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Geringwertige Wirtschaftsgüter: So funktioniert der Sofortabzug GWG: Ab 2018 neue Grenzen

Ab 2018 gelten für geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) neue Grenzen. Unternehmer haben bei der steuerlichen Abschreibung verschiedene Wahlrechte. Anhand von Checklisten können Sie prüfen, was sich am meisten lohnt.

100 Prozent Betriebsausgaben: Die Ausgaben für sogenannte geringwertige Wirtschaftsgüter (kurz GWG) können komplett in einem Jahr steuerlich von Gewinn abgezogen werden.

GWG: Steueränderungen ab dem 1. Januar 2018 beachten

Höhere Grenzen für GWG

Erwerben Sie bewegliche Gegenstände für das Anlagevermögen Ihres Handwerksbetriebs, die ohne andere Gegenstände nutzbar sind und derzeit netto nicht mehr als 410 Euro kosten, winkt steuerlich der Sofortabzug für geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG). Sofortabzug bedeutet, dass die Kosten im Jahr der Zahlung in voller Höhe als Betriebsausgaben vom Gewinn abgezogen werden können und nicht über viele Jahre verteilt abgeschrieben werden müssen.

Neuregelung: Die Nettogrenze beim Kauf solcher Gegenstände wird ab 1. Januar 2018 auf netto 800 Euro angehoben.

Gestaltungsüberlegung: Planen Sie den Kauf von Gegenständen im Wert von mehr als 410 Euro bis maximal 800 Euro mit einer langen Nutzungsdauer, sollte der Kauf auf 2018 verschoben werden. Warum verdeutlicht, das folgende Beispiel.

Beispiel: Sie planen den Kauf von 30 verschiedenen Büromöbeln im Nettowert von jeweils 780 Euro (gesamt 23.400 Euro).

Kauf 2017: Da die Gegenstände mehr als 410 Euro kosten, kommt nur die lineare Abschreibung auf 13 Jahre in Betracht (= Nutzungsdauer für Möbel). Das würde 2017 einen Betriebsausgabenabzug von 1.800 Euro bedeutet.

Kauf 2018: Warten Sie mit dem Kauf bis 2018, handelt es sich bei den Büromöbeln um GWG mit der Folge, dass die kompletten 23.400 Euro als Betriebsausgaben 2018 verbucht werden dürfen.

Weitere Neuregelungen zu GWG

Für GWG bis netto 250 Euro müssen Sie ab 2018 keine Aufzeichnungen in einem Verzeichnis mehr führen, wenn sich die Werte zu den GWG aus der Buchhaltung ergeben. Bisher lag diese Grenze bei 150 Euro. Neuerungen ergeben sich auch bei den Wahlrechten bei GWG. Denn neben dem Sofortabzug für GWG bis 800 Euro können Unternehmer auch die so genannte Sammelpostenabschreibung (auch als Poolabschreibung bezeichnet) wählen. Danach dürfen GWG bis 1.000 Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren abgeschrieben werden. Für alle GWG eines Jahres kann aber nur entweder der Sofortabzug oder die Poolabschreibung gewählt werden.

Ausnahme: GWG bis netto 150 Euro können unabhängig davon sofort als Betriebsausgaben verbucht werden. Auch diese Grenze klettert 2018 auf 250 Euro.

Beispiel: Sie kaufen 2018 60 GWG im Preissegment bis netto 250 Euro, zehn GWG im Preissegment bis 800 Euro und 30 GWG im Preissegment bis 1.000 Euro.

Folge: Die GWG bis netto 250 Euro können in voller Höhe sofort den Betriebsausgaben zugeschlagen werden. Für die übrigen GWG entscheiden Sie sich für die Poolabschreibung.

