Kolumne Internationale Bewerber: Eignung ermitteln und einordnen

Möchte eine Meisterin oder ein Meister eine Fachkraft aus einem Europäischen Mitgliedstaat einstellen, muss bekannt sein, was der Bewerber tatsächlich kann. Dabei hilft der Europäische Qualifikationsrahmen.

Handshake
Anhand des Europäischen Qualifikationsrahmens lassen sich die Kenntnisse und Fähigkeiten von internationalen Bewerbern vergleichen. - © chomplearn_2001 - stock.adobe.com

Zeugnisse helfen bei der Bewertung ausländischer Bewerber nur begrenzt, weil die vielfältigen europäischen Bildungssysteme unterschiedlich qualifizierte Fachkräfte hervorbringen. Der Europäische Qualifikationsrahmen ist die gemeinsame Sprache, mit der sich die Qualifikationen der europäischen Aus- und Weiterbildungssysteme beschreiben und lesen lassen. Dabei spielt es keine Rolle, wann, wo und wie lange jemand etwas gelernt hat, sondern nur, was er oder sie wirklich kann.

Besser Vergleichbarkeit herstellen

Der Europäische Qualifikationsrahmen wurde zur besseren Vergleichbarkeit der nationalen Bildungsabschlüsse in Europa erarbeitet. Er ist eines von verschiedenen Instrumenten, mit denen in der EU ein einheitlicher Bildungsraum geschaffen werden soll. Die Mobilität der Bürgerinnen und Bürger innerhalb des europäischen Bildungs- und Arbeitsmarkts soll erleichtert werden, indem die Qualifikationen aus verschiedenen Ländern vergleichbar und verständlicher gemacht werden.

Somit ist der Europäische Qualifikationsrahmen ein Übersetzungssystem, das eine bessere Einstufung der Abschlüsse ermöglicht, die in einem anderen Land erworben wurden. Durch ihn werden die Qualifikationen in geeigneter Form dargestellt und lesbar gemacht. Damit soll auch das lebenslange Lernen gefördert werden.

Deutscher Qualifikationsrahmen

Die Einführung war Anlass zur Entwicklung des deutschen Qualifikationsrahmens. Darin sind die verschiedenen Bestandteile des nationalen Bildungssystems miteinander verknüpft. So können verschiedene Lernwege individuell eingeschlagen werden. Das Instrument unterstützt die Mobilität innerhalb Europas und die Durchlässigkeit innerhalb der nationalen Bildungssysteme.

Acht Niveaustufen geben Übersicht

Der Rahmen besteht aus acht Referenzebenen. Sie bilden die gesamte Bandbreite von Qualifikationen der allgemeinen, beruflichen und akademischen Aus- und Weiterbildung ab. Für jede der acht Niveaustufen werden Lernergebnisse in Form von Kenntnissen, Fertigkeiten und Kompetenzen beschrieben. Ein wichtiges Prinzip ist die Lernergebnisorientierung. Die verschiedenen Abschlüsse und Qualifikationen werden so aufgeschlüsselt, dass deutlich wird, was die Lernenden am Ende des Lernprozesses wissen, verstehen und können. Das gilt unabhängig davon, wie und wo sie sich die Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten angeeignet haben.

Der nationale Rahmen ermöglicht dem Meister den Vergleich und die Einordnung der Qualifikationen von Bewerberinnen und Bewerbern aus anderen Ländern der Europäischen Union. Die nationale Umsetzung berücksichtigt die Besonderheiten des deutschen Bildungssystems, insbesondere der dualen Berufsausbildung oder studienorientierter Qualifikationen und deren Gleichwertigkeit. Das ist auch ein Beitrag zur angemessenen Bewertung und Vergleichbarkeit deutscher Qualifikationen in Europa. Alle formalen Qualifikationen des deutschen Bildungssystems in den Bereichen Schule, berufliche Bildung, Hochschulbildung und Weiterbildung wurden einbezogen.

Berufsbildung hat höheren Stellenwert

Dieser Ansatz hilft auch, Bildung und Beschäftigung besser zu verzahnen und die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und hochschulischer Bildung zu erhöhen. Davor war es so, dass Menschen mit einer beruflichen Bildung bei der Aufnahme eines Hochschulstudiums bei null anfangen mussten, ohne dass bereits vorhandene Kompetenzen angerechnet wurden. Das verlängerte die Bildungszeiten künstlich und war für die Betroffenen, Betriebe und gesamtwirtschaftlich unbefriedigend. Der Europäische und Deutsche Qualifikationsrahmen geben hilfreiche Impulse, Umwege zu vermeiden.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.