Der Sächsische Handwerkstag fordert eine Reform der Einkommensteuer, Menschen mit kleinem und mittlerem Einkommen sollen so entlastet werden. Präsident Jörg Dittrich verweist dabei auf ein Versprechen, das die Politik vor vielen Jahren abgegeben, aber noch nicht eingelöst hat.

Wenn man sich trotz steigender Löhne unterm Strich weniger leisten kann, spricht man vereinfacht von der "kalten Progression". Der Sächsische Handwerkstag machte diese am Montag bei einem Treffen zum Thema und forderte eine grundlegende Reform des Tarifverlaufs bei der Einkommensteuer. Vor allem kleine und mittlere Einkommen würden durch die kalte Progression nach wie vor über Gebühr belastet und benachteiligt. Vor vielen Jahren habe die Politik zugesichert, diese Steuerungerechtigkeiten zu beseitigen. Bislang sei sie jedoch untätig geblieben, mahnte Präsident Jörg Dittrich.
Im Zusammenhang mit der Inflation führe die Progression zu "heimlichen" Steuererhöhungen für beruflich Selbstständige und Arbeitnehmer, was dem Staatshauhalt wiederum enorme Steuermehreinnahmen beschere. "Durch mehr Netto vom Brutto müssen Leistungsträger der Gesellschaft wie das Handwerk wieder mehr Wertschätzung erfahren", forderte Dittrich.
Lohnnebenkosten senken
Nach Ansicht des Handwerkstages könnten Betriebe und Beschäftigte darüber hinaus durch geringere Lohnnebenkosten entlastet werden. Davon würden im Handwerk vor allem personalintensive Unternehmen wie Friseure, Kosmetiker oder Lebensmittelhandwerker profitieren. Also jene Betriebe, die auch durch die regelmäßige Anhebung des gesetzlichen Mindestlohnes in besonderen Zugzwang geraten.
"Wenn gesetzliche Mindestlöhne steigen, erhöhen sich nicht nur für den Arbeitgeber die Lohnnebenkosten, sondern ebenso muss der Arbeitnehmer mehr Steuern und Sozialversicherungsbeiträge an den Staat abführen", sagte Dittrich. Gewinner sei auch hierbei praktisch nur der Staat durch enorme Mehreinnahmen.
Von einer neuen Regierung fordert der Handwerkstag zudem bürokratische Entlastungen, vor allem für Kleinbetriebe. Darüber hinaus müsse die berufliche Bildung sowohl gesellschaftlich als auch politisch aufgewertet werden. Das sei aus Sicht des Sächsischen Handwerks etwa durch die bundesweite Ausweitung des Azubi-Tickets und eine deutliche Aufwertung des Meisterbonus möglich. fre