Wer das Atelier von Magdalena Teich in der Pirnaer Altstadt betritt, merkt schnell: Hier geht es nicht um schnelle Mode, sondern um Haltung. Zwischen Stoffen, historischen Schnitten und einer Nähmaschine aus den 1950er-Jahren entstehen Kleidungsstücke, die Geschichten erzählen – und die zeigen, wie vielseitig und zukunftsfähig Handwerk sein kann.

Die 27-Jährige hat sich auf historisch inspirierte Mode spezialisiert und damit eine Nische gefunden, die ihr überregional Aufmerksamkeit verschafft. Ihre Kundschaft reicht von Theaterproduktionen bis zu Menschen, die Kleidung der 1920er-, 30er- oder 50er-Jahre ganz selbstverständlich in ihren Alltag integrieren. Dabei geht es ihr nicht um Verkleidung, sondern um Individualität: "Ich berate so, dass die Menschen gut aussehen und sich nicht verkleidet fühlen."
Studium und Ausbildung
Die gebürtige Dresdnerin stammt aus einer Theaterfamilie und wurde früh für Kostüme und Inszenierungen begeistert. Ihre Ausbildung absolvierte sie an der Oper in Berlin, arbeitete anschließend in verschiedenen Abteilungen und studierte später Kostümdesign in Dresden. Ergänzend besuchte sie Kurse im Bildungszentrum der Handwerkskammer Dresden, bevor sie sich 2022 selbstständig machte. Heute profitiert sie von dieser breiten Ausbildung: "Ich bin das Bindeglied zwischen Künstlern und dem Handwerk – und ich genieße es, mit vielen verschiedenen Menschen zu tun zu haben."
Ihr Atelier in Pirna ist bewusst öffentlich gestaltet. Kunden und Besucher können hereinkommen, zuschauen und in eine andere Welt eintauchen. Für viele ist der Besuch ein kleines Erlebnis, verbunden mit einem Ausflug in die Altstadt. "Das Kleinteilige und das Kunsthandwerk werden hier mehr geschätzt als in der Großstadt", sagt sie.
Gefertigt wird vor allem historisch inspirierte Kleidung – von den 1920er- bis zu den 1950er-Jahren. Darunter sind nicht nur Kostüme für Theater und Oper, sondern auch alltagstaugliche Stücke für Kundinnen und Kunden, die bewusst einen besonderen Stil leben.

Langer Weg zum fertigen Kleidungsstück
Der Weg zum fertigen Kleidungsstück ist aufwendig: Er beginnt mit einer Figurenzeichnung und intensiver Recherche zu historischen Stoffen und Verarbeitungstechniken. Es folgen mehrere Anproben – meist drei bis vier. "Je mehr Anproben, desto hochwertiger und passgenauer wird das Produkt." Insgesamt dauert der Prozess etwa zwei bis drei Monate. Viele Materialien werden eigens angefertigt, etwa in Zusammenarbeit mit einer Weberei in Bayern. Aktuell verarbeitet sie beispielsweise einen indischen Stoff zu einem Zweiteiler für eine Kundin aus Görlitz.
Auch die Verarbeitung folgt traditionellen Methoden: Einlagen werden genäht statt geklebt, Knöpfe aus Büffelhorn oder Harris Tweed kommen zum Einsatz. Gleichzeitig denkt die Schneiderin praktisch: Viele Stücke werden so gefertigt, dass sie später angepasst werden können.
Zeit und Wertschätzung
Ihre Kunden kommen aus ganz Deutschland und darüber hinaus – oft aufmerksam geworden über ihre Website oder Medienberichte. Sie bringen Zeit und Wertschätzung für handwerkliche Qualität mit. "Wenn man etwas mit dem Herzen macht, dann schaut man nicht auf die Uhr", sagt Magdalena Teich.
Neben ihrem Atelier bleibt sie dem Theater verbunden: Ab Mai arbeitet sie erneut mehrere Wochen als Kostümassistentin an der Semperoper Dresden und koordiniert während der Proben die Ausstattung der Darsteller.
Perspektivisch kann sie sich auch vorstellen, selbst auszubilden. Aktuell arbeitet bereits ein Praktikant in ihrer Werkstatt. Voraussetzung für den nächsten Schritt wäre jedoch weiteres Personal. Bis dahin entwickelt sie ihr Angebot stetig weiter – derzeit etwa mit der Herstellung von Hüten. Ein Beispiel dafür, wie sich traditionelles Handwerk, Spezialisierung und Unternehmergeist erfolgreich verbinden lassen.