TV-Kritik: Jahresrückblick 2023 Heizen, Bauen, Gen Z: Das TV-Jahr aus Sicht des Handwerks

Eine Talkshow, die bisher als praxisnah galt, fällt nach einem Moderatorenwechsel immer weiter zurück. Politiker und Praktiker, die über große Krisen wie dem Fachkräftemangel und der Wohnungsnot diskutieren. Und Dokus, die die schönen Seiten des Handwerks zeigen. Diese Sendungen prägten 2023. Ein Rückblick – und ein Ausblick auf das Fernsehjahr 2024.

Hand hält Fernbedienung auf TV-Bildschirm.
Heizen, Bauen, Klimaschutz: Das waren einige der Themen, die in diesem Jahr in deutschen Talkrunden besonders häufig diskutiert wurden. - © M-Production - stock.adobe.com

Es war kein einfaches Jahr für Louis Klamroth. Kaum hatte der junge Journalist sein neues Amt als Moderator von "hart aber fair" in Nachfolge von Talk-Legende Frank Plasberg angetreten, da hagelte es Kritik. Seine Beziehung zu Luisa Neubauer von "Fridays for Future" wurde breit thematisiert. Es gab Fragen nach der Unabhängigkeit des Journalisten, gerade bei Themen, die das Klima betreffen. Entsprechend holprig verlief der Start Klamroths, und auch so manche Sendung im weiteren Jahresverlauf war nicht gelungen. Mittlerweile steht fest, dass es auch in den kommenden Jahren mit Klamroth weitergehen soll. Und zwar mit der Produktionsfirma von Klamroth selbst, die eng verbunden ist mit einer Produktionsfirma der Entertainer Joko und Klaas. Was das für die Themenpalette und die Qualität des Talks bedeutet, muss nun abgewartet werden.

Klamroth liefert bei hart aber fair eine regelrechte Farce

Auffällig war kurz nach Klamroths Start bei "hart aber fair", dass die Menge derjenigen Talkgäste, die einen starken praktischen Bezug zu den verhandelten Themen haben, tendenziell sank. So waren unter Plasberg oft nicht nur Handwerker, sondern auch Menschen aus der Pflege oder anderen Berufen, mitunter auch Bezieher staatlicher Hilfen, im Studio anwesend. So wurde das Motto der Sendung – wenn Politik auf Wirklichkeit trifft – untermauert. Zwar war die Inhaberin einer Bäckerei mit einem sehr starken Auftritt im August zu Gast. Und ein Bauunternehmer berichtete im Mai über die Hintergründe, warum das Bauen immer teurer wird – vor allem auch aufgrund geradezu irrwitziger Vorschriften und Richtlinien. Doch eine Ausgabe von "hart aber fair" im März geriet regelrecht zur Farce. In der gesamten Sendung rund um das Thema Heizen und Dämmen kam kein einziger Praktiker zu Wort, schon gar nicht aus dem Handwerk. Stattdessen warfen sich Politiker, Journalisten und Autor Frank Schätzing die Bälle zu. Der Erkenntnisgewinn war gering, die Sendung eine der schwächsten Ausgaben seit Jahren.

Habecks dilettantisches Heizungsgesetz

Dabei hätte es genug Anlässe gegeben, um Handwerk, Mittelstand und die Wirtschaft ausgiebig zu Wort kommen zu lassen. Das von Wirtschaftsminister Robert Habeck auf den Weg gebrachte Heizungsgesetz war 2023 eines der großen politischen Themen. Die gesamte Thematik Wohnen, Heizen, Dämmen, Klimaschutz – alles eng miteinander verwoben und kulminierend in der Frage, warum denn nicht mehr Wohnraum gebaut wird – dominierte neben der sich stetig verschärfenden Migrationskrise das zu Ende gehende Jahr. Und sogar letzteres Thema hätte man zusammenbringen können mit den zuvor genannten, wenn man die Frage nach bezahlbarem Wohnraum öfter gestellt hätte. So aber gerieten viele Talkshows zu oft zu Politikerrunden, die zwar über die Probleme in der Praxis redeten, aber eben nicht aus dieser Praxis berichten konnten.

