sanitär Heizung Klima Baden-Württemberg, um Eigenkapital und Liquidität im Unternehmen zu verbessern. Vogelmann fand die Ursache in einer zu wohlmeinenden Kalkulation. Der Stundenverrechnungssatz sowie die verrechenbaren Stunden pro Mitarbeiter und Jahr waren zu gering angesetzt.

An Aufträgen dagegen mangelte es nicht, denn PC Blitzschutzbau hat ein Alleinstellungsmerkmal. Als einer von wenigen Betrieben in Baden-Württemberg bietet Carrillo die Ausführung, Planung und Wartung von Blitzschutz- und Erdungsanlagen an. Allein der Auftragsvorlauf beträgt schon rund sechs Monate.

Eigenkapitalbasis verbessern

Die Kalkulation wurde schließlich auf eine realistische Basis gestellt. Der Fitnesskurs fürs Unternehmen zeigte Wirkung. Lag der Umsatz 2007 noch bei 200.000 Euro, zählt das Unternehmen inzwischen 1,5 Millionen Euro. Vor rund drei Jahren kam PC Blitzschutzbau an eine ökonomische Schwelle. Die Auftragslage war sehr gut, die Umsätze mit immerhin schon 400.000 Euro aber noch ausbaufähig. Für eine Expansion wären Investitionen in EDV, Maschinen und Fuhrpark nötig gewesen.

Doch um diesen Schritt zu gehen, riet Vogelmann zu einer Beteiligung statt weiteren Krediten, auch um die Eigenkapitalbasis weiter zu stärken. Denn eine Beteiligung ist im Vergleich günstiger, auch wenn einem die jährlichen Zinsen im Vergleich zum allgemeinen Zinsniveau hoch vorkommen mögen.

Genaro Carrillo ließ sich überzeugen. Mit einem niedrigen sechs­stelligen Betrag über eine Laufzeit von fünf Jahren und mit einem Zinssatz von fünf Prozent als Grundvergütung beteiligte sich die Stauferkreis Beteiligungsgesellschaft an dem Unternehmen. Die Beteiligungsgesellschaft ist eine hundertprozentige Tochter der Kreissparkasse Göppingen und beteiligt sich mit stillen und offenen Beteiligungen an Betrieben des Handwerks und der mittelständischen Wirtschaft. Carrillo investierte schließlich in Maschinen, IT und weitere betriebliche Ausstattung. Positiver Nebeneffekt: Das Rating des Unternehmens stieg von 13 auf aktuell drei bei 18 Ratingklassen.

Unternehmensberater Franz Falk hält das Finanzierungsinstrument der Beteiligung für unterrepräsentiert. Vor allem, weil zu wenig Be­­triebsinhaber wüssten, welche Chancen sich daraus ergeben können – etwa für die Unternehmensbewertung. Denn ein Betrieb verfüge nicht nur kurzfristig über nötige finanzielle Mittel, sondern verbessere damit auch seine Eigenkapital-Quote. Dadurch wiederum steige das Rating und die Chance, einen Kredit zu bekommen. Fremdkapital wird also günstiger.

Umsatz und Beschäftigung wachsen stärker

Doch das sind nicht die einzigen positiven Effekte. Laut einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn und dem Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) verzeichnen mit Beteiligungskapital finanzierte Unternehmen ein größeres Wachstum bei Umsatz und Beschäftigten. Demnach steige bei 92 untersuchten Unternehmen in drei Jahren nach Einstieg einer Beteiligungsgesellschaft die Anzahl der Mitarbeiter durchschnittlich um 13 Prozent – die der Vergleichsgruppe um 6,8 Prozent. Der Umsatz stieg im Betrachtungszeitraum durchschnittlich um 21 Prozent, in der Kontrollgruppe dagegen um 13 Prozent. Ebenfalls einen Anstieg verzeichnete das Anlagevermögen mit 17 Prozent (Kontrollgruppe: Minus fünf Prozent).

Laut BVK gibt es derzeit mehr als 400 Beteiligungskapitalgesellschaften, die im Jahr 2020 insgesamt 14,8 Milliarden Euro in mehr als 1.000 meist mittelständische Unternehmen investiert haben.

Doch für wen eignet sich überhaupt eine Beteiligung? Das sind zum einen Betriebsgründer und Betriebs­übernehmer, also Unternehmen, die einen sehr hohen Kapitalbedarf haben. Das Eigenkapital ist in diesen Fällen zumeist nicht ausreichend. Auch expandierende Betriebe sind eine Option, weil der Investitionsbedarf sehr hoch ist. Weitere Möglichkeiten sind Betriebe mit einer ursprünglich guten, aber plötzlich sehr geschrumpften Eigenkapitalquote, weil zum Beispiel ein Gesellschafter ausgeschieden ist.

