Alle Änderungen im Überblick Steuerrecht: Das alles ändert sich 2015

Beruflicher Umzug, Auslandsreisen, neue Gehaltsextras: Das Jahr 2015 hat begonnen und damit stehen auch einige Veränderungen im Steuerrecht auf dem Plan. Viele dieser Steueränderungen bringen in diesem Jahr tatsächlich Erleichterungen und Steuervorteile.

Bernhard Köstler

Beim beruflich bedingten Umzug kann bald eine höhere Umzugskostenpauschale abgezogen werden. - © Sven Hoppe/Fotolia.com

Auslandsreisen: Neue Verpflegungspauschalen

Wird ein Unternehmer betrieblich im Ausland tätig, kann er je nach Reiseland für jeden Tag eine Verpflegungspauschale als Betriebsausgabe vom Gewinn abziehen. Wie hoch diese Pauschale im Jahr 2015 ist, kann einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 19. Dezember 2014 entnommen werden. Diese neuen Pauschalen 2015 dürfen Mitarbeitern, die 2015 aus beruflichen Gründen im Ausland unterwegs sind, steuer- und abgabenfrei ausbezahlt werden.

Steuervorteile durch Scheidung möglich

Versorgungsausgleichs: Wer bei einer Scheidung eine Abfindung erhält, kann diese Ausgleichszahlung 2015 erstmals als Sonderausgabe abziehen. - © Foto: tanawatpontchour/Fotolia

Eine Scheidung ist nicht nur schmerzlich, sondern meist auch ­eine teure Angelegenheit. Einigen sich Ex-Ehegatten im Rahmen einer Scheidung darauf, dass ein Partner zur Vermeidung des Versorgungsausgleichs eine Abfindung erhält, ist diese Ausgleichszahlung 2015 erstmals als Sonderausgabe abziehbar. Voraussetzung für den Sonderausgabenabzug ist jedoch, dass der Ex-Ehegatte, der die Ausgleichszahlung erhält, dem Sonderausgabenabzug zustimmt und die erhaltene Zahlung versteuert.

Höhere Umzugskostenpauschale bei beruflichem Umzug

Arbeitnehmer, die aus beruflichen Gründen umziehen, können bei ­Beendigung des Umzugs ab dem 1. März 2015 eine höhere Umzugskostenpauschale als Werbungskosten steuersparend abziehen. Die Umzugskostenpauschale beträgt dann 730 Euro/1.460 Euro (ledig/verheiratet) und für jedes Kind 322 Euro. Umzugsbedingte Nachhilfekosten für Kinder dürfen bis zu 1.841 Euro abgezogen werden.

Ein beruflicher Umzug liegt übrigens vor, wenn sich ein Arbeitnehmer durch den Umzug täglich für die Hin- und Rückfahrt zur Arbeit mindestens eine Stunde Fahrtzeit spart (BMF, Schreiben v. 6. Oktober 2014).

Unterstützungsleistungen: Identifikationsnummer ein Muss

Unterstützen Sie Ihre Eltern finanziell oder Ihr Kind, für das Sie kein Kindergeld mehr bekommen, dürfen Sie bis zu 8.354 Euro steuerlich als außergewöhnliche Belastung geltend machen. Nur wenn die unterstützte Person Einkünfte von mehr als 624 Euro hat, mindert sich dieser Abzugsbetrag um den übersteigenden Betrag. Ab 2015 ist der Abzug aber noch möglich, wenn Sie dem Finanzamt die Identifikationsnummer der unterstützten Person mitteilen. Dadurch soll verhindert werden, dass eine Person von mehreren Steuerzahlern unterstützt wird und jeder den Höchstbetrag abzieht (§ 33a Abs. 1 Satz 9 bis 11 EStG).

Kürzung der Verpflegungspauschale wegen Bordverpflegung

Bordverpflegung: Wer beruflich unterwegs ist und im Flugzeug eine Mahlzeit bekommt, erhält weniger Verpflegungskosten. - © Foto: tanawatpontchour/Fotolia

Zahlen Sie Mitarbeitern eine Verpflegungspauschale für berufliche Auswärtstätigkeiten aus, müssen Sie die Pauschale kürzen, wenn Sie den Mitarbeitern eine Mahlzeit gewähren. Die Kürzung beträgt für ein Frühstück 4,80 Euro sowie für ein Mittag- und Abendessen jeweils 9,60 Euro. Neu und sehr kurios ab 2015: Reist ein Arbeitnehmer mit dem Flugzeug ins Ausland und erhält eine Bordverpflegung, muss die Verpflegungspauschale auch gekürzt werden ( BMF, 24. Oktober 2014, Az.: IV C 5 – S 2353/14/10002).

