Die deutsche Solarwirtschaft hat die Bundesregierung zum Auftakt der weltgrößten Fachmesse ihrer Branche zur Rückkehr zu verlässlichen Förderbedingungen aufgefordert. Immer mehr Länder würden auf Solarenergie setzen. Jedoch sind nach Angaben des Bundesverbandes der Solarwirtschaft in den vergangenen Wochen im Bereich der Photovoltaik in Deutschland mehr als 10.000 Arbeitsplätze verloren gegangen.

Derzeit gebe im Bereich der Photovoltaik bundesweit noch rund 128.000 Arbeitsplätze, sagte Verbandsgeschäftsführer Carsten Körnig am Mittwoch beim Start der Intersolar Europe in München. Weltweit setzten allerdings immer mehr Länder auf Solarenergie. Gerade deshalb sei es jetzt wichtig, in den Leitmärkten, wie in Deutschland, verlässliche, attraktive Förderbedingungen zu schaffen und die Verunsicherung abzubauen.
Nach den neuesten Zahlen der European Photovoltaik Industry Association (EPIA), Brüssel/Belgien, wurden 2011 Photovoltaik-Anlagen mit einer Spitzenleistung von insgesamt 27,7 Gigawatt (GWp) in Betrieb genommen, drei Viertel davon in Europa. Die Schlüsselmärkte waren Deutschland und Italien mit einem Zubau von jeweils rund 7,5 GWp. Mit einem Zubau von 2,2 GWp ist China 2011 zum drittgrößten PV-Markt weltweit aufgestiegen.
Große PV-Anlagen liegen im Trend
Große PV-Anlagen spielen dabei eine immer wichtigere Rolle: Schon 2010 wurden weltweit mehr als 2.400 Photovoltaik-Großanlagen in Betrieb genommen und die Zahl wächst stetig weiter.
Der Vorstandschef von Solarworld, Frank Asbeck, bekräftigte auf der Messe die Absicht, im Verbund der europäischen Hersteller ein Verfahren gegen chinesische Dumpingangebote anzustrengen. Solarworld rangiere als ein führender europäischer Hersteller weiterhin unter den "Top Ten" in der Welt, betonte er zudem. Es gehe nicht an, "dass 30 Jahre deutsche Industriegeschichte und Forschungsgeschichte durch temporäre, unfaire Wettbewerbsbedingungen ausgehebelt werden", bemängelte Asbeck. Er kritisierte, dass "die Chinesen weit unter ihren variablen Kosten verkaufen".
Dies sei fatal für eine Industrie, die perspektivisch die Energieversorgung der Welt wesentlich mitzubestimmen werde. In einem zwei- bis dreijährigen Dumpingprozess könnten alle Wettbewerber ausgeschaltet werden, um dann die Preise und Technologie allein zu bestimmen. Im Kampf um das wirtschaftliche Überleben mit der fernöstlichen Konkurrenz sei "weiter Atmen das beste Mittel gegen den Tod", sagte Asbeck. Den technologischen Wettstreit gehe Solarworld gerne ein. Er dürfe aber nicht über unfaire Wege ausgetragen werden.
Auf der Fachmesse für Solarwirtschaft präsentieren bis Freitag 2.000 Aussteller Produkte und Technologien der Photovoltaik. Bei der Leistungsschau werden rund 80.000 Besucher erwartet. dapd/rh