Handwerkspräsident Dittrich zu Fachkräftemangel und Baukrise

Wenn dann doch Handwerks-Vertreter auf den Podien saßen, rechneten sie zumeist scharf mit der Politik der Ampel ab. Wie sollen die Energiepreise bezahlt werden? Wie Wohnraum geschaffen werden? Das waren zentrale Fragen. Aber auch der Fachkräftemangel spielte eine Rolle. Dazu war bereits im Februar der damals frisch gebackene Handwerkspräsident Jörg Dittrich bei Maybrit Illner eingeladen. Er stellte die Vorzüge von Handwerksberufen, die Sinn und Geist in Materie fließen lassen, heraus. Im Gegensatz zu Berufen, die mit "100 Mail am Tag und WhatsApp" psychische Belastungen mit sich brächten. Bessere Bezahlung für Fachkräfte könne es nur geben, wenn das Handwerk im Wettbewerb nicht "mit zwei Säcken Zement" beladen werde. "Die meisten wollen mehr zahlen, können aber nicht", sagte Dittrich. Im September war der Handwerkspräsident dann zum Thema Baukrise erneut bei Illner. Dort führte er aus, dass nicht nur im von der Politik so oft bemühten sozialen Wohnungsbau, sondern gerade generell nicht mehr viel gebaut werde. Mit dem Blick lediglich auf ersteren komme man nicht weiter.

Erfreuliche Handwerker-Azubi-Doku

Die Generation Z und ihre Vorstellungen vom Arbeitsleben waren über das Jahr ebenfalls immer wieder Thema. Mit der Ausstrahlung eines TikTok-Videos brachte die hart-aber-fair-Redaktion im November leider nicht die nötige Ernsthaftigkeit in die Diskussion, setzte dafür aber erneut einen negativen Höhepunkt des Talkshow-Jahres. Da waren auch Gäste wie Bundesarbeitsminister Hubertus Heil nahe an der Grenze ihrer diplomatischen Möglichkeiten, als die die weinerliche Performance in dem Video einordnen sollten.

Erfreulich hingegen war die neue Staffel der WDR-Erfolgsserie "Passt, wackelt und hat Luft". In dieser werden Handwerker-Azubis und ihre Aufgaben porträtiert und gezeigt. Das war Werbung fürs Handwerk in unterhaltsamer Form. Und zeigte, dass Fleiß auch in der heutigen Wohlfühl-Arbeitswelt noch einen Stellenwert besitzt und zum Erfolg führt. Auch eine Reportage des WDR zur wachsenden Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von China war sehr aufschlussreich. Sie zeigte, wie etwa die Probleme der hiesigen Wirtschaft in einem größeren Kontext gut vermittelt werden können. So wurde in der Reportage ein Sachverständiger gezeigt, der meist aus China stammende Fahrrad-Teile überprüft. Der direkte Bezug zum heimischen Markt und Handwerk war hier evident.

Im TV fehlt Verständnis für Handwerk und Wirtschaft

Und was steht an? Die schwächelnde Wirtschaft dürfte 2024 weiterhin im Fokus der medialen Berichterstattung stehen. Und leider ist auch das Handwerk von der allgemeinen Entwicklung betroffen. Es wäre aber wünschenswert, wenn in den Talkshows wieder mehr Praktiker als im Jahr 2023 zu Wort kämen. Die müssen ja nicht immer aus dem Handwerk sein. Aber wenn sich Politikerrunden unter Aufsicht sogenannter Experten Floskeln um die Ohren hauen, ist das nicht nur für alle Fachleute draußen vor den Fernsehern, die es aus der täglichen Praxis besser wissen, sondern auch für alle anderen Zuschauer nicht optimal.

Ein echter Wirtschafts-Talk wäre ein Format, das die Themen aus Ökonomie und Betrieben auch in den Köpfen vieler Leute verankert. Doch davon scheinen gerade die öffentlich-rechtlichen Sender weit entfernt. Für sie bleiben Handwerker und andere Betriebsinhaber eine etwas seltsame Spezies. Eine, die man vielleicht einlädt, um als Stichwortgeber zu fungieren, denen man aber immer mit einer gewissen Skepsis begegnet, die man gegenüber Wirtschaftsvertretern in Jahrzehnten eingeübt hat. Die Hoffnung, dass sich das ändert, ist klein, auch für 2024.