Kolumne Einflussfaktoren auf eine erfolgreiche Ausbildung: Eine Checkliste

Der Lernort, das Betriebsklima, die Ausstattung und die betriebliche Organisation – das alles kann entscheiden, wie gut Lehrling und Betrieb zusammenpassen. Ausbildungsberater Peter Braune beschreibt die Einflussfaktoren auf eine erfolgreiche Ausbildung – für Azubis und Ausbilder.

Siebdrucker
Vieles hat Einfluss darauf, ob eine Ausbildung erfolgreich wird. Der Ausbilder hat Gestaltungsspielraum. Beispiele aus dem Siebdruckerhandwerk. - © Odua Images - stock.adobe.com

Es wird immer wieder einmal behauptet, die Bewerberinnen und Bewerber beherrschten nicht mehr grundlegend die deutsche Sprache in Wort und Schrift, es würde auch an den einfachen Rechentechniken, naturwissenschaftlichen Kenntnissen sowie den Grundkenntnissen wirtschaftlicher Zusammenhänge mangeln. Die Zuverlässigkeit, Lehr- und Leistungsbereitschaft, Ausdauer, Belastbarkeit, Gewissenhaftigkeit, Konzentrationsfähigkeit, Verantwortungsbereitschaft, Sorgfalt, Selbständigkeit, Kreativität, Flexibilität, Kooperationsbereitschaft, Höflichkeit, Freundlichkeit, Konfliktfähigkeit, Toleranz sowie die Fähigkeit zu Kritik und Selbstkritik wäre nicht so, wie es die Meisterin oder der Meister erwarten.

Ich frage mich ganz oft, ob das tatsächlich so ist. Es kann doch auch ganz einfach an den im Lehrbetrieb beteiligten Menschen liegen. Die unzureichenden Leistungen der Lehrlinge könnten unter Umständen auch betriebliche Ursachen haben.

Checkliste für eine erfolgreiche Ausbildung

Ich habe mich ein wenig umgehört. Ein Meister, der Siebdrucker ausbildet, gab mir eine Checkliste, mit der nach seiner Meinung die auslösenden Gründe zu ermitteln wären.

Da geht es zunächst einmal um die Gestaltung des Lernortes:

  • Die Sitz- und Arbeitshaltung sollte ergonomisch angepasst sein.
  • Die Temperatur und die Belüftung müssten die Arbeitsleistung fördern und die Belastung durch Lärm ist begrenzt.
  • Die Beleuchtung macht das effektive Arbeiten möglich.
  • Die technischen Fehlerquellen sind ausgeschaltet und
  • die Arbeitssicherheit wird durch die regelmäßigen Belehrungen und durch entsprechende Schutzmaßnahmen gewährleistet.

Ein zweiter wichtiger Themenkreis ist die Arbeit in der Gruppe:

  • Die Zusammenarbeit muss gut sein.
  • Es herrscht ein freundlicher Umgangston und es ist sichergestellt, dass Einzelne nicht ausgegrenzt sind.
  • Die persönlichen Fähigkeiten und Kenntnisse sind berücksichtigt.
  • Die gegenseitigen Erwartungen sind bekannt und die Privatsphäre ist geachtet.
  • Die Benachteiligung, aufgrund religiöser und kultureller Überzeugung, schließen wir aus.
  • Das Temperament und der Charakter werden respektiert und
  • die Möglichkeit zur Mitbestimmung ist gewährt.

Einflussfaktoren: Das alles sollte zur Ausbildung dazugehören – im Idealfall

Die Arbeitsanweisungen sind verständlich erklärt. Die Tätigkeiten werden von den Ausbilderinnen und Ausbildern praktisch vorgeführt. Sie fragen aktiv nach, bevor die Tätigkeiten von den Auszubildenden praktisch nachgemacht werden. Die Qualität des Arbeitsergebnisses wird gemeinsam bewertet. Die Anweisung wird je nach Bedarf mehrfach wiederholt.

Die Bewegungs- und Arbeitsabläufe sind sinnvoll und fließend gestaltet. Die Zeitvorgaben sind angemessen. Die Geräte sind sicher, die Maschinen sind gebrauchsfähig und die Gebrauchsgüter sind vollständig.

Der betriebliche Ausbildungsplan wird regelmäßig hinzugezogen. Die Führung des Ausbildungsnachweises wird vom Ausbildungspersonal aktiv unterstützt.

Das ausbildende Personal verfügt über die persönliche und fachliche Eignung. Die Lehrmethoden werden ständig verbessert. Der Lernverlauf und der Lernerfolg sind beobachtet. Die erforderlichen, überbetrieblichen Lehrgänge sind erfolgreich besucht.

Die vertraglichen Arbeitszeiten sind dokumentiert. Die gesetzlichen Pausen werden eingehalten. Der Urlaub wird gewährt. Die Überstunden werden abgegolten. Die Rechtsgrundlagen werden eingehalten.

Herrschen dort paradiesische Zustände oder sollte das nicht der Normalzustand in einem Lehrbetrieb sein?

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.