Unentgeltliche Wertabgaben 2015 bei Handel mit Lebensmitteln

Stellen Sie Lebensmittel her oder vertreiben diese, unterstellt das Finanzamt, dass Sie und Ihre Familie auch mitessen. Deshalb erwartet das Finanzamt die Zurechnung eines Betrags zum Gewinn und die Abführung von Umsatzsteuer für diesen "Eigenverbrauch". Wer im Jahr 2015 wie viel versteuern muss, kann einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 12. Dezember 2014 (Az.: IV A – S 1547/13/10001) entnommen werden.

Das sollten Sie auch noch wissen

Rußpartikelfilter: Wer sein Dieselfahrzeug 2015 mit einem Rußpartikelfilter nachrüsten lässt, bekommt auf Antrag einen staatlichen Zuschuss von 260 Euro (www.bafa.de). Doch aufgepasst: Wer zu spät kommt, geht leer aus. Das Fördervolumen reicht nur für rund 115.000 Nachrüstungen.

Zigaretten: Normalerweise dürfen Sie für den Privatgebrauch bis zu 800 Zigaretten zollfrei von EU-Staaten nach Deutschland einführen. 2015 gilt für folgende Länder jedoch eine Einfuhrhöchstgrenze von 300 Zigaretten pro Person: Bulgarien, Kroatien, Lettland, Litauen, Ungarn und Rumänien (§ 22 Abs. 3 Tabakgesetz).

Steueranrechnung: Musste ein selbstständiger Handwerker im Ausland Steuern bezahlen, kann diese ausländische Steuer auf die deutsche Einkommensteuer oder Körperschaftsteuer angerechnet werden. 2015 steigt der Anrechnungshöchstbetrag aufgrund neuer Steuerregeln in § 34c EStG.

Steuervorauszahlung: Am 15. Februar 2015 wird die erste Steuervorauszahlung zur Gewerbesteuer fällig. Fällt Ihr Gewinn 2015 aus welchen Gründen auch immer niedriger aus, können Sie einen Antrag auf Herabsetzung der Gewerbesteuervorauszahlungen stellen. Vorsicht: Der Antrag ist nicht bei der Gemeinde zu stellen, sondern beim Finanzamt.

Neues Gehaltsextra: Betreuungszuschuss

Seit 2015 dürfen Arbeitgeber ihren Mitarbeitern die kurzfristige Betreuung ihrer Kinder bezuschussen. - © Foto: Robert Kneschke/Fotolia

Arbeitgeber dürfen ihren Mitarbeitern ab 2015 einen Zuschuss zur kurzfristigen Betreuung ihrer Kinder oder pflegebedürftiger Angehöriger von 600 Euro im Jahr gewähren, ohne dass dafür Steuern oder Sozialabgaben anfallen (§ 3 Nr. 34a EStG).

Voraussetzungen für die Steuerfreiheit sind, dass die Betreuung durch außergewöhnliche berufliche Umstände notwendig werden (wichtige auswärtige Fortbildung, Vertretung eines erkrankten Kollegen), dass das Kind seinen 14. Geburtstag noch nicht gefeiert hat und dass dieses ­Gehaltsextra zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gezahlt wird. Neben dem Betreuungszuschuss darf der Arbeitgeber auch die Kosten für die Beratung hinsichtlich der Betreuung von Kindern und pflegebedürftigen Familienmitgliedern und Vermittlung von Pflegepersonal übernehmen. Diese übernommenen Kosten sind unabhängig von der Höhe steuer- und abgabenfrei.

Betriebsveranstaltung: Neuregelung

Bei Betriebsfeier gilt für Arbeitgeber eine Ausgabengrenze, wenn sie die Kosten steuerlich geltend machen wollen. 2015 gibt es dabei Änderungen. - © Foto: Picture-Factory/Fotolia

Lädt der Arbeitgeber seine Belegschaft zu einer Betriebsveranstaltung ein, gelten seit 1. Januar 2015 völlig neue Spielregeln zur Lohnsteuer und zum Vorsteuerabzug . Bisher kippte der Vorsteuerabzug und es wurde Lohnsteuer fällig, sobald die Kosten der Veranstaltung je Teilnehmer brutto mehr als 110 Euro betrugen (so genannte Freigrenze). Diese steuerlichen Folgen traten sogar bei einer Überschreitung der 110-Euro-Grenze von nur einem Cent ein. Ab 1. Januar 2015 ist der 110-Euro-Höchstbetrag ein Freibetrag.
Das bedeutet: Betragen die Kosten je Teilnehmer brutto mehr als 110 Euro, kippt der Vorsteuerabzug nur für den Betrag, der über 150 Euro liegt. Auch Lohnsteuer wird nur auf den übersteigenden Betrag fällig.

