Während der Ausbildung -

Ausbilden mit vereinten Kräften Fördermittel für die Ausbildung im Handwerk

Wer heute im Handwerk ausbildet, erlebt viel: die mühsame Suche nach geeigneten Bewerbern, das Akzeptieren von Kandidaten, die deutlich mehr Betreuung brauchen als der Durchschnitt und immer wieder Ärger wegen der Berufsschule. Bei allem Engagement brauchen Unternehmer für diese Aufgabe langen Atem und oft genug auch Unterstützung von Außen. Doch es gibt Hilfen.

Deutsche Bauunternehmen engagieren sich stark in der Ausbildung. Schon 2016 und 2017 sind die Azubizahlen kräftig gestiegen, unter anderem dank vieler neuer Ausbildungsstellen in den Betrieben. 2018 hielten die Unternehmen das hohe Niveau des Vorjahrs. Mit über 39.000 Auszubildenden hat die Branche so viel Nachwuchs wie seit 2002 nicht mehr, zeigen die Zahlen der Urlaubs- und Lohnausgleichskasse SOKA-Bau.

Große Besetzungsprobleme

Trotzdem gibt es viele Probleme. Über die Hälfte der Bauunternehmer meldete bei einer Online-Umfrage von Soka-Bau Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsstellen zu besetzen. Fast 15 Prozent der im Hoch- und Tiefbau gemeldeten Ausbildungsstellen blieb zum September 2019 unbesetzt.

Hinzu kommt das Problem der Abwanderung von frisch ausgelernten Fachkräften. Wie die Soka-Bau mitteilt, verblieb zuletzt nur rund die Hälfte der Gesellen direkt im Anschluss an ihre Ausbildung in der Baubranche.

Von den abgewanderten Gesellen habe etwa die Hälfte gegenüber ihren Unternehmen angegeben, dass sie sich weiterbilden wollten. Die andere Hälfte habe laut ihren Betrieben den Beruf oder die Branche ganz verlassen.

Mit Fördermaßnahmen gegen mangelnde Leistungen

Längst nicht alle Azubis erreichen mit ihrem ersten Ausbilder überhaupt die Gesellenprüfung. 34,5 Prozent aller Ausbildungsverträge aus den Bauberufen des Handwerks werden vorzeitig gelöst, zeigt die „Datenbank Auszubildende“ des Bundesinstituts für Berufsbildung (berechnet nach dem BIBB-Schichtenmodell).

Laut der Soka-Bau-Befragung liegen die Gründe häufig in mangelnden betrieblichen oder schulischen Leistungen der Azubis.

Das zeigt, wie wichtig für die zahlreichen Handwerksbetriebe Unterstützung von außen ist, wenn sie ausbilden und dabei auch lernbeeinträchtigte Jugendliche oder Geflüchtete in ihren Betrieb aufnehmen. Folgende beiden Beispiele zeigen, wie Unternehmer (nicht nur aus dem Baugewerbe) mit den Herausforderungen umgehen.

Schule ist die größte Hürde

Die Schule ist die größte Hürde. Darin sind sich Hermann Schöllkopf und Christine Weisheit einig. Ihre Unternehmen liegen 250 Kilometer voneinander entfernt, sie arbeiten in unterschiedlichen Branchen, doch die Erfahrungen in Sachen Ausbildung decken sich: Es wird immer schwieriger, gute Bewerber zu finden, es braucht immer mehr Engagement des Unternehmens, um Azubis durch die Ausbildung zu bringen und es lohnt sich nicht, Menschen auszubilden, die sich nicht bemühen.

Ausbildung mit Auszeichnung

Schöllkopf ist Bäckermeister und führt mit seinen drei Geschwistern die Schöllkopf Backwaren GmbH in Waiblingen bei Stuttgart. Weisheit ist Prokuristin bei Luka, einem Münchener Handwerksbetrieb für Kälte-, Lüftungs- und Klimatechnik.

Beide Familienbetriebe sind für ihr Ausbildungsengagement ausgezeichnet worden. Trotzdem kämpfen sie um Nachwuchs. "Es kommen einfach nicht mehr genügend qualifizierte Bewerber zu uns“, stellt Schöllkopf fest. Qualifiziert, das heißt für ihn, die Jugendlichen müssen Prozentrechnen können, ein bestimmtes Niveau in der deutschen Sprache haben und grundlegende Spielregeln einhalten, zum Beispiel pünktlich und sauber zur Arbeit erscheinen. Keine Selbstverständlichkeit, wie der Handwerker immer wieder feststellt.

