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BAFA Vor-Ort-Beratung Individueller Sanierungsfahrplan: Noch wenige Beratungen vom Handwerk

Seit 1. Dezember 2017 dürfen auch Energieberater aus dem Handwerk den "individuellen Sanierungsfahrplan" für ihre Kunden erstellen und den staatlichen Zuschuss beantragen. Bislang ist die Nachfrage aber noch verhalten.

Seit 1. Dezember 2017 dürfen auch Energieberater aus dem Handwerk Beratungen im Rahmen der BAFA-Vor-Ort-Beratung durchführen. Die Kunden bekommen dann den sogenannten individuellen Sanierungsfahrplan ausgestellt und können die Beratung staatlich fördern lassen. Die Freude des Handwerks war groß, als das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) die Teilnahmebeschränkungen lockerte. Bisher zeigt sich jedoch noch keine sehr starke Nachfrage bei den Energieberatern im Handwerk.

Nur drei Prozent der Vor-Ort-Beratungen wurden bislang von Handwerkern durchgeführt – 45 Anträge für den Zuschuss hat das BAFA bekommen, die auf Energieberatungen aus dem Handwerk zurückgehen. Insgesamt ist die Nachfrage nach den Beratungen für den Sanierungsfahrplan in etwa auf Vorjahrsniveau: Im Januar/Februar 2017 erhielt das BAFA nach eigenen Angaben 1.524 Anträge; im Januar/Februar 2018 waren es 1.420.

Die Schornsteinfeger, mit etwa 2.400 ausgebildeten Energieberatern die stärkste Handwerksbranche in diesem Bereich, zeigen sich dennoch zuversichtlich und spüren das Interesse der Hausbesitzer. "Die Nachfrage ist schon relativ groß", sagt dazu Alexis Gula, der Sprecher des Bundesverbands der Schornsteinfeger. Er selbst führt seinen Betrieb im baden-württembergischen Plochingen und damit in einem Bundesland, wo das Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWärmeG) vorgibt, dass bei einem Heizungsaustausch 15 Prozent der genutzten Energie aus regenerativen Quellen nachgewiesen werden muss. "Ersatzweise kann der Sanierungsfahrplan mit fünf Prozent angerechnet werden", sagt er.

Bleibt abzuwarten, wie sich die Nachfrage über das Jahr 2018 entwickelt. Grundsätzlich gilt seit Dezember vergangenen Jahres, dass Handwerker fast unter den selben Bedingungen wie Architekten und Ingenieure als Energieberater im Rahmen des Programms tätig sein dürfen.

BAFA-Vor-Ort-Beratung: Das sind die Teilnahmebedingungen für Handwerker

"Für Handwerker, die zum Förderprogramm zugelassen werden wollen, um Zuschussanträge stellen zu können, gelten im Grundsatz dieselben Qualifikationsanforderungen wie etwa für Architekten oder Bauingenieure", teilt das BAFA auf Anfrage mit. Sie müssen die Ausstellungsberechtigung nach § 21 Energieeinsparverordnung mindestens für Wohngebäude besitzen und darüber hinaus eine Weiterbildung absolviert haben, die bestimmten Anforderungen entspricht. Die Anforderungen beziehen sich vor allem auf den Umfang der Weiterbildung in Stunden: 210 Unterrichtseinheiten Berufsgruppen wie etwa aus dem Handwerk statt 130 für Architekten und Ingenieure. Das BAFA weist zudem darauf hin, dass die Eintragung für ein anderes Bundesförderprogramm in die von der Deutschen Energieagentur (dena) betreute Energieeffizienz-Expertenliste für eine Zulassung zu diesem Förderprogramm nicht ausreichend ist.

Infos zu den Zulassungsbestimmungen stellt das BAFA online bereit.>>>

Der Lockerung der Teilnahmebestimmungen für allen Berufsgruppen im Dezember ging jedoch eine längere Diskussion voraus. Der Vorwurf gegen die Handwerker lautete: mangelnde Unabhängigkeit und Beratung nur im Blick auf die eigenen Unternehmensinteressen. Energieberater aus dem Handwerk, die meist einen eigenen Handwerksbetrieb führen oder in einem solchen arbeiten durften deshalb keine Beratung durchführen, für die die Kunden eine Förderung im Rahmen der BAFA-Vor-Ort-Beratung beantragen wollten. Das untersagten BMWi und BAFA bis dahin. Konkret ging es um den neuen sogenannten "gebäudeindividuellen Sanierungsfahrplan (iSFP)", der seit Juli 2017 Teil der BAFA-Vor-Ort-Beratung ist.  

Indem sich die Förderung des gebäudeindividuellen Sanierungsfahrplans nach den Vorschriften der Vor-Ort-Beratung richtet, war auch für dieses neue ganzheitliche Beratungsinstrument Handwerker ungeachtet einschlägiger Weiterbildungen zum Gebäudeenergieberater (HWK) ausgeschlossen.

Individueller Sanierungsfahrplan: Handwerk darf nun beraten

Doch genau dies änderte sich zum 1. Dezember 2017, denn das BMWi hat eingelenkt. Auch  Gebäudeenergieberater des Handwerks dürfen seitdem den geförderten gebäudeindividuellen Sanierungsfahrplan erstellen. Die entsprechende "Richtlinie über die Förderung der Energieberatung in Wohngebäuden vor Ort" wurden am 7. November 2017 im Bundesanzeiger in überarbeiteter Form veröffentlicht – zur Freude der Handwerksverbände, die durch die Änderung eine langjährige Forderung des Handwerks erfüllt sahen.

