Rohstoffmanagement Knappe Rohstoffe: Suche nach Alternativen beginnt

Immer mehr Akkus, Motoren und Turbinen: Unsere hochtechnisierte Welt verlangt zunehmend nach seltenen Metallen. Weil diese knapp und teuer sind, versuchen viele Länder eigene Quellen zu erschließen. Globale Abhängigkeiten gibt es aber auch immer mehr bei Agrarrohstoffen wie Holz und Getreide – typische Handwerksmaterialien. Ein gutes Rohstoffmanagement kann helfen.

Jana Tashina Wörrle

Immer mehr Technik, immer mehr Energiespeicher: Die Rohstoffe die dafür benötigt werden sind rar. Viel wird geforscht, um sie besser und umweltschonender zu erschließen. - © Foto: seen/Fotolia

Der hohe Strompreis ärgert viele Deutsche, bringt sie aber nicht davon ab weiterhin an die Energiewende zu glauben. Und so geht auch kaum mehr ein Unternehmen davon aus, dass es bei Strom und anderen Energieträgern wie Öl, Gas oder Kohle zu Versorgungsengpässen kommen könnte. Anders als noch im vergangenen Jahr bereitet laut einer Studie der Unternehmensberatung Inverto die Versorgung mit Energie als Rohstoff für die Produktion wenig Sorge. Die Börsendaten geben für den Moment Recht, denn die Preise sind im leichten Abwärtstrend.

Bedenken gibt es eher bei Chemikalien, Agrarrohstoffen tierischen Ursprungs sowie bei Holz, Weizen, Baumwolle, Kakao und bei Milchpulver. Bei diesen Rohstoffen sind die Befürchtungen gestiegen, dass es zu Versorgungsproblemen kommen könnte – und damit natürlich zu einem Preisanstieg. Geprägt ist der Markt von einem ständigen Auf und Ab und macht es auch Handwerksbetrieben schwer, eine passende Einkaufsstrategie zu finden.

Im Fokus bleiben auch die sogenannten seltenen Erden und damit Materialien, die in vielen technischen Produkten Einsatz finden – wie in Batterien und Akkus, Motoren und Turbinen. Wegen dem steigenden Bedarf und weil es Deutschland bislang zudem an anderen wichtigen Metallen fehlt, die in der Elektrotechnik oder Stahlproduktion gebraucht werden, hat die Bundesregierung nun ein Forschungsprojekt gestartet, das den Meeresboden nach den kostbaren Rohstoffen absucht.

© Quelle: Inverto
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Seltene Erden: Umweltschutz nicht vergessen

Denn Metalle wie Kupfer, Nickel, Kobalt und Mangan stecken auch in sogenannten Manganknollen, die am Meeresgrund wuchern. Um zu erkunden, wie diese abgebaut und schließlich genutzt werden können, tauchen Forscher der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) aber nicht in den deutschen Gewässern ab, sondern in der Clarion-Clipperton-Zone zwischen Hawaii und Mexiko – auf staatsfreiem Seeboden.

Für 15 Jahre haben sie eine Lizenz. Doch in 15 Jahren kann sich technisch schon vieles verändert haben. Sich zu sehr auf einzelne Rohstoffe zu verlassen, ist für die Wirtschaft daher sehr risikoreich. "Vor einiger Zeit hatten wir eine regelrechte Krise bei den seltenen Erden, da China quasi ein Monopol auf diese Stoffe hatte", sagt Klaus-Jürgen Gern vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Heute habe sich die Situation etwas gewandelt, weil immer mehr Länder nach eigenen Quellen suchen, um die Metalle zu fördern. Doch bislang ist dies noch sehr aufwendig und meist mit großen Schäden für die Umwelt verbunden.

So sind die seltenen Erden momentan nicht im Fokus der Analysten, zudem sei die Datenlage hierzu schwierig. "Im Moment ist das Thema Rohstoffknappheit insgesamt nicht so akut, da viel geforscht wird. Dies könnte sich aber wieder ändern, wenn die Wirtschaft in China wieder Fahrt aufnimmt und dann auch wieder mehr Rohstoffe benötigt", erklärt Gern und weist darauf hin, dass die Rohstoffpreisereise bislang trotz relativ schwacher Weltkonjunktur nicht stark gefallen sind.