Beide Unternehmer haben schon Azubis genommen, bei denen sie von vornherein kein gutes Gefühl hatten. Doch das hat sich nicht bewährt. Knackpunkt sei dabei weniger das fehlende Können als der fehlende Wille: "Wenn einer etwas noch nicht kann, aber sich bemüht, ist das kein Problem. Dann bringen wir ihn dahin. Aber bemühen muss er sich“, verlangt Schöllkopf.

Immer mehr Aufwand für Ausbildung

Auch Weisheit hat diese Erfahrung gemacht. Das Unternehmen tut viel, um Azubis zu fördern: In der hauseigenen Lehrwerkstatt erproben die Nachwuchskräfte ihr Können, außerdem kooperiert Luka mit einem zweiten Unternehmen, um Azubis gemeinsam zu schulen. Wo nötig, ­organisiert der Betrieb Mathematik- und Physiknachhilfe. Außerdem profitieren einige Azubis von der assistierten Ausbildung der Arbeitsagentur. "Das ist wirklich gut. Unsere Azubis haben dort sehr motivierte Lehrer", freut sich Weisheit über dieses Angebot der Berufsförderungsmaßnahme. Mittlerweile meldeten sich wieder mehr Bewerber im Betrieb, Luka konnte alle Ausbildungsstellen besetzen.

Trotzdem gibt es noch Ärgernisse: "Die Schule wirft mir die größten Steine in den Weg“, beobachtet Weisheit. Da sei einerseits die Sprachhürde: Azubis mit Sprachproblemen haben ihrer Erfahrung nach auf der regulären Berufsschule wenig Chancen, auch wenn sie fachlich gut sind.

Sprache großes Hindernis in der Berufsschule

Hierfür hat Christine Weisheit eine Lösung gefunden: Die Adolf-Kolping-Schule ist eine private Berufsschule mit kleinen Klassen und gut strukturiertem Unterricht. Hier könnten auch diejenigen mit schlechteren Deutschkenntnissen folgen.

Richtig ärgerlich findet sie ein anderes Problem: Die Stadt hat den Schulsprengel verlegt, so dass ihre Azubis zum Bürokaufmann nicht mehr in München, sondern im 50 Kilometer entfernten Bad Tölz zur Schule gehen müssen. Seither gibt es auch für die Bürostelle kaum mehr Bewerber. Immerhin: Für den kommenden Herbst konnte das Unternehmen alle Ausbildungsplätze mit guten Kandidaten besetzen. "Vielleicht zahlt sich jetzt unsere Arbeit, die wir jahrelang investiert haben, endlich mal aus“, hofft Weisheit.

Denn viel Arbeit ist es – aber sie lohnt sich, findet Hermann Schöllkopf: "Es freut einen, wenn man schwierige Fälle durch die Ausbildung bringt. Viele von ihnen arbeiten weiter bei uns, einer sogar schon seit 30 Jahren.“

Förderprogramme der Arbeitsagentur

Wer sich entschließt, benachteiligten jungen Menschen in seinem Betrieb eine Chance zu geben, muss als Ausbilder mehr leisten. Regelmäßig treten Probleme auf, weil der Jugendliche Bildungsdefizite aufweist, fachlich in Theorie oder Praxis nicht mitkommt, er Probleme beim Lernen oder Ängste vor Prüfungen hat, oder weil er sprachlich oder sozial benachteiligt ist.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) unterstützt mit verschiedenen Programmen Unternehmer und Jugendliche, um trotz dieser schwierigeren Voraussetzungen eine Ausbildung zu ermöglichen.

