Interview Die Bäckerjugend-Weltmeister: Wie es hinter den Kulissen zugeht

Lisa Schultz und Moritz Metzler sind die neuen Weltmeister der Bäckerjugend. Wie hart das Trainingslager war und was bei der WM schiefgelaufen ist, erzählen sie im Interview mit der DHZ.

Moritz Metzler aus Langenargen am Bodensee und Lisa Schultz aus Potsdam setzten sich gegen die internationale Konkurrenz bei der Meisterschaft des Bäckerei-Weltverbandes in Lyon durch. - © Siegfried Brenneis

Die beiden Jungbäcker Lisa Schultz und Moritz Metzler haben sich über die deutsche Meisterschaft bis an die Spitze der Bäckerjungend gebacken. Seit Ende September dürfen sie sich Bäckerjugend-Weltmeister nennen. Die DHZ hat mit ihnen über den Backwettbewerb in Lyon und die Leidenschaft für ihr Handwerk gesprochen.

Wie sind Sie darauf gekommen, an der Weltmeisterschaft teilzunehmen?

Moritz Metzler: Auf dem Weg zur Weltmeisterschaft gibt es mehrere Qualifikationsstufen, die man durchlaufen muss. Ich habe meine Gesellen-Abschlussprüfung sehr gut bestanden. Deshalb habe ich eine Einladung zum Kammerwettbewerb erhalten. Vom Kammersieger über den baden-württembergischen Meister bin ich immer in die nächsthöhere Wettbewerbsstufe aufgestiegen. Bei der deutschen Meisterschaft hat mich schließlich so richtig der Ehrgeiz gepackt. Die wollte ich gewinnen und habe ich dann auch gewonnen.

Lisa Schultz:  Dass es letzten Endes einmal auf mich hinauslaufen würde als Teilnehmerin der Weltmeisterschaft, erscheint mir jetzt noch surreal. Ich habe zeitgleich mit der Deutschen Meisterschaft Skandinavistik studiert und meine Lehre beendet, hatte insofern wirklich überhaupt keine Zeit, zu trainieren.

Daher hätte ich nie gedacht, mit den besten deutschen Bäckern mithalten zu können. Ich wurde aber trotzdem Dritte bei der deutschen Bäckermeisterschaft. Dadurch habe ich mich als zweite Nachrückkandidatin für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Ich habe erst vier Wochen vor dem Wettbewerb erfahren, dass die Erst- und Zweitplatzierte ihre Teilnahme aus unterschiedlichen Gründen abgesagt haben. Aber ich wusste noch von der deutschen Meisterschaft, dass Moritz unbedingt an der WM teilnehmen wollte und habe ursprünglich wirklich nur ihm zuliebe zugesagt.

Moritz Metzler: Am Anfang habe ich das Lisa auch angemerkt. Sie hat mir nur zugearbeitet. Aber mit der Zeit hat man gemerkt, dass sie da schon das Fieber erfasst hat. Bei den letzten Trainings hat aber niemand mehr einen Unterschied erkannt, wenn ihre Produkte nicht sogar tendenziell ein bisschen schöner waren, als meine.

Sie haben ein Trainingslager in Weinheim absolviert: Was haben Sie dort genau gemacht?

Moritz Metzler: Sie müssen sich das wie ein Back-Internat vorstellen. Wir haben dort gewohnt, aber da waren auch Dutzende von Seminarräumen mit Backstuben. Es gab ein Restaurant, uns wurden alle Rohstoffe gestellt und wir mussten nichts dafür zahlen. Dafür sind wir sehr dankbar. Wir mussten die Prozesse und Abläufe zeitlich straffen. Zu Beginn haben wir zwölf Stunden für das Programm der Weltmeisterschaft gebrauch, wir hatten in Lyon aber nur sechs Stunden Zeit. Das Ziel war eine halbe Stunde früher fertig zu werden, das haben wir aber nie geschafft.

Lisa Schultz: Wobei man auch sagen muss, dass wir uns die Bedingungen auch so geschaffen haben. Wir haben uns anhand von Fotos angeschaut, wie groß die Backstube ist, wie viele Öfen wir dort zur Verfügung haben werden, wie viele Bleche wir dort hineinbekommen und so weiter und so fort. Also wir haben wirklich alles Mögliche versucht, die Bedingungen, so ähnlich wie beim wettbewerb zu gestalten.

Moritz Metzler: Die Öfen dort waren zum Beispiel fast genau die Gleichen, mit denen wir letztlich im Wettbewerb arbeiten mussten. Das war natürlich ein unfassbarer Vorteil für uns.

Sie sprechen von dem Programm der Weltmeisterschaft. Was mussten Sie denn dort genau backen?