Aus seiner Sicht geht es heute stark auch um die Frage, Ersatzstoffe für einige Rohstoffe zu finden und deren Effizienz zu steigern. Für den Handwerker als Einkäufer der Rohstoffe und daraus gefertigte Waren geht es auch darum, wie man sich als Betrieb unabhängiger machen kann – es geht um einen stärkeren Fokus auf regionale Rohstoffe und um mögliche Einsparungen.

Reale Verknappungen schlimmer als Finanzinvestoren?

Die meisten Rohstoffe – auch die klassischen regional produzierten – werden heute weltweit gehandelt und sind so auch abhängig vom gesamten Weltmarkt und den globalen Preisentwicklungen. Nicht alle Rohstoffe werden allerdings an der Börse gehandelt. Studien des Instituts für Weltwirtschaft zeigen zudem, dass nicht die Stoffe die größten Preisschwankungen erleben, die von Börsenkursen bestimmt sind. Dies spricht dafür, dass Preisanstiege in der Regel von realen Verknappungen verursacht werden und nicht künstlich von Finanzinvestoren herbeigeführt werden.

Agrarrohstoffe werden weltweit gehandelt und sind enorm abhängig von Umwelteinflüssen. - © Foto: doris oberfrank-list/Fotolia
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"Rohstoffknappheit gab es schon immer und wird es immer geben, aber sie wirkt sich heute schneller global aus", sagt der Wirtschaftsexperte. So haben beispielsweise langanhaltendes schlechtes Wetter in den USA, einem der weltweit größten Getreideproduzenten, und damit schlechte Ernten Folgen den Brotpreis hierzulande. Aber müssten Bäcker deshalb bestenfalls wieder beginnen eigenes Getreide anzubauen?

"Nein, aber er muss die Preisentwicklungen genau beobachten und dann sein Einkaufsverhalten entsprechend anpassen", sagt Jens Kiebler. Er ist Autor der Inverto-Studie und hat mit vielen Betrieben über ihr Rohstoffmanagement gesprochen. Sein Fazit: "Auch wenn die Rohstoffmärkte gerade eher stabil wirken, kann sich das schnell ändern. Unternehmen ist heute bereits viel stärker bewusst, welch große Rolle der Rohstoffeinkauf zur richtigen Zeit spielt, aber viele müssten besser vorbereitet sein und sich kontinuierlich informieren." Seine Tipps für ein gutes Rohstoffmanagement:

  1. Seine eigenen Ausgaben für Material und Einkaufsmengen im Blick haben. So sollten Handwerksbetriebe auch wissen, welche Rohmaterialien in den von ihnen verwendeten Stoffen stecken.
  2. Gut informiert sein über aktuelle Preise, die Herkunft der Rohstoffe und Veränderungen vor Ort. Dann könne man auch auf mögliche Änderungen schnell reagieren.
  3. Klare Absprachen mit Lieferanten und Händlern treffen.
  4. Mehrere Lieferanten für ein Produkt kennen und Preise vergleichen. Und das könnte man den Händler auch gerne wissen lassen.
  5. Feste Preise vertraglich festhalten und langfristig vereinbaren, wo das heute noch möglich ist. Festpreisspannen seien heute leider nicht mehr der Standard, die Märkte so volatil geworden sind.
  6. Möglichst ein Materiallager besitzen, das es erlaubt bei günstigen Preisen auch mal mehr einzukaufen.
  7. Bei allen Rohstoffen darauf achten, dass keine Verschwendung stattfindet und dass sie so effizient wie möglich genutzt werden.

"Wer seine Ausgaben kennt, weiß auch wann und wie oft sie sich verändern und kann gegebenenfalls seine eigenen Preise anpassen", sagt Jens Kiebler. Die Rohstoffpreise würden sich meist ähnlich der globalen Konjunkturzyklen entwickeln – eine stabile Wirtschaft bedeutet meist hohe Preise. Und so müsste auch der Schreiner, der für einen Schrank einkauft, der in fünf Monaten fertig sein soll,  wissen wie stark in dieser Zeit die Holzpreise schwanken können. Diese Preisspanne sollte dann mit in die Kalkulation einfließen.