Grundsätze zum Sofortabzug für GWG

Doch egal, welche Grenzen gelten, beim Kauf geringwertiger Wirtschaftsgüter (kurz GWG) haben Sie als Unternehmer mehrere Wahlrechte für die steuerliche Abschreibung. Diese Wahlrechte hat das Bundesfinanzministerium in einem ausführlichen Infoschreiben erläutert (BMF v. 30.9.2010, Az. IV C 6 - S 2180/09/10001; abrufbar hier). Doch wer kämpft sich schon gerne durch ein schwer verständliches 10-seitiges Schreiben des Finanzamts. Hier bekommen Sie eine Zusammenfassung:

Der Reiz an GWGs ist, dass Sie den Kaufpreis für einen solchen Gegenstand nicht auf mehrere Jahre verteilt gewinnmindernd abschreiben müssen. Der Kaufpreis eines GWG darf bestenfalls sofort im Jahr des Kaufs zu 100 Prozent als Betriebsausgabe behandelt werden. Bevor Sie sich mit unserer Checkliste befassen, hier noch die grundlegenden Steuerspielregeln zu GWGs:

  1. Kaufpreis netto bis 150 Euro: Der Kaufpreis von Gegenständen des beweglichen Anlagevermögens, die selbständig nutzungsfähig sind und maximal bis 150 Euro netto kosten, dürfen stets zu 100 Prozent im Jahr des Kaufs als Betriebsausgabe verbucht werden.
  2. Kaufpreis von mehr als netto 150 Euro bis netto 410 Euro: Beträgt der Kaufpreis zwischen netto 150 Euro und netto 410 Euro, darf der Kaufpreis ebenfalls zu 100 Prozent im Jahr des Kaufs als Betriebsausgabe vom Gewinn abgezogen werden. Entscheiden Sie sich für den Sofortabzug in diesem Preissegment, scheidet die Sammelpostenmethode (siehe Aufzählungspunkt 3) aus.
  3. Kaufpreis von mehr als 150 Euro bis netto 1.000 Euro: Entscheiden Sie sich nicht für den Sofortabzug für Gegenstände zu Aufzählungspunkt 2., dürfen Sie bei einem Kaufpreis von netto mehr als 150 Euro und maximal 1.000 Euro einen Sammelposten bilden und diesen auf fünf Jahre verteilt abschreiben.

Praxis-Tipp: Beachten Sie bitte die Änderungen der Höchstgrenzen für betriebliche Investitionen ab dem 1. Januar 2018.

Wahlrecht 1: Investitionen bis maximal netto 150 Euro

Sie möchten, dass sich jeder investierte Cent Steuer sparend auswirkt? Dann müssen Sie auf folgende Gegenstände des Anlagevermögens bis 150 Euro setzen.

Anlagevermögen Handelt es sich bei dem Investitionsgegenstand um Anlagevermögen (Nutzung im Betrieb für mindestens ein Jahr)? Ja Nein
Anschaffungs-/Herstellungskosten Betragen die Anschaffungskosten bzw. die Herstellungskosten netto (also ohne Umsatzsteuer) höchstens 150 Euro? Ja Nein
Selbständige Nutzungsfähigkeit Ist der Gegenstand des Anlagevermögens ohne andere Geräte nutzbar (z.B. Drucker nein (weil nur mit PC nutzbar) – Kombigerät mit Kopierfunktion ja (weil auch ohne PC funktionstüchtig); Hammer ja – Maschinenfräser nein (weil ohne Maschine nicht einsetzbar)) Ja Nein

Haben Sie alle Fragen mit ja beantwortet, steht dem Sofortabzug bei den Betriebsausgaben nichts im Wege. Doch alternativ können Sie die Gegenstände auch über ihre Nutzungsdauer verteilt abschreiben.

Wahlrecht 2: Investitionen von mehr als netto 150 Euro und höchstens netto 410 Euro

Auch bei Nettoinvestitionen bis 410 Euro kommt ein Sofortabzug bei den Betriebsausgaben in Betracht. Dann können Sie jedoch das Wahlrecht 3 nicht mehr ausüben.

Das bedeutet im Klartext: Entscheiden Sie sich für den Sofortabzug bis 410 Euro, dürfen Sie für Gegenstände mit Anschaffungskosten von mehr als 410 Euro und höchstens 1.000 Euro keinen Sammelposten bilden, sondern müssen diese über ihre Nutzungsdauer verteilt abschreiben.

