Die energetische Gebäudesanierung kommt in Deutschland nur schleppend voran. Um die Ziele des "Energiekonzeptes 2010" zu erreichen, muss die Bundesregierung schnelle Reformen auf den Weg bringen, appelliert das IW Köln. Auch der Zentralverband Sanitär, Heizung, Klima hat Forderungen.
Mirabell Schmidt
Die Bundesregierung muss sich beeilen, wenn sie ihre Energieeinsparziele erreichen möchte. So lautet der Appell einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zur energetischen Gebäudesanierung. Die schwarz-rote Regierung hat sich im Koalitionsvertrag zu den Zielen des Energiekonzeptes 2010 bekannt. Das sieht für den Gebäudesektor vor, den Energiebedarf um 20 Prozent bis zum Jahr 2020 und bis 2050 um 80 Prozent zu senken (im Vergleich zu 2008).
Bislang - und damit zur Halbzeit - hat sich der Energieverbrauch jedoch nach Berechnungen des IW lediglich um rund vier Prozent vermindert (Stand 2014). Jährlich wird in Deutschland nur rund ein Prozent der Gebäude saniert. Das reiche jedoch nicht, um die anvisierten Zahlen zu erreichen, schlussfolgert das IW. Der Anteil der jährlich sanierten Gebäude müsste doppelt so hoch sein.
Förderprogramme zu komplex
Wenn es so weiter geht wie bisher, wird der Energiebedarf bis 2020 nur um elf Prozent sinken. Die Politik müsse also entweder ihre Ziele aufweichen oder schnell tätig werden und ausreichend Mittel dafür bereitstellen.
Zwar habe die Bundesregierung im "Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz" unter anderem angekündigt, das KfW-Programm zur energetischen Gebäudesanierung aufzustocken und zu vereinfachen. Auch will sie die fachlich fundierte Energieberatung fördern und die Regelungen zum Energieausweis verbessern, um die Information für Käufer und Mieter transparenter zu gestalten "Es wird nicht reichen, wenn man damit noch ein bis zwei Jahre wartet", sagt jedoch Ralph Henger, Autor der Studie.
Das Problem sei derzeit, dass die Förderprogramme zu komplex und nicht weitreichend genug seien. Eigenheimbesitzer oder Vermieter hätten dadurch– kombiniert mit unsystematischen steuerlichen Abschreibungen - mehr Anreiz zu Teilsanierungen. Daher schreite man bei der Senkung des Energieverbrauches im Gebäudebestand nur langsam voran.
Mehraufwand bei Sanierung lohnt sich häufig nicht
Das IW sieht daher vor allem Handlungsbedarf bei den bestehenden KfW-Programmen zur energetischen Gebäudesanierung und dem Marktanreizprogramm zur Förderung von Maßnahmen zur Nutzung erneuerbarer Energien im Wärmemarkt. Beide Fördermechanismen müsste die Bundesregierung weiter aufstocken – und die geförderten Maßnahmen und Durchführung besser kontrollieren. "Der Förderumfang muss in dem Maße angehoben werden, bis für eine ausreichend große Anzahl von Fällen die Lücke zwischen Investitionsbedarf und Heizkosteneinsparung geschlossen ist", heißt es dazu im Bericht.
Denn für Vermieter und Hausbesitzer lohnt sich Mehraufwand wirtschaftlich häufig nicht . Während bei vielen bisher unsanierten Altbauten Sanierungen wirtschaftlich seien, wenn hierdurch ein Effizienzhausstandard KfW-100 und KfW-85 erreicht werde, seien die Standards KfW-75 und KfW-55 nur sehr selten rentabel. "Investitionen in Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung oder solarthermischen Anlagen zur Unterstützung der Heizung und Warmwasseraufbereitung" stellen einen zu großen Mehraufwand dar. Auch Teilsanierungen sollten daher in die Förderstrategie einbezogen werden.
ZVSHK: Forderung nach steuerlicher Absetzbarkeit
Um den Menschen zudem mehr Planungssicherheit zu geben, sollte die Bundesregierung das Fördervolumen in den Haushalt integrieren – anstelle der Finanzierung aus dem Klimafonds, der ab 2015 unter Finanzierungsvorbehalt steht.
Diesen Vorschlag unterstützt auch der Zentralverband Sanitär, Heizung, Klima (ZVSHK): "Die Politik muss die Mittel verstetigen und dafür sorgen, dass das Marktanreizprogramm nicht ausläuft", sagt Frank Ebisch, Pressesprecher des ZVSHK. Auch die steuerliche Absetzbarkeit von Investitionen in Heizungsanlagen sei nach wie vor etwas, wodurch mehr Immobilienbesitzer zur Sanierung angeregt werden könnten.
Ein weiterer Schritt, um mehr Eigenheimbesitzer und Vermieter zu einer umfassenden Gebäudesanierung zu bewegen, sei es außerdem, die Transparenz zu erhöhen. Das gehe schon beim Einreichungsort für die Anträge auf Kredit und Zuschuss los. "Hinzu kommen bundesweit rund 600 verschiedene Förderprogramme, wie beispielsweise Direktzuschüsse für Heizungs- und Lüftungstechnik", schreibt Heger im Papier. Weniger, aber dafür besser aufeinander abgestimmte Programme sollten daher das Ziel sein.
Gemeinsames Positionspapier von BDH und ZVSHK
"Das Thema Heizung muss überhaupt mehr in das Blickfeld der Politik kommen", meint Ebisch. "Der Wärmemarkt bietet ein erhebliches Potenzial für Energieeinsparungen. Das muss in die Köpfe." Die Menschen steckten ihr Geld weiter vor allem in die Sanierung von Bädern. Die öffentliche Diskussion dazu fehlt – und die Zuschüsse auch.
In einem gemeinsamen Positionspapier des Bundesindustrieverbands Deutschland Haus, Energie- und Umwelttechnik e.V. und ZVSHK fordern die beiden Verbände daher von der Politik weniger Bürokratie, dafür mehr attraktive Anreize und einheitliche Beratungsstandards.
Hinsichtlich der Energieberatung sieht das IW die Handwerker bereits jetzt klar vorne: "Die Fortbildung sollte auf die berufliche Ausbildung und das vorhandene Fachwissen der verschiedenen Berufsgruppen aufsetzen und sich bei den Anforderungen an den bestehenden Gebäudeenergieberater im Handwerk orientieren", heißt es. Es gelte also, einen flächendeckenden Standard in der Ausbildung der Energieberater einzuführen, um den Menschen Sicherheit zu geben und sie zur Sanierung ihres Gebäudes zu veranlassen.
