Handwerksbetriebe können Franchise-Systeme als zweites Standbein nutzen oder ihr Sortiment erweitern. Den Partner sollten sie aber sorgfältig auswählen.
Mirabell Schmidt
Robin Zürn hat lange überlegt. Er hatte ein Problem: Er wollte seinen Kunden zeigen, was er als Schreinermeister alles machen kann. Einen Katalog hatte er nicht, eine Ausstellung ebenso wenig. Also machte sich der Geschäftsführer der Schreinerei Zürn in Stuttgart auf die Suche nach einem Partner, der ihn beim Marketing unterstützt.
Inzwischen ist Zürn mit seinem Betrieb seit etwa zehn Jahren Partner von TopaTeam, einem Franchise-Geber für Schreiner. Die Betriebe bekommen Unterstützung beim Marketing, der Franchise-Geber verhandelt für sie Einkaufskonditionen für Elektrogeräte aus und sie beziehen über das TopaTeam Produkte.
Viele verschiedene Modelle
"Unternehmenskooperationen gewinnen an Bedeutung", erläutert Torben Leif Brodersen, Geschäftsführer beim Deutschen Franchise Verband. "Für Handwerker ist das eine schlaue Möglichkeit, ihr Geschäft auszubauen und Expansionsstrategien zu entwickeln." Einige Franchisesysteme bieten sich als zweites Standbein an, andere gibt es nur als Vollzeitmodell. Je nach System variieren die Vorgaben, an die sich die Franchise-Nehmer halten müssen.
Schreiner Zürn kann selbst entscheiden, welche Produkte er abnimmt. Der 40-Jährige baut wie früher Möbel für Privatkunden. Von seinem Franchise-Geber bezieht er insbesondere Gleittüren. Hin und wieder bestellt Zürn einzelne Möbelstücke, die er selbst am PC entworfen, aber keine Kapazitäten für die Anfertigung hat. Rund ein Drittel seines Geschäfts läuft über seinen Franchise-Geber. Dafür muss er einen Mindestumsatz von jährlich 30.000 bis 40.000 Euro erzielen und bekommt durch Kataloge, Kundenmagazin und Seminare Unterstützung beim Marketing.
Bei seinen Lieferanten darf Zürn nur noch über TopaTeam bestellen. Doch sein Firmenlogo und Markenauftritt konnte der Geschäftsführer behalten. Das war Zürn wichtig. Schließlich existiert der Familienbetrieb bereits seit 1923 und ist in der Region als Schreinerei Zürn bekannt.
Netzwerk oder Unabhängigkeit
Diese Möglichkeit haben nicht alle Franchise-Nehmer. "Es geht beim Franchise auch darum, eine gemeinsame Marke aufzubauen und diese bekannt zu machen", erläutert Brodersen vom Verband. Franchise-Systeme seien Netzwerke selbstständiger Unternehmer mit Arbeitsteilung, zusammengefasst unter einem Markendach. Man müsse wissen, dass es auf die Einheitlichkeit ankommt. "Handwerker sollten abwägen, ob es das Netzwerk wert ist, einen Teil ihrer Unabhängigkeit aufzugeben."
Genau wie Franchise-Geber sich ihre Partner sorgfältig auswählen, sollten daher auch Handwerker die Franchise-Systeme genau prüfen. Immerhin ist es meist mit Investitionen verbunden, Franchise-Nehmer zu werden. "Ich bin zu einem bestehenden Partner gefahren und habe mir von seinen Erfahrungen erzählen lassen", erzählt Zürn.
Der Schreinermeister hat bereits schlechte Erfahrungen gemacht. Die Zusammenarbeit mit einem niederländischen Unternehmen beendete er, nachdem die Kosten für das Marketing immer weiter stiegen. Bislang sieht der Handwerker in der jetzigen Partnerschaft nur Vorteile. Er genießt viele Freiheiten. Doch Zürn meint: "Wenn einem alles übergestülpt wird, stelle ich mir das schwierig vor."