Verein, Verbund oder Konsortium Gemeinsam ausbilden: Das leisten Partnerunternehmen

Kann ein Betrieb nicht alle Fertigkeiten vermitteln, die die Ausbildungsordnung vorschreibt, kann ein Partnerunternehmen dies kompensieren. Ausbildungsberater Peter Braune erklärt, wie das Konzept funktioniert.

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Wenn in einem Ausbildungsbetrieb bestimmte Maschinen oder Werkzeuge fehlen, die Teil der Ausbildungsordnung sind, kann ein anderer Betrieb dies vielleicht ausgleichen. - © Christian Horz - stock.adobe.com

In einem Betrieb soll ein Präzisionswerkzeugmechaniker ausgebildet werden. Der Meister hat das Unternehmen erst vor kurzer Zeit gegründet. Er vereinbart einen Termin mit dem Ausbildungsberater der Handwerkskammer. Der prüft vor Beginn der Ausbildung die Eignung der Ausbildungsstätte. Die muss nach Art und Einrichtung für die Berufsausbildung geeignet sein. Können die in der Ausbildungsordnung genannten Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten nicht in vollem Umfang in der Ausbildungsstätte vermittelt werden, kann das durch Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte ausgeglichen werden.

Was kann der Betrieb leisten und was nicht?

Nach der Betriebsbegehung setzen sich die zwei zusammen und besprechen das Ergebnis. Grundsätzlich kann der Beruf dort ausgebildet werden. Es gibt nur eine Berufsbildposition im Ausbildungsrahmenplan, die nicht durch entsprechende technische Ausstattung abgedeckt ist. Beim Einrichten von Werkzeugmaschinen müssten die Lehrlinge lernen, wie die Programme für numerisch gesteuerte Werkzeugmaschinen erstellt, eingegeben, getestet, geändert und optimiert werden. Sie würden dann einen Korrekturlauf durchführen sowie die Werkzeugkorrekturwerte bestimmen und einstellen.

Das ist aber kein Problem, denn der Ausbildungsberater wird sich um ein Partnerunternehmen kümmern, in dem die Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelbar sind. Mit Hilfe dieser Ausbildungsmaßnahme außerhalb der Ausbildungsstätte kann die Hürde überwunden werden. Sie ermöglicht Betrieben, die nur einen Teil der Qualifikationen eines Ausbildungsberufes vermitteln können, gemeinsam mit anderen Betrieben die Beteiligung an Ausbildung.

Azubis profitieren in mehrfacher Hinsicht

So lernen die Lehrlinge auch noch verschiedene Bereiche während der Ausbildung kennen und können ihre fachlichen und sozialen Kompetenzen erweitern. Sie sind damit bereits in der Ausbildung damit vertraut, sich auf wechselnde Teams, unterschiedliche Unternehmenskulturen und neue Aufgabenbereiche einzustellen. Die Ausbildungsmaßnahme wird im Lehrvertrag festgehalten und die Kosten trägt der Meister.

Verbundausbildung

Eine andere Möglichkeit die Eignung der Ausbildungsstätte sicherzustellen, ist die Verbundausbildung. Zur Erfüllung der vertraglichen Verpflichtungen können mehrere natürliche oder juristische Personen die benötigten Ausbildungsplätze schaffen. In allen am Verbund beteiligten Ausbildungsstätten muss es für den jeweiligen Ausbildungsabschnitt eine persönlich und fachlich geeignete Person geben.

Es gibt einen Leitbetrieb mit Partnerbetrieben. Dort werden die Lehrverträge abgeschlossen. Einzelne Abschnitte, für deren Vermittlung der Leitbetrieb nicht die notwendigen Voraussetzungen besitzt, erfolgen in Partnerbetrieben. Hierfür wird ein Kooperationsvertrag abgeschlossen. Die Gesamtverantwortung für die Ausbildung liegt beim Leitbetrieb. Das Bestreben des Leitbetriebes ist, selbst Lehrlinge einzustellen und die Ausbildung so weit wie möglich selbst durchzuführen, zu gestalten und zu beeinflussen. Das Interesse der Partnerbetriebe besteht darin, die eigene Ausbildungsfähigkeit durch eine Teilhabe an den Ausbildungserfahrungen zu verbessern und bei Bedarf die Ausstattung des Leitbetriebes zu nutzen.

Auftragsausbildung

Bei der Auftragsausbildung finden einige Abschnitte der Ausbildung, gegen Kostenerstattung, außerhalb des Stammbetriebes statt. Sie ist wegen ihrer Flexibilität geeignet, um betrieblich bedingte Schwankungen der Ausbildungskapazität auszugleichen.

Ausbildungsverein

Beim Ausbildungsverein werden die organisatorischen Aufgaben in einer zentralen Stelle ausgeführt, während in den Mitgliedsunternehmen die Ausbildung stattfindet. Die Lehrverträge werden meist von der Geschäftsführung im Ausbildungsverein abgeschlossen. Die Satzung regelt die Beziehungen zwischen allen Beteiligten des Verbundes. Die anfallenden Kosten können durch die Mitgliedsbeiträge, Fördermittel oder Spenden aufgebracht werden. Das Motiv ist, die im Zusammenhang mit der Ausbildung anfallenden Organisations-, Koordinierungs- und Verwaltungsaufgaben in einer Hand zusammenzuführen.

Ausbildungskonsortium

Bei einem Ausbildungskonsortium werden in mehreren kleinen und mittleren Unternehmen Lehrlinge eingestellt. Die Betriebe tauschen dann in vereinbarten Zeiträumen die Lehrlinge aus. Diese Ausbildungsabschnitte können zum Beispiel auch in einem überbetrieblichen Zentrum stattfinden. Die Zusammenarbeit kann sich dabei auch auf verschiedene Fragen der Ausbildung erstrecken.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.