Anlagevermögen Handelt es sich bei dem Investitionsgegenstand um Anlagevermögen (Nutzung im Betrieb für mindestens ein Jahr)? Ja Nein
Anschaffungs-/Herstellungskosten Betragen die Anschaffungskosten bzw. die Herstellungskosten netto (also ohne Umsatzsteuer) mehr als 150 Euro und höchstens 410 Euro? Ja Nein
Selbständige Nutzungsfähigkeit Ist der Gegenstand des Anlagevermögens ohne andere Geräte nutzbar (z.B. Drucker nein (weil nur mit PC nutzbar) – Kombigerät mit Kopierfunktion ja (weil auch ohne PC funktionstüchtig); Hammer ja – Maschinenfräser nein (weil ohne Maschine nicht einsetzbar)) Ja Nein
Wahlrecht 3 beachten Werden die Wirtschaftsgüter mit Nettoanschaffungskosten von mehr als 410 Euro bis höchstens 1.000 Euro regulär abgeschrieben (siehe Wahlrecht 3)? Ja Nein

Konnten Sie alle Fragen mit ja beantworten, kommt der Sofortabzug bei den Betriebsausgaben in diesem Preissegment von netto mehr als 150 Euro und höchstens 410 Euro in Betracht.

Wahlrecht 3: Investitionen von mehr als 150 Euro bis 1.000 Euro

Das dritte Wahlrecht kann nur im Zusammenhang mit Wahlrecht 2 ausgeübt werden. Das Wahlrecht muss einheitlich ausfallen.

Das bedeutet im Klartext: Entscheiden Sie sich für den Sofortabzug im Preissegment mehr als 150 Euro bis höchstens 410 Euro, scheidet die Bildung eines Sammelpostens aus.

Anlagevermögen Handelt es sich bei dem Investitionsgegenstand um Anlagevermögen (Nutzung im Betrieb)? Ja Nein
Anschaffungs-/Herstellungskosten Betragen die Anschaffungskosten bzw. die Herstellungskosten netto (also ohne Umsatzsteuer) mehr als 150 Euro und höchstens 1.000 Euro? Ja Nein
Selbständige Nutzungsfähigkeit Ist der Gegenstand des Anlagevermögens ohne andere Geräte nutzbar (z.B. Drucker nein (weil nur mit PC nutzbar) – Kombigerät mit Kopierfunktion ja (weil auch ohne PC funktionstüchtig); Hammer ja – Maschinenfräser nein (weil ohne Maschine nicht einsetzbar)) Ja Nein
Wahlrecht 2 beachten Wird für Wirtschaftsgüter mit Nettoanschaffungskosten von mehr als 150 Euro bis höchstens 410 Euro auf den Sofortabzug verzichtet (siehe Wahlrecht 2)? Ja Nein

Können Sie alle Fragen mit ja beantworten, dürfen Sie für Gegenstände mit Nettoanschaffungskosten vom mehr als 150 Euro bis höchstens 1.000 Euro einen Sammelposten bilden. Dieser Sammelposten wird gleichmäßig auf fünf Jahre verteilt abgeschrieben.

Beachten Sie: Entscheiden Sie sich für die Sammelpostenmethode, dürfen die Gegenstände gleichmäßig auf fünf Jahre verteilt abgeschrieben werden. Scheidet ein Gegenstand innerhalb von dieser 5-Jahresfrist aus welchen Gründen auch immer aus dem Betroeb aus (Verkauf, Verschrottung wegen Defekt oder Entnahme), bleibt es ohne Wenn und Aber bei der 5jährigen Abschreibung.

Entscheidung zwischen Wahlrecht 2 und 3: Vergleichsrechnung anstellen

1 Sofortabzug für Gegenstände mit Nettoanschaffungskosten von mehr als 150 Euro und höchstens 410 Euro Betriebsausgaben höher als bei 3? Ja Nein
2 Erfassung von Gegenständen mit Nettoanschaffungskosten von mehr als 150 Euro und höchstens 1.000 Euro und gleichmäßige Abschreibung auf fünf Jahre. Betriebsausgaben höher als bei 2? Ja Nein
Ergebnis: Suchen Sie den höchstmöglichen Betriebsausgabenabzug, müssen Sie sich die Variante entscheiden, bei der Sie mit ja geantwortet haben.

Die Entscheidung, für welche Variante Sie sich letztlich entscheiden, treffen Sie nach Ablauf des Geschäftsjahrs in der Gewinnermittlung. Das gilt unabhängig davon, wie Sie während des Jahres gebucht haben. Benötigen Sie dringend Betriebsausgaben, ist eine Vergleichsrechnung zwischen Wahlrecht 2 und 3 im Rahmen der Gewinnermittlung unbedingt empfehlenswert.

Dieser Beitrag wurde am 10. Oktober 2017 aktualisiert.

 

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