Unternehmensfinanzierung Bürgschaft: So funktioniert die Nachfolge mit Sicherungsnetz

Die Steinmetze Michael Greule und Marcel Haller haben im April den Betrieb ihres ehemaligen Chefs gekauft. Bei der Übernahmefinanzierung half eine Bürgschaft der Bürgschaftsbank Baden-Württemberg.

Steinmetze Michael Greule und Marcel Haller
Michael Greule (re.) und Marcel Haller waren sich sicher bei der Übernahme. - © Bürgschaftsbank Baden-Württemberg/Thomas Möller

Der Entschluss war nach und nach gereift. Michael Greule und Marcel Haller hatten schließlich lang genug Zeit, sich an den Gedanken zu gewöhnen, einen Betrieb zu übernehmen. 20 Jahre schon waren sie bei Kahl Natursteine im baden-württembergischen Reichenbach beschäftigt, hatten dort ihre Ausbildung absolviert und Berufserfahrung gesammelt. Im Frühjahr konnten Steinmetzmeister Greule und Steinmetzgeselle Haller schließlich die Nachfolge ihres Chefs Uwe Kahl antreten.

Da Kahls Töchter kein Interesse an einer Übernahme hatten, lag es nahe, dass er seinen Mitarbeitern den Betrieb zur Nachfolge anbot. Schließlich kennen die beiden neuen Chefs den Betrieb und wissen, was funktioniert.

Pachten kam nicht infrage

Blieb die Frage nach der Finanzierung. Immerhin ging es um mehrere Hunderttausend Euro für Betriebsstätten, Maschinen, Werkzeuge und Material. Dass Greule und Haller den Betrieb kaufen würden, stand für beide eigentlich nie außer Frage. Beim Pachtzins wären sie womöglich auf längere Sicht auf das Wohlwollen des Inhabers und der Erben angewiesen gewesen. Ein schlechtes Beispiel hatten sie schon miterlebt.

Die Volksbank Göppingen, Hausbank des Betriebes, war nicht abgeneigt, den Kauf des Betriebs zu finanzieren. Die Kreditberaterin wusste zwar, dass die Bank diesen Betrag nicht ohne entsprechende Sicherheiten zur Verfügung stellen würde. Dennoch hatte sie erkannt, dass der Betrieb Potenzial hat. Der Steinmetzbetrieb war am Markt etabliert. Und um für die Zukunft gerüstet zu sein, hatten die neuen Inhaber am betrieblichen Konzept gearbeitet. Die Prozesse im Betrieb wurden optimiert und die Zahl der Dienstleistungen verringert. Beim Angebot konzentriert man sich jetzt auf die Kernkompetenzen im Friedhofs- und Grabmalbereich. Von Vorteil war auch die Tatsache, dass mehrere Steinmetzbetriebe im Ort in jüngster Zeit ihre betriebliche Tätigkeit aufgegeben hatten.

"Das war von Bänkerseite wirklich super vorbereitet."

Steinmetzmeister Michael Greule

Um die Finanzierung abzusichern, empfahl die Volksbank eine Bürgschaft durch die Bürgschaftsbank Baden-Württemberg. Einen entsprechenden Antrag bereitete die Beraterin gemeinsam mit den Inhabern vor. Eine Gründungsfinanzierung über die L-Bank, eine Förderbank Baden- Württembergs, besicherte die Bürgschaftsbank schließlich mit der Übernahme einer 70-prozentigen Bürgschaft. Michael Greule findet dementsprechend auch viel Lob für die Hilfe bei der Bank: "Das war von Bänkerseite wirklich super vorbereitet."

Ohne Beteiligung der Hausbank funktioniert die Finanzierungsförderung allerdings nicht. Als kontoführende Adresse sollte sie den Kunden eine entsprechende Finanzierungslösung anbieten, die zum Beispiel durch Angebote der Förderbanken und bei Bedarf durch eine Bürgschaft der Bürgschaftsbanken ergänzt wird. Bürgschaftsbanken stehen der Wirtschaft in allen Bundesländern zur Verfügung.

Um eine Bürgschaft übernehmen zu können, nimmt die Bürgschaftsbank den Betrieb vorher durchaus genau unter die Lupe. Sie legt vor einer Übernahme strenge Kriterien an den Betrieb und den Übernahmeprozess an, steht aber auch den Übernehmern beratend zur Seite.
Einen Richtwert, den Übernehmer unter anderem beachten sollten, liegt in der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Unternehmens. Der Kaufpreis sollte diese nicht überfordern, rät die Bürgschaftsbank.

Liquidität muss gesichert sein

Für den laufenden Geschäftsbetrieb etwa müsse genügend Liquidität im Betrieb verbleiben. Wachstum und nötige Investitionen sollten sich die Inhaber weiterhin leisten können. Außerdem analysiert die Bürgschaftsbank die bisherige betriebliche Entwicklung und die Zukunftsperspektiven des zu übernehmenden Betriebes, sagt Vorstandsmitglied Guy Selbherr. Mit dem Ergebnis beurteile die Bank, ob der Kaufpreis angemessen ist. "Bei der Zusammensetzung der Finanzierung achten wir auf eine ausgewogene Finanzierungsstruktur aus Eigenkapital, eigenkapitalähnlichen Mitteln und Krediten, für die wir einen Teil des Risikos übernehmen können", sagt Selbherr.

Die Bankberater schauen sich aber nicht nur die wirtschaftlichen Kennzahlen an. Auch die persönlichen Umstände spielen bei einer Einschätzung des Betriebs eine Rolle. Beispielsweise sollte der Käufer zum Unternehmen passen und mit dem Verkäufer harmonieren. Grundsätzlich gilt, dass der Prozess früh genug beginnt und die Modalitäten des Verkaufs genau abgestimmt und vertraglich fixiert werden. Das dient der Rechtssicherheit. Sollte es während des Prozesses zum Streit kommen, verschafft ein Vertrag Klarheit für beide Seiten.

Verband Deutscher Bürgschaftsbanken ­unter ­https://vdb.ermoeglicher.de