Karriereplanung Studium oder Ausbildung: Wo das bessere Gehalt lockt

Mit einem Studium verdient man eines Tages mehr als mit einer dualen Berufsausbildung – stimmt das? Über verzerrte Durchschnittswerte, falsche Annahmen und trockene Zahlen.

Ein Studium ist kein Garant, später viel Geld oder in jedem Fall mehr als mit einer beruflichen Ausbildung zu verdienen. - © Delphotostock - stock.adobe.com

Eines Tages möglichst viel Geld verdienen: Auch das ist ein Kriterium, von dem sich junge Menschen bei der Berufsfindung leiten lassen. Weit verbreitet ist dabei die Annahme, dass Akademiker ein höheres Einkommen erzielen als Beschäftigte ohne Studium. Doch das stimmt nur bedingt.

Ein Blick auf die Daten der Bundesarbeitsagentur zeigt: Zum Stichtag 31. Dezember 2020 betrug das durchschnittliche Bruttomonatsentgelt für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Vollzeit mit akademischem Abschluss 5.265 Euro. Für Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung lag dieser Wert bei 3.300 Euro.

Ärzte und Anwälte verzerren den Schnitt

Aber: "Damit ist nicht gesagt, dass Menschen mit einem abgeschlossenen Studium immer besser verdienen", stellt Matthias Hertle von der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg klar.

Das sieht auch Marcus Halder, Sachgebietsleiter Ausbildungsberatung und Berufsbildungsrecht bei der Handwerkskammer für München und Oberbayern so. Das Gehalt würde erheblich schwanken, je nach Studienabschluss. So verzerrten die sehr guten Gehälter von Anwälten, Ärzten oder Ingenieuren den Durchschnittswert erheblich.

Wer indes mit einer Ausbildung in das Berufsleben startet, sich über die Jahre im Job weiterbildet und zusätzliche Qualifikationen erwirbt, kann etwa eines Tages "in Betrieben und Einrichtungen durchaus eine herausgehobene Position einnehmen", wie Hertle von der Bundesarbeitsagentur sagt. Das könne eine Lohnentwicklung mit sich bringen, in deren Folge das Gehalt schließlich höher liege als das Gehalt vieler Menschen mit Hochschulabschluss.

Finanzieller Vorsprung mit Berufsausbildung

Studierende dagegen müssen ihr Studium selbst finanzieren oder sind auf Bafög angewiesen. Viele Akademiker fangen erst mit Mitte oder Ende 20 an zu arbeiten und müssen dann zunächst oft ihren Studienkredit abbezahlen müssen. Menschen mit einer dualen Ausbildung verfügen da bereits über einen deutlichen finanziellen Vorsprung.

Darauf verweist auch Ausbildungsexperte Halder: "Anders als normale Studenten bekommen Auszubildende eine Vergütung, die mit jedem Ausbildungsjahr steigt". Dies sei gut für das Selbstbewusstsein und für die Unabhängigkeit, um auf eigenen Beinen zu stehen. "Mit mittlerem Schulabschluss bzw. Fachoberschulreife oder allgemeiner Hochschulreife kann die Ausbildungsdauer außerdem verkürzt werden", sagt er.

Allerdings gibt es auch Berufe, für die es eine schulische Ausbildung ohne Vergütung braucht. Gegebenenfalls fallen sogar Lehrgangsgebühren an. "Unter bestimmten Voraussetzungen können die Azubis in solchen Fällen Bafög beantragen", sagt Hertle von der Bundesarbeitsagentur.

Einstiegsgehälter nach Ausbildung oft höher als gedacht

Abgesehen davon ist das Einstiegsgehalt von ausgebildeten Fachkräften oft höher als angenommen: Ein ausgelernter Elektroniker verdient zu Beginn seines Berufslebens rund 2.900 Euro brutto im Monat. Mit einer anschließenden Fortbildung, etwa zum Elektronikmeister, verdient er dann monatlich durchschnittlich 3.733 Euro.

Fazit: Bei der Wahl eines Ausbildungsberufs oder Studiengangs kommt es natürlich auf die eigenen Vorlieben und Neigungen an. Ein Studium ist aber nicht automatisch Garant dafür, später viel Geld oder in jedem Fall mehr als mit einer beruflichen Ausbildung zu verdienen.

Ausbildung im Handwerk kann lohnende Alternative sein

Ausbildungsexperte Halder verweist mit Blick auf den Fachkräftemangel auf die guten Aussichten, die sich Schulabgängern im Handwerk bieten. In der Branche sind zehntausende Stellen frei, vor Arbeitslosigkeit müsse sich kaum einer fürchten. 130 Ausbildungsberufe allein im Handwerk bieten zudem reichlich Auswahl. Halder betont außerdem, dass einem als Geselle alle Wege offenstehen. "Man kann ins Ausland gehen, den Meistertitel erwerben oder danach noch studieren."

In den nächsten fünf Jahren steht zudem in rund 125.000 Handwerksbetrieben ein Generationenwechsel an. Für motivierte Nachwuchskräfte eine gute Gelegenheit, sich selbstständig zu machen – und ihr Einkommen selbst in die Hand zu nehmen. rk/dpa

Was verdiene ich mit welcher Ausbildung?

Einen Überblick, in welchen Ausbildungsberufen sich gutes Geld verdienen lässt, bietet der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit. Dort finden sich auch Unterschiede in Sachen Einkommenshöhe zwischen den Bundesländern. Bei Berufenet, ebenfalls ein Online-Angebot der Bundesagentur für Arbeit, finden sich allgemeine Infos zu einer möglichen Vergütung in einer Ausbildung sowie zu Lehrgangsgebühren und sonstigen möglichen Kosten. dpa