Das intelligente Stromnetz ist als Baustein für die Energiewende unverzichtbar, aber zum größten Teil noch eine Wunschvorstellung.
Frank Muck

Wenn es um "Smart Meter" geht, hat Werner Friess kaum Aufträge zu verzeichnen. "Das steckt alles noch im Anfangsstadium", sagt der Elektrotechnikermeister aus Stuttgart. Die intelligente Messung des Stromverbrauchs mit digitalen Komponenten sei zum größten Teil noch nicht verwirklicht.
Dabei sollte die Einrichtung intelligenter Messsysteme schon längst in Gang sein. Eine Novelle des Messwesens ist schon seit 2011 in Planung. "Spiegel-Online" spricht von einem Planungschaos. Hundertausende Geräte mit fraglichem Nutzwert seien installiert und Millionenkosten auf die Verbraucher abgewälzt worden. Die Darstellung hält der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) für nicht fair, denn das, was die Bundesregierung vorhat, sei sehr komplex und nicht allein am grünen Tisch planbar.
Das Netz braucht Intelligenz
Dennoch befürwortet der Verband die Einführung der Smart-Meter-Technologie, denn für die Herausforderungen der Energiewende brauche man Intelligenz im Netz. "Insofern bedauern wir auch, dass sich der Prozess schon recht lange hinauszögert", sagt ZVEH-Hauptgeschäftsführer Ingolf Jakobi.

Sinnvoll wäre ein intelligentes Netz ohne Zweifel. Mit den Schwankungen in der Stromerzeugung regenerativer Energien wie Wind und Sonne wird auch das Netz unterschiedlich belastet. Doch die Möglichkeiten, Strom bei Überversorgung zwischenzuspeichern oder bei Bedarf durch andere Energieträger auszugleichen, sind begrenzt.
Verbraucher sollen sich dem Netz anpassen
Bei einer besseren Steuerung der regionalen Stromerzeugung wäre es außerdem nicht nötig, Kohlekraftwerke zuzuschalten. Sogar der Bau von großen Stromtrassen sei überflüssig, sagt Werner Beba, Professor für erneuerbare Energien, gegenüber der Tageszeitung "Die Welt".
Immerhin hat die Bundesregierung im Februar ein Eckpunktepapier vorgelegt. Ziel ist es, erneuerbare Energien stärker in den Markt zu integrieren. Dadurch könne der Netzbetreiber eneuerbare Anlagen so steuern, wie es für die effiziente Vermarktung des Stroms erforderlich ist, heißt es vom Ministerium.
"Wir bedauern, dass sich der Prozess schon recht lange hinauszögert."
Zweiter Effekt soll ein angepasstes Verbraucherverhalten sein. Denn die Messsysteme könnten den Kunden ihren Verbrauch anzeigen. Zusätzlich könnten sie Strom dann einsetzen, wenn gerade viel eingespeist wird und er somit preiswert ist. Das jedoch können Verbraucher kaum selbst kontrollieren. Die Smart-Metering-Technologie müsste solche Abläufe also automatisieren.
Die Technik ist also recht komplex und teuer. Deshalb bestehen große Zweifel, ob sich für Kleinverbraucher die Installation rechnet. Die Bundesregierung setzt daher bei den Vorgaben für den Einbau neuer Systeme weit oben an. Ihr Papier sieht zum Beispiel vor, dass Smart Meter vorerst nur Verbraucher einbauen müssen, die jährlich mehr als 6.000 Kilowattstunden Strom verbrauchen. Der ZVEH erwartet deshalb auch keine große Auftragswelle, vor allem bei einem Mietermarkt mit mehrheitlich einem Verbrauch von weniger als 6.000 kWh jährlich.
Zahlen sollen die, die den Nutzen haben
Beim Kostenargument geht der Verband mit. In der Einführungsphase sei darauf zu achten, dass die Belastung für alle Nutzergruppen angemessen bleibe. Ansonsten bestehe die Gefahr unverhältnismäßiger Kostensteigerungen, etwa beim Aufbau von kleineren und mittelgroßen dezentralen Energieanlagen, so Jakobi. Die Pflicht zur Investition sieht der Verband nicht beim Kunden, sondern bei denen, die den Nutzen haben – zum Beispiel die Netzbetreiber für den vermiedenen Netzausbau.
Trotz noch fehlender Aufträge sehen sich die Elektro-Handwerke bei der Umsetzung an vorderster Stelle. Es sei wichtig, möglichst frühzeitig über die Eckpunkte informiert zu sein, um sich auch fachlich vorbereiten zu können. Denn auch Werner Friess hätte gern gewusst, was er wann einbauen darf und muss.