Besonderheiten bei Zuschuss 9-Euro-Ticket: Das gilt bei Zuschüssen des Arbeitgebers

Das 9-Euro-Ticket führt nicht nur an Wochenenden und Feiertagen zu Tumulten auf Bahnsteigen. Auch lohnsteuerlich müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer Besonderheiten beachten.

Zug in einem Bahnhof
Nutzt ein Arbeitnehmer ein Ticket für öffentliche Verkehrsmittel im Personennahverkehr, darf der Arbeitgeber die Ausgaben ganz oder teilweise übernehmen. - © Petair - stock.adobe.com

Grundsätze zu Zuschüssen für den öffentlichen Nahverkehr

Nutzt ein Arbeitnehmer ein Ticket für öffentliche Verkehrsmittel im Personennahverkehr, darf der Arbeitgeber die Ausgaben ganz oder teilweise übernehmen. Der steuerliche Clou: Dieser Vorteil ist für den Arbeitnehmer nach § 3 Nr. 15 EStG steuerfrei, soweit dieser Arbeitgeberzuschuss zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erbracht wurde. Das bedeutet: Erfolgt der Zuschuss "on top" zum Gehalt, klappt es mit der Steuerfreiheit.

Verzichtet der Arbeitnehmer dagegen auf Bruttogehalt, um in Höhe des Werts des Verzichts einen Zuschuss vom Arbeitgeber für das Ticket für den Personennahverkehr zu bekommen, scheidet die Steuerfreiheit aus (sog. Gehaltsumwandlung). Ausführliche Informationen und aufschlussreiche Praxisbeispiele zum Arbeitgeberzuschuss für Ticketkosten im öffentlichen Personennahverkehr und zum Personenfernverkehr finden sich in einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 15. August 2019, Az. IV C 5 - S 2342/19/10007 :001).

Praxis-Tipp: Kleiner Wermutstropfen: Der Arbeitgeber muss die steuerfreien Zuschüsse nach § 3 Nr. 15 EStG am Ende des Jahres in der Lohnsteuerbescheinigung für den einzelnen Mitarbeiter schriftlich festhalten. Gibt der Arbeitnehmer eine Steuererklärung beim Finanzamt ab, mindert sich die Entfernungspauschale um den Arbeitgeberzuschuss. Das gilt selbst dann, wenn der Arbeitnehmer gar nicht mit öffentlichen Arbeitsmitteln zur Arbeit gefahren ist, sondern mit dem Auto.

Arbeitgeber hat Aufzeichnungspflichten

Der Arbeitgeber muss im Lohnkonto aufzeichnen, in welcher Höhe er Zuschüsse für Tickets des Arbeitnehmers im öffentlichen Personennahverkehr im Kalenderjahr geleistet hat. Daneben muss er noch Nachweise zur Höhe der Ticketkosten aufbewahren, die dem Mitarbeiter entstanden sind. Denn die Steuerfreiheit nach § 3 Nr. 15 EStG ist auf Zuschüsse begrenzt, die den Aufwendungen des Arbeitnehmers entsprechen. Fallen dem Arbeitnehmer 600 Euro im Jahr für ein Bahn- oder Busticket an und der Arbeitgeber überweist 1.000 Euro, sind 400 Euro zu versteuern.

Besonderheiten zum 9-Euro-Ticket

In der Zeit von Juni 2022 bis August 2022 besteht die Möglichkeit, im Personennahverkehr für neun Euro im Monat mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Damit sollen vor allem Berufspendler aufgrund der hohen Energie- und Spritpreise entlastet werden. Das hat nun aber lohnsteuerliche Folgen.

Für die lohnsteuerliche Behandlung von Zuschüssen des Arbeitgebers nach § 3 Nr. 15 EStG im Zusammenhang mit dem 9-Euro-Ticket gilt nach einem aktuellen Schreiben des Bundesfinanzministerium (Schreiben v. 30. Mai 2022, Az. IV C 2351/19/10002:007) Folgendes:

  • Vereinfachungsregelung: Passt der Arbeitgeber in den Monaten Juni bis August 2022 die Zuschüsse nach § 3 Nr. 15 EStG nicht nach unten an, ist zunächst lohnsteuerlich nichts veranlasst. Das bedeutet: Zahlt der Arbeitgeber einen Zuschuss in den Monaten Juni bis August von jeweils 50 Euro, obwohl der Mitarbeiter je Monat nur neun Euro bezahlen muss, ist der Differenzbetrag in Höhe von 41 Euro pro Monat nicht in der Lohnsteueranmeldungen Juni bis August der Lohnsteuer zu unterwerfen.
  • Jahresbetrachtung: Sollten jedoch auf Kalenderjahr 2022 betrachtet, die Zuschüsse des Arbeitgebers über den tatsächlichen Aufwendungen des Arbeitnehmers liegen, ist der Differenzbetrag als steuerpflichtiger Arbeitslohn aufzuzeichnen.

Sozialversicherungsrechtliche Betrachtung

Ob diese Vereinfachungsregelung auf bei der Sozialversicherung anzuwenden ist, steht noch nicht fest. In der Regel gelten bei steuerfreien Gehaltsextras jedoch lohnsteuerlich und bei Ermittlung der Sozialversicherungsbeiträge dieselben Steuerspielregeln. Eine Klarstellung bleibt abzuwarten.