Kolumne Abmahnung in der Ausbildung: Wann ist sie rechtens?

Eine Abmahnung ist ein scharfes Schwert. Bevor Ausbilder sie anwenden, sollten sie sicher gehen, dass sie angemessen und formal korrekt ist. Ausbildungsberater Peter Braune erklärt, worauf es ankommt.

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Eine Abmahnung muss kurz nach dem Regelverstoß ausgesprochen werden. - © Dilok - stock.adobe.com

Ein junger Mann lernt Mechaniker für Reifen- und Vulkanisationstechnik. Für alle ist ganz normal, dass es manchmal zu den üblichen Schwierigkeiten und Konflikten kommt. Gemeinsam lassen sie sich bewältigen. Doch irgendwann klappt das mit den Bemühungen nicht mehr. Ist es das veränderte private Umfeld, sind es persönliche Probleme mit der Familie oder Freunden oder gefällt dem jungen Mann plötzlich irgendetwas im Betrieb nicht mehr? Auf jeden Fall fängt alles ganz harmlos an. Unzuverlässigkeit, Unpünktlichkeit und Unordentlichkeit sind plötzlich die Merkmale, an denen man ihn erkennen kann.

Dem Meister reicht es schließlich. Als disziplinarische Maßnahme greift er zum Mittel der Abmahnung, um den Lehrling auf die Verhaltensmängel hinzuweisen. Er weiß, wenn die Defizite weiterhin bestehen bleiben, könnte er mit einer weiteren Abmahnung oder einer Kündigung reagieren. Um nichts falsch zu machen setzt er sich mit seiner Ausbildungsberaterin in der Handwerkskammer in Verbindung. Die erläutert ihm was er zu beachten hat, damit seine Abmahnung wirksam ist und welche Bedingungen erfüllt sein müssen.

Wann ist eine Abmahnung gerechtfertigt?

Gerechtfertigt ist eine Abmahnung in der Ausbildung dann, wenn der Lehrling gegen die im Lehrvertrag vereinbarten Pflichten verstößt. Das bedeutet zum Beispiel, er oder sie erscheint unentschuldigt verspätet oder gar nicht am Ausbildungsplatz, schwänzt die Berufsschule oder führt den Ausbildungsnachweis nicht wie vorgegeben. Schlechte Noten oder versehentliche leichte Fehler sind kein Abmahnungsgrund.

Ändert sich das angemahnte Verhalten in der Folge nicht, kann das in letzter Konsequenz zur Kündigung wegen vertragswidrigen Verhaltens führen. In der Rechtsprechung hat sich die Faustregel herausgebildet, dass einer Kündigung mindestens zwei Abmahnungen zu gleichen Tatbeständen vorausgehen müssen. Aber es gibt Ausnahmen. Bei grobem Fehlverhalten wiederum, wie zum Beispiel einem Diebstahl oder einer mutwilligen Sachbeschädigung, droht die sofortige Kündigung.

Was sollte bei einer Abmahnung beachtet werden?

Eine Abmahnung sollte schriftlich erfolgen. Um formal korrekt zu sein, muss sie die Zeit, den Ort und die Art des Vertragsverstoßes genau wiedergeben. Außerdem muss sie recht schnell nach dem Vorfall ausgesprochen werden; eine vorgeschriebene Frist gibt es aber nicht.

Soll mit der Abmahnung eine fristlose Kündigung gestützt werden, muss diese darin ausdrücklich angedroht worden sein. Je nach der Art der Pflichtverletzung verliert eine Abmahnung in der Regel nach ein bis zwei Jahren ihre Wirksamkeit. Danach darf sie nicht mehr als Kündigungsgrundlage genutzt werden. Im Zeugnis, das am Ende der Lehrzeit ausgestellt wird, darf eine Abmahnung nicht erwähnt werden.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.