"Miss Handwerk 2022" im Interview Warum die Steinfluencerin "verdammt glücklich" im Handwerk ist 

Starke Bilder, authentische Einblicke und Austausch auf Augenhöhe – auf ihrem Instagram-Kanal teilt Steinmetz- und Steinbildhauermeisterin Luisa Lüttig ihren Alltag im Handwerk. Ihre Botschaft dabei: "Jeder kann im Handwerk verdammt glücklich werden!". Ein Gespräch über Augenblicke, Einblicke und Ausblicke.

Luisa Lüttig
Bringt das Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk auf der Plattform Instagram ihren Followern näher: Luisa Lüttig, angehende Steinmetz- und Steinbildhauermeisterin. - © Herzblutfotografie

Ihr Instagram-Kanal hat über 3.000 Follower. Auf der Plattform sind Sie nicht als "Influencerin", sondern als "Steinfluencerin" unterwegs. Was ist die Idee dahinter?

Luisa Lüttig: Die Idee kam eigentlich von einer Freundin, die mal Bilder meiner Arbeit gesehen hat. Sie hat gesagt, das ist ein toller Beruf, den musst du noch viel mehr Menschen auf Social Media zeigen! Ich war zuerst skeptisch, habe dann aber doch ein Bild auf Instagram gepostet. Daraufhin hatte ich gleich eine Anfrage von einer Fachzeitschrift, die das Foto auf ihrem Titel bringen wollte. Das hat mich bestärkt, weiterzumachen.

Was genau zeigen Sie?

Ich nehme die Leute mit in meinen Alltag. Ich will meinen Beruf erklären und das Handwerk zeigen. Ich bin dabei immer für Fragen offen und tausche mich gern mit den Followern aus.

Gibt es Kernbotschaften, die Ihnen in diesem Dialog mit der Community wichtig sind?

Ich möchte mein Handwerk so zeigen wie es ist, unverfälscht und authentisch. Junge Menschen sollen sehen, dass es uns gibt und dass sie diesen Beruf erlernen können.

Was macht den Reiz dieses Mediums für Sie aus?

Ich mag den lebendigen Austausch. Auf Instagram gibt es eine wirklich starke und spannende Handwerks-Gemeinschaft und viele Möglichkeiten, mit Menschen in Kontakt zu treten. Es ist für mich ein soziales Netzwerk, das Nähe schafft und nachhaltig ist.

Seit Kurzem tragen Sie auch den Titel der "Miss Handwerk 2022" – warum haben Sie bei diesem Wettbewerb mitgemacht?

Dieser Wettbewerb hat eine breite Präsenz in den Medien. Ich möchte den Titel nutzen, um junge Menschen anzusprechen. Sie sollen sehen, dass eine Miss auch im Handwerk erfolgreich sein kann.

Wie sehr spielt für Sie dabei auch das Thema "Frau im Handwerk" eine Rolle?

Ich wünschte, wir müssten nicht mehr darüber reden. Aber leider höre ich immer noch oft, dass Mädchen keinen Ausbildungsplatz bekommen, weil man ihnen den Beruf nicht zutraut. Das sind für mich altbackene Vorurteile. Die Berufe haben sich stark gewandelt, es gibt tolle Hilfsmittel und jeder kann im Handwerk verdammt glücklich werden.

"Leider höre ich immer noch oft, dass Mädchen keinen Ausbildungsplatz bekommen, weil man ihnen den Beruf nicht zutraut. Das sind für mich altbackene Vorurteile."

Sie haben erst kürzlich erfolgreich Ihre praktische Weiterbildung zur Meisterin in der Steinmetzmeisterschule abgeschlossen, was war die größte Herausforderung dabei?

Ehrlich gesagt, dass ich so lange nicht arbeiten konnte. Das Lernen und die Theorie sind natürlich wichtig und notwendig, aber ich brauche einfach die Praxis und sie hat mir am meisten gefehlt. Auch die Arbeit an meinem Meisterstück war eine echte Herausforderung. Über 80 Stunden voll konzentriert zu bleiben, in der Sommerhitze, das war eine enorme Belastung.

Über die Entstehung Ihres Meisterstücks haben Sie auch ein Video gemacht. In wenigen Minuten sieht man den gesamten Prozess im Zeitraffer. Wie geht es Ihnen, wenn Sie das Material anschauen?

Einerseits wird mir dabei bewusst, dass die tolle Zeit in Aschaffenburg vorbei ist, und ich beginne die Menschen, die ich dort getroffen habe und die meine Freunde geworden sind, zu vermissen. Andererseits erinnern mich die Bilder natürlich auch an eine anstrengende Zeit, die nun hinter mir liegt.

Wie geht es jetzt für Sie beruflich weiter?

Ich arbeite im Betrieb meiner Eltern, den ich gemeinsam mit meinem Verlobten in den nächsten zehn Jahren übernehmen möchte. Wir wollen das Unternehmen um Restaurierung und Denkmalschutz erweitern. Diese Umstrukturierung bereiten wir gerade vor und das braucht natürlich seine Zeit. Meine Eltern unterstützen uns bei unseren Plänen, halten uns den Rücken frei. Dafür bin ich ihnen wirklich sehr dankbar.

Werden Ihre Follower Sie beim Weg in die Selbstständigkeit weiterhin sehen können?

Ja, ich habe mir fest vorgenommen, meinen Arbeitsalltag weiter zu teilen. Jungen Menschen das Handwerk näherzubringen und dadurch einen Beitrag in der Bekämpfung des Fachkräftemangels leisten zu können, dieses Ziel werde ich weiterverfolgen.