Umweltschutz in der Holzwirtschaft Nachhaltiger Möbelbau: Wie und wem Zertifikate nützen

Kennen Sie Lohas? Das sind Personen, die besonders auf Nachhaltigkeit achten. Viele davon sind Handwerkskunden und so wird der umweltschonende Umgang mit Holz immer wichtiger – vom Wald bis zum fertigen Bauwerk oder Möbelstück. Lohas verlangen meist einen Nachweis darüber. Zertifikate und Labels sind gefragt und werden kritisch hinterfragt.

Jana Tashina Wörrle

Die deutschen Verbraucher werden immer kritischer und achten beim Einkauf auf Nachhaltigkeit. Wenn Tischler, Schreiner, Bodenleger und andere Holzbauer heimisches Holz verwenden, können sie die steigende Nachfrage bedienen. - © Foto: luther2k/Fotolia

Die deutschen Verbraucher werden immer kritischer. Durch Lebensmittelskandale, den Klimawandel und damit zusammenhängende Naturkatastrophen, durch das Artensterben und die vielerorts bedrohte Natur- und Umwelt fangen immer mehr Menschen an zu hinterfragen, wie wir leben, arbeiten und vor allem konsumieren. Wissenschaftler haben für diese kritischen Konsumenten eine eigene Bezeichnung gefunden: Lohas (nach englisch Lifestyles o f Health and Sustainability).

Die Lohas legen besonderen Wert auf Nachhaltigkeit und achten darauf möglichst nach diesem Kriterium einzukaufen. "Die Lohas sind eine wachsende Zielgruppe für viele Unternehmen, denn sie sind bereit für passende Produkte mehr Geld auszugeben", sagt Gabriele Bruckner von der Initiative "Holz von Hier". Aber sie seien auch anspruchsvoll und wollen Nachweise über das, was Hersteller versprechen. "Das Stichwort lautet Authentizität", fügt die Holzexpertin an, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Philipp Strohmeier mit Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt das Label "Holz von hier" ins Leben gerufen.

Kurze Wege sind Klimaschutz

Massenweise wird Holz durch die ganze Welt transportiert und verursacht damit große Umweltschäden. - © Foto: hasepupase/Fotolia
Holzstapel

In Oberfranken gestartet, arbeitet die Initiative seit Anfang 2012 bundesweit mit vielen Unternehmen der Holzbranche zusammen – über 90 Prozent der Mitglieder sind Handwerksbetriebe. Zimmerer, Tischler, Schreiner und viele andere Unternehmen haben sich dem Netzwerk angeschlossen und können ihren Kunden damit für ihre Produkte und Bauwerke zeigen, dass das verarbeitete Holz kurze Wege hinter sich hat und deshalb umwelt- und klimafreundlich ist.

"Es ist doch Wahnsinn, dass Holz über den ganzen Erdball transportiert wird und dann immer noch günstiger ist als das heimische", fasst Tischlermeister Andreas Gieß aus Wiesbaden zusammen, warum er sich der Initiative angeschlossen hat. Diejenigen, die sich darüber keine Gedanken machen, würden komplett vergessen, dass bei den Dumpingpreisen der großen "Billig-Möbelmärkte" die Kosten für Natur, Umwelt und die Ausbeutung der Menschen, die für Niedriglöhne arbeiten müssen, ignoriert werden.

Die Kunden von Andreas Gieß nehmen es daher positiv auf, dass er ihnen zwar etwas teureres, aber dafür robustes Holz und Holzmöbel aus der Region anbietet. "Wenn man die Leute richtig informiert, dann freuen sie sich über solche Angebote", sagt der Tischlermeister. Für die Mitgliedschaft bei "Holz von Hier", deren Kosten sich je nach Größe des Betriebs richten, bezahlt er "nicht mehr als für eine Zeitungsanzeige" – benennt es Gabriele Bruckner als Durchschnittspreis. Dafür kann Andreas Gieß auf Briefköpfen, Visitenkarte und seiner Homepage damit werben. Zusätzlich hat er ein eigenes Profil auf der Website der Initiative.

Ab dem Wald alles dikumentiert

Rund 60 Firmen sind mittlerweile als Zertifikatnehmer Mitglied. Mit einer entsprechenden Urkunde werden dabei allerdings nicht die Betriebe, sondern die einzelnen Produkte ausgezeichnet. Jeder Tisch, Schrank oder Dachstuhl wird einzeln zertifiziert und bekommt einen Nachweis über seine Regionalität. "Regional" meint hierbei, dass alle Transportentfernungen seit dem Zeitpunkt des Fällens im Wald zurückverfolgbar sind. Jegliche Angaben dazu werden elektronisch erfasst.

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"Jeder Schritt und jede Entfernung, das Holz zurücklegt, ist im System gespeichert und der Handwerker, der dieses Holz verarbeitet, muss dann nur noch die entsprechende Urkunde für seinen Kunden ausdrucken", lobt Philipp Strohmeier die Funktionen, die die Handhabung allen, die mit dem Zertifikat arbeiten wollen, möglichst einfach machen sollen. Da bei "Holz von Hier" nicht die Betriebe, sondern deren Produkte zertifiziert sind, müssen sich die Firmen auch nicht komplett auf neue Verfahren einstellen, sondern einfach ihr Portfolio erweitern.

