Finanzen + Geld -

Fördermittel für Familien Baukindergeld: Wer es bekommt und warum es kritisiert wird

Geldsegen für Familien und jede Menge Aufträge für das Handwerk. Das Baukindergeld klingt wie eine gute Sache, wird aber dennoch kritisiert. Wer die staatliche Förderung bekommt, warum man schnell sein sollte und wo der Haken an der ganzen Sache ist.

Bezahlbarer Wohnraum ist in Deutschland zu einem seltenen Gut geworden – vor allem in Ballungsräumen wie München, Stuttgart oder Berlin haben die Menschen mit hohen Mieten und Immobilienpreisen zu kämpfen. Mit dem sogenannten Baukindergeld versucht die Regierung, die Wohnungsnot von Familien zu lindern.

Seit dem 18. September 2018 können Familien oder Alleinerziehende, die ein Eigenheim kaufen oder bauen, einen jährlichen Zuschuss in Höhe von 1.200 Euro pro Kind bei der KfW-Bankengruppe beantragen. Das Baukindergeld wird maximal zehn Jahre lang bezahlt. Eine Familie mit einem Kind hätte dann 12.000 Euro Baukindergeld erhalten, eine fünfköpfige Familie mit drei Kindern 36.000 Euro.

Was wie eine gute Sache klingt, wird nicht von allen befürwortet. Kritiker befürchten, dass das Baukindergeld den Wohnraummangel zusätzlich verschärfen könnte. Zudem monieren sie, dass das Baukindergeld die Falschen erreiche.

Eine Untersuchung des Innenministeriums kommt nach knapp einem Jahr zu einem anderen Schluss. Schon 43.000 junge Familien, darunter zahlreiche mit kleinem und mittleren Einkommen, haben demnach ein Baukindergeld ausgezahlt bekommen, berichtete die Nachrichtenagentur dpa. Insgesamt seien schon mehr als 112.000 Anträge eingegangen, die jedoch noch nicht alle von der KfW-Bankengruppe abgearbeitet wurden.

Wer das Baukindergeld beantragen kann, welche Punkte gegen die staatliche Förderung sprechen und warum die Baubranche in diesem Zusammenhang kritisiert wird, lesen Sie in dieser Übersicht:

Baukindergeld: Was ist das?

Mit der sogenannten Wohnraumoffensive verfolgen Union und SPD das Ziel, Wohnen in Deutschland attraktiver und bezahlbar machen. Ein Teil des Maßnahmenpakets war die Einführung des Baukindergeldes, welches Familien beim Erwerb von Wohneigentum finanziell unter die Arme greift.

Seit dem 18. September 2018 können Familien oder Alleinerziehende das Fördermittel beantragen. Sobald das Baukindergeld bewilligt ist, wird für jedes im Haushalt lebende Kind unter 18 Jahren ein Baukindergeld in Höhe von 1.200 pro Jahr bezahlt - maximal zehn Jahre lang. Der höchstmögliche Förderbetrag je Kind liegt also bei 12.000 Euro, vorausgesetzt das errichtete oder erworbene Wohneigentum wird ununterbrochen selbst für Wohnzwecke genutzt und die Kinder sind über den gesamten Förderzeitraum jünger als 18 Jahre und kindergeldberechtigt.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um Baukindergeld zu bekommen?

Ob Familien oder Alleinerziehende ihr Wohneigentum bauen oder kaufen, spielt keine Rolle. In beiden Fällen haben sie Anspruch auf Baukindergeld. Allerdings: Wer bereits eine Wohnung oder ein Eigenheim besitzt, geht leer aus, da der Förderzuschuss nur für den Ersterwerb von Wohneigentum bezahlt wird. Zudem darf die Immobilie nicht von direkten Verwandten wie Eltern oder Großeltern gekauft werden.

Bauvorhaben, die nach dem jeweiligen Landesbaurecht nur anzeigepflichtig sind, sind förderfähig, sofern die zuständige Gemeinde nach Maßgabe der jeweiligen Landesbauordnung durch die Bauanzeige Kenntnis erlangt hat. Das Baukindergeld wird rückwirkend zum 1. Januar 2018 gewährt. Kaufverträge und Baugenehmigungen, die vor diesem Stichtag unterzeichnet beziehungsweise erteilt wurden, sind nicht förderfähig.