  • Betriebliche Einstiegsqualifizierung (EQ): Dieses Langzeitpraktikum dauert zwischen sechs und zwölf Monaten, mit dem Ziel, dem jungen Menschen Grundlagen des Berufs zu vermitteln und ihn idealerweise in Ausbildung zu übernehmen. Beginnt der Jugendliche anschließend in diesem Beruf eine Ausbildung, lassen sich bis zu sechs Monate auf die Ausbildungszeit anrechnen.
    Der Vorteil für Unternehmer: Sie lernen potenzielle Azubis kennen, die auf dem Papier nicht den Ansprüchen genügt hätten und können deren Fähigkeiten in der Praxis erproben.
    Einen Teil der Kosten, nämlich bis zu 243 Euro monatlich (Stand 08/2019) für die Vergütung plus einen pauschalierten Anteil am durchschnittlichen Gesamtsozialversicherungsbeitrag trägt auf Antrag die Arbeitsagentur oder das Jobcenter.
    Hier geht es zum Flyer der BA zur Einstiegsqualifizierung.
  • Assistierte Ausbildung (AsA): Wer bei der Ausbildung benachteiligter Jugendlicher an seine Grenzen stößt, kann sich an die "Assistierte Ausbildung“ wenden. Diese Maßnahme greift dort, wo der Azubi mehr Betreuung braucht, als der Betrieb leisten kann. Sind sich Arbeitgeber, Azubi und Arbeitsagentur einig, wo Hilfe nötig ist, beispielsweise zum Abbau von Sprach- und Bildungsdefiziten, um fachliche oder fachtheoretische Lücken zu schließen oder allgemein, um das Ausbildungsverhältnis zu stabilisieren, so engagiert die BA einen Ausbildungsbegleiter, der fortan eng mit dem Azubi zusammenarbeitet. Den Betrieb unterstützt die BA bei der Verwaltung, Organisation und Durchführung der schwierigeren Ausbildung. Die Teilnahme an AsA kann zu jedem Zeitpunkt der Ausbildung beginnen.
    Hier geht es zum Flyer der BA zur Assistierten Ausbildung.
  • Ausbildungsbegleitende Hilfen (AbH): Inhaltlich ähnlich, zeitlich aber weniger umfangreich, sind die "Ausbildungsbegleitenden Hilfen“. Auch hier bekommt der Azubi durch die BA sozialpädagogische, fachliche oder sprachliche Unterstützung. Je nach Bedarf greifen die Hilfen schon während einer Einstiegsqualifizierung, um eine Übernahme in die Ausbildung zu ermöglichen, aber auch während der Ausbildung.
    Hier geht es zum Flyer der BA zu den Ausbildungsbegleitenden Hilfen.

Spezielle Förderprogramme für die Ausbildung von Geflüchteten

  • Perspektiven für junge Flüchtlinge (PerjuF): richtet sich an Geflüchtete unter 25 Jahren. Laut BA sollen ihnen Kenntnisse über den deutschen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt vermittelt werden, damit sie sich für eine passende Ausbildung entscheiden können. Die Jugendlichen arbeiten unter anderem in verschiedenen Betrieben, um ihre Fähigkeiten zu erproben.
  • Wege in Ausbildung für Flüchtlinge: Junge Flüchtlinge sollen praxisnah und im direkten Kontakt mit Betrieben auf eine Ausbildung im Handwerk vorbereitet werden.
  • Branchenübergreifende Kooperationsmodelle. Ziel ist es, Menschen nachhaltig beruflich zu integrieren, indem die Teilnehmenden einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen und gleichzeitig an einer Aus- oder Weiterbildungsmaßnahme teilnehmen. Auch Sprachkurse können Teil des Modells sein. Infos: Kommit – Kooperationsmodell mit berufsanschlussfähiger Weiterbildung und Step by Step in die betriebliche Ausbildung.
  • Berufsbezogene Sprachförderung: Menschen mit Migrationshintergrund und einem Bedarf an sprachlicher Weiterqualifizierung können an diesem Programm des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge teilnehmen, vorausgesetzt, sind sind entweder bei der BA arbeitssuchend gemeldet, oder suchen nach einer Ausbildungsstelle, oder sind schon in einer Ausbildung oder durchlaufen gerade das Anerkennungsverfahren für einen Berufs- oder Ausbildungabschluss. Auch Geflüchtete im Anerkennungsverfahren können teilnehmen, sofern sie eine gute Bleibeperspektive haben.

Förderung für Jugendliche und junge Erwachsene

  • Berufsausbildungsbeihilfe: Eine finanzielle Förderung für junge Menschen in einer betrieblichen oder außerbetrieblichen Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf, die nicht mehr zu Hause wohnen, beispielsweise, weil der Ausbildungsbetrieb zu weit von zu Hause entfernt liegt.

Anträge auf Förderung richten die Unternehmer jeweils an die zuständige Agentur für Arbeit oder das regionale Jobcenter.

Gelder von Bund, Ländern und EU

Neben der Arbeitsagentur gibt es weitere Förderstellen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie pflegt in die Förderdatenbank auch regionale und internationale Fördermittel ein, die gezielt nach Fördergebiet, - berechtigung, -bereich oder -art gesucht werden können.

Eine gute Überblicksseite zu den Voraussetzungen einzelner Fördermaßnahmen bietet KOFA, die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte Seite zur Fachkräftesicherung in kleinen und mittleren Unternehmen.

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