Holzbau mit heimischen Hölzern ist umwelt- und klimafreundlich. Immer mehr Handwerkskunden achten darauf. - © Foto: Ingo Bartussek/Fotolia
Holzbau

"Natürlich ist es uns daran gelegen, dass möglichst viele aus der Holzwirtschaft darauf achten, kein Material mehr zu kaufen, das tausende von Kilometer hinter sich und damit Tonnen an C02 in die Luft gepumpt hat", sagt Philipp Strohmeier. Aber man müsse trotzdem schrittweise vorgehen und bei vielen Verbrauchern auch noch  Aufklärungsarbeit leisten.

Da "Holz von Hier" ein bundesweites Zertifikat ist, können Handwerksbetriebe sich damit auch auf öffentliche  Ausschreibungen bewerben bzw. fordern mittlerweile mache Gemeinden und Städte, dass bei Bauwerken besonders klimafreundliches Holz verwendet wird. So hat beispielsweise der bayerische Bauernverband in Kronach ein neues Bürogebäude in Holzbauweise errichtet, das mit dem Zertifikat "Holz von Hier" ausgezeichnet ist.

Tropenholz in der Kritik

Auch Tischler Andreas Gieß hat bereits mit dem Hinweis auf "Holz von Hier" bei öffentlichen Ausschreibungen teilgenommen. Und er hat noch einen drauf gesetzt und sich extra für Arbeiten beworben, die aus Tropenholz angefertigt werden sollten. "Ich konnte damit zeigen, dass wir hier genauso gutes und robustes Holz haben", freut er sich.

Genau das Tropenholz ist es nämlich, dass die Kritik auf sich zieht. Dabei sind die langen Wege der eine Aspekt, der die Umwelt belastet. Andererseits wird aber immer wieder kritisiert, dass für die Möbel aus Teakolz, Bangkirai oder Meranti ganze Regenwälder abgeholzt werden und Arbeiter vor Ort unter unmenschlichen Bedingungen schuften müssen.

Damit Tropenholz hierzulande trotzdem eingesetzt werden kann und unter fairen Bedingungen angebaut und geschlagen wird, bietet die internationale gemeinnützige Organisation hinter dem FSC-Siegel ein weiteres Zertifikat für die Holzwirtschaft. FSC steht für Forest Stewardship Council und konzentriert sich auf eine nachhaltige Forstwirtschaft in den tropischen Ländern und tritt für faire Löhne ein.

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Für Ulrich Malessa von FSC Deutschland ist der Holzmarkt mittlerweile so globalisiert, dass man die Warenströme kaum mehr umlenken könne. Vielmehr gehe es jetzt darum, darauf zu achten, nur die nachhaltige Wirtschaft zu unterstützen und genau hinzuschauen, wo das Holz herkommt. Die Regionalität allein ist für ihn kein Argument. "Holz, das einige Kilometer mit den Lkw durch die Lande fährt, kann manchmal klimaschädlicher sein wie ein längerer Transport auf einem Schiff", relativiert der Holzfachmann.

Viele haben FSC-Produkte im Sortiment

Handwerker können das FSC-Siegel auf zwei verschiedenen Wegen nutzen. Entweder als reine Einkaufsorientierung für sich selbst – denn nach Aussage von Ulrich Malessa gebe es heute kaum einen Holzhändler mehr, der keine FSC-Produkte im Sortiment hat. Oder als richtige Produktkettenzertifizierung, um damit auch zu werben und auf Kunden zuzugehen. Für den zweiten Weg muss sich der Betrieb allerdings einzeln zertifizieren lassen. "Er entwirft ein eigenes Handbuch zur Benutzung des Siegels und dieses wird dann mit uns abgestimmt und regelmäßig überprüft", erklärt der FSC-Fachmann.

Die Kosten für die FCS-Zertifizierung richten sich nach verschiedenen Faktoren wie Häufigkeit der Besuch der externen Editoren und verschiedenen Gebühren – round about 1.500 Euro können das im Schnitt sein. Allerdings gibt es eine Bezuschussung des Bundesamts für Ausfuhrkontrolle (BAFA), die Betriebe dafür beantragen können.

Ob die Regionalität, die Nachhaltigkeit oder am besten beides an erster Stelle bei der Holzauswahl steht, muss jeder Handwerker selbst entscheiden. Wichtig ist allerdings zu bedenken, dass der Verzicht auf solche Kriterien gravierende Folgen haben kann – und das nicht nur für die Natur und das Klima. "Manche Musikinstrumente werden aus speziellem, seltenem Holz hergestellt und wenn dieses verstärkt illegal abgeholzt wird, kann es passieren, dass es bald gar nicht mehr zu uns geliefert werden darf oder es verschwindet ganz, weil alle Ressourcen ausgeschöpft sind", sagt Ulrich Malessa. Damit müssten Instrumentenbauer aus dem Handwerk ihre Herstellungsverfahren oder ihr ganzes Sortiment umstellen.