Wo in Deutschland Familien ihren Wohnraum erwerben oder bauen, ist für die Förderung unerheblich. Es gilt jedoch eine Einkommenshöchstgrenze. Das zu versteuernde Haushaltseinkommen darf nicht höher als 75.000 Euro liegen, wobei pro Kind ein Freibetrag in Höhe von 15.000 Euro gewährt wird. Konkret bedeutet das: Eine Familie mit zwei Kindern darf maximal 105.000 Euro pro Jahr verdienen. Wer darüber liegt, hat keinen Anspruch auf Baukindergeld.

Für den Nachwuchs gilt: Zum Zeitpunkt des Bezugs muss mindestens ein Kind im Haushalt leben, das jünger als 18 Jahre alt und kindergeldberechtigt ist. Wer das Eigenheim vor dem 18. September 2018 bezogen hat, bekommt die Förderung nach Informationen der KfW auch dann, wenn das Kind drei Monate später geboren wurde.

Das Fördermittel ist für Immobilienkäufe und Bauvorhaben befristet, die bis Ende 2020 eingeleitet bzw. abgeschlossen wurden. Bis dahin müssen Familien alle notwendigen Baugenehmigungen eingeholt beziehungsweise die notariellen Kaufverträge unterzeichnet haben. Die KfW weist darauf hin, dass die Bundesmittel für das Baukindergeld begrenzt sind. "Wir können den Zuschuss so lange zusagen, wie Mittel vorhanden sind", teilt die Bankengruppe mit. Mit anderen Worten: Wer zu spät beantragt, könnte unter Umständen leer ausgehen. Im Februar sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), dass bereits 1,3 Milliarden von geplanten 2,7 Milliarden Euro bis Ende 2020 verplant seien.

Wie berechne ich mein zu versteuerndes Haushaltseinkommen?

Das zu versteuernde Jahreseinkommen darf nicht mit dem jährlichen Bruttoeinkommen verwechselt werden. Der genaue Betrag wird anhand der Einkommensteuerbescheide vom Finanzamt ermittelt und liegt unter dem Jahres-Brutto beider Ehegatten. Zum Jahreseinkommen zählen neben dem Arbeitsentgelt auch zusätzliche Einnahmen wie etwa Zinsen oder Mieten.

Maßgeblich für den Baukindergeld-Antrag ist der Durchschnitt aus den zu versteuernden Einkommen des vorletzten und vorvorletzten Jahres vor dem Einzug. Eine Familie mit einem Kind, die im Jahr 2018 in das Eigenheim einzieht und Baukindergeld beantragt, erhält die Förderung also nur dann, wenn das zu versteuernde Einkommen 2015 und 2016 durchschnittlich nicht über 90.000 Euro lag. Wer in diesen Jahren keine Steuererklärung abgegeben hat, muss dies nachholen. Sollten die Einkommensteuerbescheide nicht mehr vorliegen, können Steuerzahler ihr zuständiges Finanzamt bitten, Kopien von den beiden Steuerbescheiden zuzusenden.

Wo kann ich das Baukindergeld beantragen?

Sobald Familien und Alleinerziehende ihr Eigenheim bezogen haben, können sie das Baukindergeld online bei der KfW Bankengruppe beantragen. Der Zuschussantrag muss innerhalb von drei Monaten nach Einzug und spätestens bis Ende 2023 erfolgen. Eine Ausnahme galt für Familien, die vor dem 18. September 2018 in die erworbene oder gebaute Wohneinheit eingezogen sind. Sie konnten ihren Antrag noch bis zum 31. Dezember 2018 einreichen.

Ist das Baukindergeld mit anderen Förderprogrammen kombinierbar?

Neben dem Baukindergeld können Familien auch weitere Vorteile aus anderen Förderprogrammen schöpfen. Eine Kombination kommt etwa mit dem Förderprogramm zum energieeffizienten Bauen und Sanieren, dem Wohneigentumsprogramm, altersgerechtes Umbauen und Einbruchschutz im Bestand sowie mit Länderprogrammen in Betracht. Wer etwa in Bayern ein Eigenheim baut oder kauft und die Voraussetzungen für das Baukindergeld erfüllt, kann zusätzlich das bayerische Baukindergeld in Höhe von 300 Euro pro Kind und Jahr beantragen.

