Mister Handwerk 2022 Aaron Kukic: Ein begeisterter Handwerker auf schwerer Mission

Aaron Kukic will das Handwerk "wieder ganz nach oben" bringen. Auf seinen Social Media-Kanälen zieht der Kfz-Profi junge Follower an wie ein Magnet. Welche Werte er ihnen vermittelt – und woran die Nachwuchsgewinnung seiner Meinung nach bislang scheitert.  

Karosseriebaumeister Aaron Kukic ist "Mister Handwerk 2022".

Das Blech über dem Hinterrad des weißen Kleinwagens ist eingedellt und der Lack stellenweise abgeschrammt. Doch der Unfallschaden ist in guten Händen. Ein Karosseriebaumeister zieht die Senke mit Spezialwerkzeugen wieder in Form. Die Oberfläche glättet sich und wirkt dabei weich wie Knete. Am Ende des zwölf-sekündigen Zeitraffers ist der vierrädrige Patient wieder putzmunter. Die Plattform Instagram verrät: Mehr als 2.500 Nutzern gefällt die die Sequenz und die Kommentare bescheinigen dem Protagonisten gute Arbeit. Sein Name: Aaron Kukic. Sein Ziel: Jugendliche für das Handwerk gewinnen.

Jugendliche über Social Media erreichen

Allein auf Instagram und TikTok folgen dem diesjährigen Mister Handwerk insgesamt mehr als 500.000 Menschen. Nicht ohne Grund sind ihm die sozialen Medien enorm wichtig: "Jugendliche erreicht man nur noch dort, wenn wir mal ehrlich sind", betont der 28-Jährige. Um möglichst viele von ihnen für eine Lehre zu motivieren, hat er das Filmen zu einem festen Bestandteil seines Alltags gemacht.

Dreh- und Arbeitsort ist der Kfz-Betrieb seiner Eltern in Munderkingen. Mit dem Smartphone in der Werkzeugkiste ist er allzeit bereit, Einblicke in seinen Beruf zu bieten. Gerade auf die Details käme es an. "Die Leute wollen zum Beispiel sehen, mit welchen Werkzeugen ich arbeite", verrät er. Während sich der Familienbetrieb vor Anfragen von potentiellen Azubis kaum retten kann, suchen andere Handwerker händeringend nach jungen Interessenten. Dieser Umstand ist Kukic schmerzlich bewusst.

Strukturelle Schwächen ausbessern

Als Mister Handwerk 2022 kämpft er seit Juli auch auf Messen, in Schulen sowie in Talkshows und Radiosendungen gegen den Nachwuchsmangel. Eine seiner Forderungen: eine strukturelle Veränderung der Berufsorientierung. Was erstmal trocken klingt, weiß er mit Leben zu füllen, denn er spricht aus eigener Erfahrung: "In der Realschule sind viele Berater gekommen, die über weiterführende Schulen informiert haben. Aber kein einziger war da, der sich für das Handwerk stark gemacht hat", ärgert er sich.

Das ist in seinen Augen nicht der einzige Grund für die aktuelle Personalnot. Das Handwerk habe in der Gesellschaft einen schlechten Ruf. Seine Gesprächspartner würden ihn oft darauf hinweisen, dass das zu erwartende Gehalt gering sei. "Das Handwerk hat immer goldenen Boden und wenn du dich weiterqualifizierst, kannst du mehr verdienen als ein Akademiker", hält er dagegen.

Eigene Werte weitervermitteln

Kukic hat seine Ausbildung im elterlichen Betrieb absolviert. Die Werte, die er in dieser Zeit verinnerlicht hat, möchte er weitergeben: "Ohne Durchhaltevermögen, Disziplin und Fleiß entsteht im Leben nichts", beteuert er. Obwohl er inzwischen den Meisterbrief in der Tasche hat, könne er sich gut an den Beginn seiner Laufbahn erinnern, wenn er seine eigenen Nachwuchskräfte betreue. "Vor manchen Aufgaben hatte ich als Azubi Zweifel und wusste nicht, wie ich das machen soll. Aber gerade an diesen Herausforderungen bin ich immer gewachsen."

Während Kukic seine Entscheidung "keinen einzigen Tag bereut" habe, läuft es bei anderen Auszubildenden weniger rund. Knapp dreißig Prozent der Ausbildungsverträge pro Jahr wurden laut Zentralverband des Deutschen Handwerks zuletzt gelöst, um die Lehre abzubrechen oder in anderen Betrieben fortzusetzen. Die Ursachen hierfür lägen nicht allein bei diesen, denkt Kukic. "Die Azubis müssen auch Bock auf den Beruf haben." Seine eigenen Schützlinge ließe er deswegen vorher ausnahmslos Praktikum machen. "Ob jemand handwerkliches Geschick hat, sehe ich sofort", berichtet er: "Selbst im Fitnessstudio."

Neben der Passung von Auszubildenden und Betrieb sieht er teilweise auch eine schlechte Beratung von Eltern als Ursache, da sie ihren Kindern von einer Handwerkskarriere abraten würden. "Auf die Eltern hören ist sehr wichtig. Aber wenn jemand ins Handwerk will und Talent hat, dann sollte er das durchziehen", empfiehlt er.

Lebenslange Mission

Von seiner eigenen Mission ist Kukic restlos überzeugt. Auch wenn er den Titel des Mister Handwerk im Laufe des kommenden Jahres wieder abgeben muss, behält er sie fest im Blick: "Ich habe mir zur Lebensaufgabe gemacht, das Handwerk wieder ganz nach oben zu bringen. Denn da gehört es hin!"