Lisa Schultz: Wir mussten gewisse Produkte backen, immer in zwei Versionen: Einer traditionellen Auslegung und einer Spezialvariante. Bei den Zutaten und Formen wurden uns keine Vorgaben gemacht, da durften wir also unserer Kreativität freien Lauf lassen. Außerdem wurde noch ein Themenbezug gewünscht, der bei uns "World of music" war. Den musste man entweder durch Formen oder durch das Abstauben mit Schablonen irgendwie einbauen.

Moritz Metzler: Uns war nur die Stückzahl vorgegeben, das war prinzipiell sehr cool, aber auch sehr schwierig, weil man alle Möglichkeiten hat. Wegen der Einzelwertung mussten wir jede der Aufgaben allein erfüllen. Also konnten wir uns die Arbeit nicht so aufteilen, dass Lisa alle Brote und ich alle Brötchen gebacken hätte.

Lisa Schultz: Wobei wir das ganze schon sehr ausgereizt haben.

Moritz Metzler: Ja! Alles, was man irgendwie zusammen machen konnte haben wir auch zusammen gemacht, denn nur so kann man Zeit sparen. Natürlich nur im Rahmen des Erlaubten, aber wir sind da schon an die Grenze gegangen.

Ist auch etwas richtig schiefgelaufen?

Lisa Schultz: Ja. Bei meinen Spezialbrötchen!

Moritz Metzler: Das habe ich schon voll vergessen! Ich habe vermutlich ein Blech auf Lisas Brötchen gestellt. Und dann ist noch ein weiteres Hindernis aufgetreten: Die Veranstalter mussten den Schockfroster mitten im Wettbewerb abtauen. Das war auch nicht sonderlich hilfreich.

Lisa Schultz: Wir hatten da unfassbar weite Wege, standen uns ständig mit anderen Teams im Weg und wer damit gut zurechtkommt, hat Glück und wer nicht, muss sehen wo er bleibt.

Da geht auch ein großer credit an unseren Coach! Dani hat einfach die Ruhe nicht verloren.

Moritz Metzler: Ja, Daniel Plum hat das auch menschlich sehr begleitet.

Haben Sie etwas gelernt, was Sie sich für Ihren betrieblichen Alltag bewahren konnten?

Lisa Schultz: Das effektive, schnelle Arbeiten. Bei mir in der Backstube ist es sehr eng und da ist schon jeder eingesparte Weg Gold wert.

Moritz Metzler: Alltag und Wettbewerb sind schwierig zu vergleichen. Wenn Du im Alltag etwas nicht hinbekommst, ja dann gibt es das Brot eben heute nicht. Im Wettbewerb ging das so nicht. Da mussten wir das eben gebacken bekommen.

Was muss man mitbringen, um Bäcker zu werden?

Lisa Schultz: Um Bäcker zu werden, braucht es Leidenschaft für das Produkt und vor allem für die Herstellung des Produkts. Es muss einem egal sein, dass man zu frühnächtlichen Zeiten aufsteht und einen komplett anderen Lebensrhythmus hat, als sein komplettes Umfeld. Natürlich braucht es auch einen gewissen Ehrgeiz. Aber ob der Ehrgeiz jetzt darauf gerichtet ist, irgendwelche Wettbewerbe zu gewinnen, oder ob man mit sich selbst zufrieden ist, das kommt immer darauf an, was für ein Mensch man ist.

Moritz Metzler: Jeder, der Bäcker werden will, sollte zumindest mal einen Kuchen, ein Brot oder auch eine Pizza zu Hause gebacken haben und dabei den Ehrgeiz entwickelt haben, es besser zu machen, als die Pizzeria oder die Konditorei um die Ecke. Den haben wir auch beide, dieses "passt schon" gab es bei uns nie.

Lisa Schultz: Wobei man es auch nicht übertreiben darf mit dem Perfektionismus.

Über welche Glückwünsche haben Sie sich am meisten gefreut?

Lisa Schultz: Ich habe mich sehr über die Glückwünsche des israelischen Jurymitglieds gefreut. Da hat man schon sehr gemerkt, dass das von Herzen kam.

Moritz Metzler: Tatsächlich über die Glückwünsche der anderen Teams. Es ist schon noch etwas anderes, wenn Dir Leute gratulieren, die dasselbe durchgemacht haben. Vor allem von den Franzosen, die da schon sehr gerne gewonnen hätten. Ich bekomme aber von meinem Papa immer noch Post weitergeleitet, von Leuten, die ich gar nicht kenne, aber die mir trotzdem Postkarten ans Geschäft schicken, in denen sie mir gratulieren. Das freut mich auch immer sehr.