Fördermittel für Familien Baukindergeld: Wer es bekommt und warum es kritisiert wird

Geldsegen für Familien und jede Menge Aufträge für das Handwerk. Das Baukindergeld klingt wie eine gute Sache, wird aber dennoch kritisiert. Wer die staatliche Förderung bekommt, warum man schnell sein sollte und wo der Haken an der ganzen Sache ist.

Max Frehner

Das Baukindergeld soll es jungen Familien erleichtern, Wohneigentum zu kaufen oder zu bauen. – © aquarius83men – stock.adobe.com

Bezahlbarer Wohnraum ist in Deutschland zu einem seltenen Gut geworden – vor allem in Ballungsräumen wie München, Stuttgart oder Berlin haben die Menschen mit hohen Mieten und Immobilienpreisen zu kämpfen. Mit dem sogenannten Baukindergeld hat die Regierung die Absicht, die Wohnungsnot von Familien zu lindern.

Seit September 2018 können Familien oder Alleinerziehende einen jährlichen Zuschuss in Höhe von 1.200 Euro pro Kind bei der KfW-Bankengruppe beantragen, wenn sie sich ein Eigenheim kauften oder bauten. Wer das Baukindergeld bewilligt bekommt, erhält pro Kind und Jahr 1.200 Euro, maximal zehn Jahre lang. Eine Familie mit einem Kind kann also bis zu 12.000 Euro Baukindergeld erhalten, eine fünfköpfige Familie mit drei Kindern 36.000 Euro.

Bundesweit wurden bislang rund sieben Milliarden Baukindergeld bewilligt. Insgesamt stehen 9,9 Milliarden Euro zur Verfügung. Mehr als 330.000 Familien haben sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren mit staatlicher Unterstützung den Traum vom Eigenheim erfüllt.

Wer kann jetzt noch Baukindergeld beantragen?

Am 31. März 2021 ist jedoch eine wichtige Frist abgelaufen. Anträge können nur noch Familien stellen, die bereits vor April 2021 einen Kaufvertrag unterschrieben oder eine Baugenehmigung bekommen haben. Eine weitere Verlängerung ist laut Bundesinnenministerium nicht geplant. Konkret heißt es in einem Merkblatt der KfW-Bankengruppe:

„Sofern Sie Ihren Kaufvertrag zwischen dem 1. Januar 2018 und 31. März 2021 unterzeichnet haben, Ihnen im genannten Zeitraum eine Baugenehmigung erteilt wurde oder Sie bei einem nach dem jeweiligen Landesbaurecht nicht genehmigungspflichtigen Vorhaben im genannten Zeitraum mit der Ausführung des Vorhabens beginnen durften, können Sie bis spätestens zum 31. Dezember 2023 bei Einhaltung aller Förderbedingungen einen Antrag auf Baukindergeld stellen.“

Baukindergeld: Was ist das?

Mit der sogenannten Wohnraumoffensive verfolgten Union und SPD das Ziel, Wohnen in Deutschland attraktiver und bezahlbar machen. Ein Teil des Maßnahmenpakets war die Einführung des Baukindergeldes, welches Familien beim Erwerb von Wohneigentum finanziell unter die Arme greift.

Seit September 2018 können Familien oder Alleinerziehende das Fördermittel beantragen. Sobald das Baukindergeld bewilligt ist, wird für jedes zum Zeitpunkt der Antragstellung im Haushalt lebende und kindergeldberechtigte Kind unter 18 Jahren ein Baukindergeld in Höhe von 1.200 pro Jahr bezahlt – maximal zehn Jahre lang. Der Förderbetrag je Kind liegt also bei 12.000 Euro, vorausgesetzt das errichtete oder erworbene Wohneigentum wird ununterbrochen selbst für Wohnzwecke genutzt.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um Baukindergeld zu bekommen? 

Ob Familien oder Alleinerziehende ihr Wohneigentum bauen oder kaufen, spielt keine Rolle. In beiden Fällen haben sie Anspruch auf Baukindergeld. Allerdings: Wer bereits eine Wohnung oder ein Eigenheim besitzt, geht leer aus, da der Förderzuschuss nur für den Ersterwerb von Wohneigentum bezahlt wird. Zudem darf die Immobilie nicht von direkten Verwandten wie Eltern oder Großeltern gekauft werden. Auch Familien, die genossenschaftlich bauen oder Anteile von Genossenschaften kaufen, haben keinen Anspruch auf Baukindergeld. Bauvorhaben, die nach dem jeweiligen Landesbaurecht nur anzeigepflichtig sind, sind förderfähig, sofern die zuständige Gemeinde nach Maßgabe der jeweiligen Landesbauordnung durch die Bauanzeige Kenntnis erlangt hat.

Wo in Deutschland Familien ihren Wohnraum erwerben oder bauen, ist für die Förderung unerheblich. Es gilt jedoch eine Einkommenshöchstgrenze. Das zu versteuernde Haushaltseinkommen darf nicht höher als 75.000 Euro liegen, wobei pro Kind ein Freibetrag in Höhe von 15.000 Euro gewährt wird. Konkret bedeutet das: Eine Familie mit zwei Kindern darf maximal 105.000 Euro pro Jahr verdienen. Wer darüber liegt, hat keinen Anspruch auf Baukindergeld.