Förderung für die Vor-Ort-Beratung 

Der "individuellen Sanierungsfahrplan" beinhaltet ein Konzept, das Energieberater nutzen können , um den Sanierungsbedarf eines Gebäudes oder einer Wohnung darzustellen. Dabei wird sowohl deutlich, wo Schwachstellen liegen, welche Maßnahmen nötig sind, um diese zu beheben als auch welche Effekte erzielt werden können, wenn sich die Gebäudebesitzer zu einer Sanierung entschließen – wie viel Energie sie damit sparen können. Der Ansatz ist ein ganzheitlicher, so dass immer das ganze Gebäude in den Blick genommen wird und nötige Sanierungsmaßnahmen aufeinander abgestimmt werden.

Ein Muster des "gebäudeindividuellen Sanierungsfahrplans" gibt es hier zu sehen.>>> 

Das BAFA zahlt seit Juli 2017 bis zu 60 Prozent der Kosten für eine solche Beratung, die den "individuellen Sanierungsfahrplan" zum Ziel hat. Durchgeführt werden diese Beratungen von Energieberatern, die in der offiziellen Expertenliste der Deutschen Energieagentur (dena) eingetragen sind.

Sowohl der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) als auch die Bundesvereinigung Bauwirtschaft standen im vergangenen Jahr deshalb mit dem BMWi im intensiven Kontakt, um zu erreichen, dass an die Stelle der zuvor geltenden personenbezogenen Unabhängigkeit die Unabhängigkeit des Beratungsverfahrens selbst als Fördervoraussetzung tritt. Das wurde erreicht und so steht nun in den Förderbedingungen: "Zum Förderprogramm können alle Energieberater zugelassen werden, die über die geforderte fachliche Qualifikation verfügen. Die Energieberater haben sich durch Selbsterklärung gegenüber dem BAFA zu verpflichten, hersteller-, anbieter-, produkt- und vertriebsneutral zu beraten."

Vor-Ort-Beratung und gebäudeindividueller Sanierungsfahrplan

Vor Ort beurteilt ein Energieberater den Zustand des Gebäudes hinsichtlich möglicher energetischer Sanierungsmaßnahmen und erstellt mit Hilfe der neuen Software ein Konzept entweder für eine Komplettsanierung oder für eine schrittweise Sanierung mit aufeinander abgestimmten Maßnahmen – der individuelle Sanierungsfahrplan.

Was wird gefördert?

Das BMWi übernimmt 60 Prozent der Beratungskosten. Die Höchstförderung beträgt bei:

  • Ein- und Zweifamilienhäusern 800 Euro
  • Gebäuden mit mehr als drei Wohneinheiten sogar 1.100 Euro.

Wer wird gefördert?

Das Angebot der "Vor-Ort-Beratung" richtet sich an folgende Zielgruppen:

  • Haus- und Wohnungseigentümer
  • Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG)
  • Mieter und Pächter
  • rechtlich selbstständige Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft (nur kleine und mittlere Unternehmen)
  • Einrichtungen, die gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Zwecke verfolgen

Unter welchen Voraussetzungen bekommt man die staatliche Förderung?

Um vom Angebot der "Vor-Ort-Beratung" zu profitieren, muss

  • das Gebäude in Deutschland stehen.
  • der Bauantrag bis zum 31. Januar 2002 gestellt worden sein.
  • das Gebäude überwiegend dem Wohnen dienen – so sind zum Beispiel Vereinsgebäude von der Förderung ausgenommen.

Wie bekommt man die Förderung für eine "Vor-Ort-Beratung"?

Die Förderung organisieren die beauftragten Energieberater für ihre Kunden.

Quelle: BMWi

Die Vorwürfe der mangelnden Unabhänigkeit hatte das Baugewerbe allerdings schon im Vorfeld der Konfliktlösung als nicht berechtigt erklärt. Die ganzheitliche, gewerkeübergreifende Modernisierungsplanung im Sinne eines Sanierungsfahrplans sei immer schon Bestandteil der Weiterbildungsregelung zum Gebäudeenergieberater (HWK) gewesen. Insofern seien die Gebäudeenergieberater fachlich geeignet, Sanierungsfahrpläne zu erstellen, so der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes.

Die Bundesvereinigung Bauwirtschaft sieht zudem durch den Sanierungsfahrplan die Neutralität des Beratungsergebnisses bereits als gegeben an, da er die verschiedensten Gewerke mit einbezieht. Im Regelfall würden sich Gebäudeeigentümer wegen eines sanierungsbedürftigen Bauteils oder der Anlagentechnik unmittelbar an einen Handwerker wenden, der dann vor Ort erkennen könne, wenn noch weiteres Potenzial für Energieeinsparungen vorhanden sei.

Mehr Beratungspotenzial für Verbraucher

Auch der ZDH beurteilt die Unabhängigkeit allein schon durch die gute Qualifikation der Energieberater aus dem Handwerk als gegeben an. "Handwerker werden sich auch in Zukunft in über 240 Stunden zum Gebäudeenergieberater weiterbilden und regelmäßige Fortbildungen absolvieren", erklärte ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke als das BMWi die Neuerung im Förderprogramm bekannt gab. Auch er betont die Tatsache, dass der gebäudeindividuelle Sanierungsfahrplan gewerkeübergreifend und computergestützt erstellt wird und damit eine Neutralität gewährleistet. Zudem werde das BAFA regelmäßige Stichprobenkontrollen durchführen und die erstellten Sanierungsfahrpläne hinsichtlich deren Plausibilität überprüfen.

Informationen zum "gebäudeindividuellen Sanierungsfahrplan" gibt es unter deutschland-machts-effizient.de.

Über die "Vor-Ort-Beratung" informiert das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle unter bafa.de.

Der Beitrag wurde am 1. März 2018 aktualisiert.

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