Beteiligungsgesellschaften prüfen sorgfältig das Geschäftsmodell

Entscheidend letztlich ist jedoch das Geschäftsmodell. Vor einem Engagement prüft eine Beteiligungsgesellschaft deswegen sorgfältig den Businessplan, wie Franz Falk ausdrücklich betont. Wenn die Beteiligungsgesellschaft diesen und das Geschäftsmodell für wenig vielversprechend hält, helfen auch die anderen Kriterien nichts.

Ähnlich wie bei einem Kredit kann ein Firmeninhaber eine Beteiligung bei einem Kreditinstitut beantragen, normalerweise über die Hausbank. Allerdings verfügt nicht jedes Kredit­institut über eine Beteiligungsgesellschaft. Hier liegen die Sparkassen vorne. Generell sind gute Geschäftspläne die Grundlage für eine Beteiligung. Vorzulegen sind auch hier Planzahlen und aktuelle Abschlüsse. Vielfach geht es dann um Beträge im unteren sechsstelligen Bereich, wobei das Kapital nicht höher sein darf als das Eigenkapital des Betriebes. Die Beteiligung wird nach Einlage dem Eigenkapital zugerechnet und wird in der Regel für eine Laufzeit von fünf Jahren gewährt. Zum Ende der Laufzeit ist der volle Betrag zurückzuzahlen. Beteiligungen sind langfristige Finanzierungen. Da wird im Gegensatz zu einem Darlehen nicht getilgt. Falk hält es aber für denkbar, dass im Beteiligungsvertrag vereinbart wird, dass die Höhe der Beteiligung schrittweise zurückgeführt wird.

Auch Genaro Carrillo hat anfangs gezögert. Wie bei vielen anderen Betriebsinhabern war ihm das Finanzierungsinstrument unbekannt. Bis dahin waren schließlich Kredite das Mittel der Wahl. Überzeugend waren die gute Zusammenarbeit und das vertrauensvolle Verhältnis zu Hans-Ulrich Vogelmann. Und die Perspektive stimmt. Die Auftragslage ist sehr gut und Sohn Samuel wird das Unternehmen voraussichtlich übernehmen.

Beteiligungsgesellschaften

Private-Equity- oder Beteiligungsgesellschaften investieren in Unternehmen und profitieren vom Gewinn, während sich dem Unternehmen Möglichkeiten zur Weiterentwicklung eröffnen. Private-Equity-Fonds investieren auch Zeit und Know-how. Sie entwickeln Unternehmensstrategien, planen Expansionen und optimieren Arbeitsprozesse. Für die verschiedenen Lebensphasen eines Unternehmens gibt es differenzierte Formen von Beteiligungen.

  • Wagniskapital: Mit Wagniskapital hilft man Jungunternehmern, die oft Schwierigkeiten haben, mit ihren Visionen die klassischen Geldgeber zu überzeugen.
  • Growth/Turnaround/Replacement-Capital: Möchte sich ein Unternehmen vergrößern, kann Wachstumskapital dabei helfen. Auch hier werden nicht nur finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt, sondern auch das Wissen der Beteiligungsgesellschaft.
  • Buy-out-Finanzierungen: Dabei beteiligt sich die Gesellschaft mehrheitlich an einem nichtbörsennotierten Unternehmen, um dieses nach einiger Zeit gewinnbringend zu verkaufen.

Man unterscheidet außerdem zwischen stillen und offenen Beteiligungen. Beteiligungsgesellschaften übernehmen im Falle einer offenen Beteiligung Anteile (GmbH-Anteile oder Aktien) an einem Unternehmen und unterstützen dieses mit ihrer direkten Beteiligung durch finanzielle Mittel und Know-how. Die Private-Equity-Gesellschaft wird also über einen bestimmten Zeitraum hinweg Mitgesellschafter. Stille Beteiligungen sind eine Ausprägungsform von Mezzaninekapital. Obwohl sie rechtlich kein Eigenkapital darstellen, werden sie als wirtschaftliches Eigenkapital betrachtet und haben deshalb unter anderem einen positiven Einfluss auf das Rating eines Unternehmens. Der stille Gesellschafter leistet eine Einlage in das Vermögen ­eines Unternehmens, aber ohne Anteile daran zu erwerben. Quelle: BVK

Mittelständische Beteiligungsgesellschaften

Die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften, die es in allen Bundesländern gibt, investieren meistens in Form von eigenkapitalähnlichen, typisch stillen Beteiligungen. Wichtigste Aufgabe der MBGs ist die Verbesserung der Bilanzrelationen von Existenzgründern sowie kleinen und mittleren ­Unternehmen. Die MBGs arbeiten nicht renditeorientiert und bieten mittelstandsfreundliche Konditionen. Sie nehmen keinen Einfluss auf das Tagesgeschäft ihrer Beteiligungsnehmer. https://finanzierungsportal.ermoeglicher.de/

Stauferkreis Beteiligungen

Die Stauferkreis Beteiligungen GmbH ist eine hundertprozentige Tochter der Kreissparkasse Göppingen und beteiligt sich seit 1984 mit stillen und offenen Beteiligungen an Handwerksbetrieben und mittelständischen Firmen.