Für den Nachwuchs gilt: Zum Zeitpunkt der Antragstellung muss mindestens ein Kind im Haushalt leben, das jünger als 18 Jahre alt und kindergeldberechtigt ist. Die Kindergeldberechtigung wird nur zum Zeitpunkt der Antragstellung überprüft und kann während des Förderzeitraums entfallen.

Wie berechne ich mein zu versteuerndes Haushaltseinkommen? 

Das zu versteuernde Jahreseinkommen darf nicht mit dem jährlichen Bruttoeinkommen verwechselt werden. Der genaue Betrag wird anhand der Einkommensteuerbescheide vom Finanzamt ermittelt und liegt unter dem Jahres-Brutto beider Ehegatten. Zum Jahreseinkommen zählen neben dem Arbeitsentgelt auch zusätzliche Einnahmen wie etwa Zinsen oder Mieten.

Maßgeblich für den Baukindergeld-Antrag ist der Durchschnitt aus den zu versteuernden Einkommen des vorletzten und vorvorletzten Jahres vor dem Einzug. Eine Familie mit einem Kind, die im Jahr 2020 in das Eigenheim einzieht und Baukindergeld beantragt, erhält die Förderung also nur dann, wenn das zu versteuernde Einkommen 2017 und 2018 durchschnittlich nicht über 90.000 Euro lag. Wer in diesen Jahren keine Steuererklärung abgegeben hat, muss dies nachholen. Sollten die Einkommensteuerbescheide nicht mehr vorliegen, können Steuerzahler ihr zuständiges Finanzamt bitten, Kopien von den beiden Steuerbescheiden zuzusenden.

Wo kann ich das Baukindergeld beantragen? 

Sobald Familien und Alleinerziehende ihr Eigenheim bezogen haben, können sie das Baukindergeld online bei der KfW Bankengruppe beantragen. Der Zuschussantrag muss innerhalb von drei Monaten nach Einzug und spätestens bis Ende 2023 erfolgen.

Ist das Baukindergeld mit anderen Förderprogrammen kombinierbar? 

Neben dem Baukindergeld können Familien auch weitere Vorteile aus anderen Förderprogrammen schöpfen. Eine Kombination kommt etwa mit dem Förderprogramm zum energieeffizienten Bauen und Sanieren, dem Wohneigentumsprogramm, altersgerechtes Umbauen und Einbruchschutz im Bestand sowie mit Länderprogrammen in Betracht. Wer etwa in Bayern ein Eigenheim baut oder kauft und die Voraussetzungen für das Baukindergeld erfüllt, kann zusätzlich das bayerische Baukindergeld in Höhe von 300 Euro pro Kind und Jahr beantragen.

Wer waren die bisherigen Antragsteller?

Die meisten Familien, die Baukindergeld beantragen, haben laut KfW ein oder zwei Kinder. In etwa der Hälfte der Fälle sind die Kinder noch keine vier Jahre alt, bei zwei Dritteln maximal sechs Jahre alt. Rund drei Viertel der Antragssteller haben als Familie ein Jahreseinkommen von weniger als 50.000 Euro, die meisten sogar unter 40.000 Euro.

Was und wo wurde mit Baukindergeld gebaut oder gekauft?

Gebaut und gekauft wurde bisher etwas mehr in der Stadt als auf dem Land: Rund 60 Prozent der Anträge wurden in städtischen Regionen gestellt. In zwei von drei Fällen wurden bestehende Immobilien gekauft, in einem Drittel neu gebaut. Die Neubauquote jedoch steigt – auch deshalb, weil der Förderantrag erst nach Einzug in die Immobilie gestellt werden kann.

Erfüllt das Baukindergeld seinen Zweck?

Die KfW ist zufrieden. „Aus unserer Sicht hat das Baukindergeld das Ziel erreicht. Es sollte jungen Familien mit niedrigem Einkommen helfen, Wohneigentum zu erwerben“, heißt es bei der Förderbank. Landkreise und Verbände fordern deshalb eine Fortführung. „Das Baukindergeld ist eine Erfolgsgeschichte“, sind sie überzeugt. Jeder Euro Baukindergeld komme dem Wohnungsmarkt zugute. Eine Familie, die eine Immobilie baue oder saniere, mache eine Mietwohnung frei.

Doch die staatliche Förderung hat nicht nur Fans, Grüne und FDP lehnen sie ab. Aus Sicht der Immobilienbranche macht es Häuser, Wohnungen und Grundstücke sogar noch teurer, weil viele Verkäufer die Prämie auf den Verkaufspreis aufschlügen. Vor allem Ein- und Zweifamilienhäuser wurden nach Daten des Statistischen Bundesamts im vergangenen Jahr trotz Corona-Krise deutlich teurer – nicht nur in Großstädten, sondern auch auf dem Land.

Weitere Informationen zum Baukindergeld sowie zur Antragsstellung bietet ein Merkblatt der KfW Bankengruppe.

Mit Inhalten von dpa