Kritik an den Plänen: Was spricht gegen das Baukindergeld?

Vor Einführung 2018 bezweifelte jeder zweite Deutsche, dass das Baukindergeld den Erwerb von Wohneigentum attraktiver macht, ergab eine repräsentative Befragung des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Zentralen Immobilien-Ausschusses. Besonders in sehr dicht besiedelten Regionen glaubten die Menschen nicht daran, dass der Plan der Bundesregierung wirkt. Doch auch auf dem Land überwog die Zurückhaltung. Ein Grund hierfür war die Befürchtung, dass nur jene profitieren, die sich den Bau oder Kauf einer eigenen Immobilie ohnehin leisten können und wollen. Vor allem in Ballungsräumen ist Wohnraum teuer. Da würden auch 12.000 Euro pro Kind nicht viel ändern, meinten Kritiker.

Nach knapp einem Jahr zieht das Bundesbauministerium jedoch ein anderes Zwischenfazit. Eine Auswertung legt laut Nachrichtenagentur dpa nahe, dass das Baukindergeld zu großen Teilen an Familien mit geringen Einkommen und kleinen Kindern geht. Rund 60 Prozent der bisherigen Empfänger hätten vor Steuern ein Haushaltseinkommen von maximal 40.000 Euro, rund 40 Prozent sogar nicht mehr als 30.000 Euro. Jede dritte Familie habe Kinder unter zwei Jahren, zwei Drittel der Familien Kinder im Vorschulalter. "Das Baukindergeld richtete sich an kleine und mittlere Einkommen. Und genau solche Familien haben es auch genommen", kommentierte Bau-Staatssekretärin Anne Katrin Bohle die Auswertung ihres Ministeriums.

Diese zeigt jedoch auch: das Baukindergeld wird bisher hauptsächlich zum Erwerb von Bestandsimmobilien genutzt. Damit verfehlt die Förderung ihr eigentliches Ziel, neuen Wohnraum zu schaffen - und könnte stattdessen bestehende Probleme verstärken. So befürchtet die Industriestaaten-Organisation OECD, dass die Preise für Bestandsimmobilien durch die steigende Nachfrage weiter nach oben klettern. Der erwünschte Effekt droht zu verpuffen. Zudem könnten vermehrt Miet- in Eigentumswohnungen umgewandelt werden, was gerade in Großstädten den Wohnungsmangel noch verschärft, warnt der Mieterschutzbund.

Auch der Bau von Immobilien könnte sich weiter verteuern. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, sind die Baupreise im Jahr 2017 um 4,6 Prozent gestiegen, so stark wie seit elf Jahren nicht mehr. Da den Auftraggebern durch das Baukindergeld mehr Geld zur Verfügung steht, wird die Baubranche ihre Preise zusätzlich nach oben korrigieren, vermutet der Eigentümer- und Mieterbund. Es wäre nicht die erste staatliche Förderung dieser Art, die einen solchen Effekt zufolge hätte. Die Regierung förderte bereits zwischen 1996 und 2005 den Bau und Kauf von Wohneigentum. Eine Folge der sogenannten Eigenheimzulage war, dass die Grundstücks- und Baupreise anzogen.

Vor Einführung des Baukindergelds brachten Kritiker mehrere Alternativen ins Spiel. So forderte etwa Clemens Fuest, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo), Investitionsanreize wie bessere Abschreibungsmöglichkeiten. Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) machte sich hingegen für eine Senkung der Nebenkosten stark, etwa durch einen Freibetrag auf die Grunderwerbsteuer oder eine Deregulierung der Notarkosten. Dies würde den Eigenkapitalbedarf zum Zeitpunkt des Erwerbs senken und - anders als das Baukindergeld - öffentliche Haushalte entlasten, so das IW.

Weitere Informationen zum Baukindergeld sowie zur Antragsstellung bietet ein Merkblatt der KfW Bankengruppe .

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten