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Christian Zipper erhält Deutschen Solarpreis Bäckerei setzt auf Kraftdach, Eisspeicher und Wärmepumpe

Für das Energiekonzept seiner neuen Bäckereifiliale mit Café in Gelsenkirchen-Erle hat Firmeninhaber Christian Zipper den Deutschen Solarpreis erhalten.

In der ehemaligen St.-Bonifatius-Kirche in Gelsenkirchen-Erle wird demnächst eine Backstube einziehen. Christian Zipper, Inhaber der gleichnamigen Bäckerei mit sieben Filialen, hat mit dem Erwerb des ehemaligen Gotteshauses verhindert, dass sich dort ein Discounter ansiedelt. Unkonventionelle Wege geht Konditormeister Zipper auch, wenn es um das Energiekonzept für seine Filiale geht, die bereits auf dem Vorplatz der Kirche eröffnet wurde. Dafür hat er zusammen mit den Planern von der Kraftwerk Solutions GmbH ebenfalls den Deutschen Solarpreis erhalten.

Das Konzept beruht auf drei Säulen: Einem Kraftdach, das Strom und Wärme aus der Sonneneinstrahlung generiert, einem 30.000 Liter fassenden Eisspeicher, der als Puffer überschüssige Wärme aufnimmt und eine Wasserwärmepumpe, die das Gebäude im Winter beheizt und im Sommer kühlt. Ein intelligentes Energiemanagement entscheidet je nach Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit, ob geheizt, gekühlt oder gespeichert werden muss. So kommt die Bäckerfiliale mit Café ohne konventionelle Kühlung und ohne fossile Brennstoffe aus.

Das Konzept ist nicht neu, kommt aber bisher ausschließlich in größeren Dimensionen zum Einsatz, etwa bei Wohnungsbaugesellschaften. Für kleinere Unternehmen sei dies eine Neuheit, betont die Energieagentur Nordrhein-Westfalen, die den Bau des Eisspeichers mit 25 Prozent bezuschusst hat. Um sich die Anlage überhaupt leisten zu können, entschied sich Christian Zipper für ein Contracting-Modell.

Die Firma Innogy verpachtet die Anlage für 18 Jahre an die Bäckerei, die dadurch die Investitionskosten nicht sofort aufbringen musste und von Preisschwankungen am Energiemarkt verschont bleibt. „Die Bäckerei Zipper zeigt, dass das Modell Photovoltaik-Anlage und Eisspeicher auch für kleinere Betriebe wirtschaftlich attraktiv sein kann. Die Energiewende ist im gewerblichen Mittelstand angekommen“, heißt es in der Begründung der Jury des Deutschen Solarpreises. ste

Überblick über alle Solarpreise 2018

  • In der Kategorie „Städte, Gemeinden, Landkreise, Stadtwerke“ der Kreis Steinfurt – energieland2050 e.V. als erfolgreiches überparteiliches Bündnis von regionalen Akteuren zur Realisierung der Energiewende- und Klimaziele des Landkreises.
  • In der Kategorie „Solare Architektur und Stadtentwicklung“ die vernetzten Mehrfamilienhäuser mit Mieterstrom und Mieterwärme in Cottbus als Vorzeigeprojekt von Herrn Prof. Timo Leukefeld und der eG Wohnen 1902 für den Strukturwandel in der Lausitz und als politisches Signal für ein alternatives Mieterstrommodell zum EEG.
  • In der Kategorie „Industrielle, kommerzielle oder landwirtschaftliche Betriebe/Unternehmen“ das erneuerbare „Kraftdach“ für die Bäckereifiliale Zipper in Gelsenkirchen-Erle als nachhaltiges und technisch anspruchsvolles Energiekonzept für Strom, Wärme und Kälte.
  • In der Kategorie „Lokale und regionale Vereine/Gemeinschaften“ der Verein Solar Powers e.V. aus Berlin für das herausragende Engagement der Studierenden und die Signalwirkung für das Nutzungspotenzial von Solarstrom auf den Dächern von Bildungseinrichtungen.
  • In der Kategorie „Medien“  Heinz Wraneschitz aus Wilhermsdorf für sein langjähriges und konsequentes journalistisches Engagement für die dezentrale Energiewende auf Basis 100 % Erneuerbarer Energien.
  • In der Kategorie „Transportsysteme“ die e.GO Mobile AG aus Aachen für ein starkes Aufbruchssignal in das Zeitalter der Elektromobilität und die Vorbildfunktion für die etablierten Automobilhersteller in Deutschland.
  • In der Kategorie „Bildung und Ausbildung“ die Werner-Heisenberg-Schule in Rüsselsheim für das langjährige und fächerübergreifende Konzept zur Integration erneuerbarer Energieprojekte in den Unterricht.
  • In der Kategorie „Sonderpreis für persönliches Engagement“  Dr. Aribert Peters aus Unkel für sein jahrzehntelanges authentisches Engagement und sein gesamtgesellschaftliches Wirken im Interesse der Energieverbraucher.

Der Deutsche Solarpreis wurde von Hermann Scheer (†), Träger des Alternativen Nobelpreises, ins Leben gerufen. Gemeinden, Unternehmen, Vereine oder Organisationen, Journalisten und Privatpersonen erhalten seit 1994 den Preis von EUROSOLAR e.V. für ihr Engagement rund um Erneuerbare Energien. Ausgezeichnet werden besondere und herausragende Projekte und Initiativen, die eine konsequente und dezentrale Energiewende verfolgen.

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