Kosten fremder Dienstleister

Kleiner Wermutstropfen: In die Ermittlung der Teilnehmerkosten an einer Betriebsveranstaltung sind ab 2015 alle Kosten an fremde Dienstleister einzubeziehen (Saalmiete, Personalkosten fürs Catering etc.). Außerdem sind die Kosten einer Begleitperson dem Arbeitnehmer zuzurechnen.

Beispiel: Jeder Arbeitnehmer darf auf die Betriebsveranstaltung eine Begleitperson mitbringen. Kosten je Teilnehmer: 100 Euro.

Folge: Nach Rechtslage bis Ende 2014 war steuerlich nichts veranlasst, weil die 110-Euro-Grenze nicht überschritten wurde. Ab 2015 betragen die Teilnehmerkosten des Arbeitnehmers 200 Euro, was eine Vorsteuerkürzung und Lohnsteuer auf den übersteigenden Betrag von 90 Euro nach sich zieht.

Höherer Sonderausgabenabzug für Altersvorsorgeaufwendungen

Im Jahr 2014 durften Unternehmer für Zahlungen in einen Rürup-Rentenvertrag mit 78 Prozent, maximal aber mit 15.600 Euro/31.200 Euro (ledig/verheiratet) pro Jahr als Sonderausgaben geltend machen. 2015 dürfen deutlich höhere Beitragszahlung steuerlich abgesetzt werden. Zum einen klettert der abziehbare Prozentsatz auf 80 Prozent. Zum anderen steigt auch der Höchstbetrag an. Abziehbar sind Rürup-Beiträge ab 2015 bis zu 17.738 Euro/35.476 Euro (ledig/verheiratet).

Höherer Pauschbetrag für Aufmerksamkeiten

Geschenke an Geschäftspartner: Ab 2015 steigt der steuerfreie Wert. - © Foto: Africa Studio/Fotolia

Geschenke an Arbeitnehmer zu besonderen Anlässen (Hochzeit, Geburtstag, Beförderung, Geburt eines Kindes, etc.) waren bisher bis zu 40 Euro steuer- und abgabenfrei. Ab 2015 steigt der steuerfreie Wert für solche Aufmerksamkeiten auf 60 Euro ( Lohnsteuerrichtlinien 2015).

Elektrofahrzeuge: Geringerer Privatanteil

Kaufen oder leasen Sie ein Elektrofahrzeug und nutzen dieses als Firmen-Pkw, müssen Sie für die Privatnutzung Ihren Gewinn nach oben korrigieren. Ohne Fahrtenbuch beträgt die Privatnutzung ein Prozent des inländischen Bruttolistenpreises im Zeitpunkt der Erstzulassung. Der Bruttolistenpreis darf bei Kauf eines Elektrofahrzeugs im Jahr 2015 wegen der teuren Batterie um 400 Euro je Kilowattstunde, maximal um 9.000 Euro, reduziert werden.

Erleichterungen für Sparer

Ab 2015 können Sie der Bank einen Freistellungsauftrag nachträglich vorlegen und so Steuern sparen. - © Foto: sorcerer11/Fotolia

Erzielen Sie Zinsen aus einer Kapitalanlage, können Sie der Bank vorher einen Freistellungsauftrag erteilen. Dann verzichtet die Bank auf Einbehaltung der Abgeltungsteuer, so lange der Sparer-Pauschbetrag von 801 Euro/1.602 Euro noch nicht überschritten ist. Haben Sie es verschlafen, der Bank einen Freistellungsauftrag zu erteilen, mussten Sie sich die einbehaltene Abgeltungsteuer durch die Steuererklärung wiederholen. Nachteile: Späte Erstattung und das lästige Ausfüllen der Anlage KAP. Ab 2015 ticken die Uhren jedoch anders. Denn ab 2015 können Sie der Bank den Freistellungsauftrag nachträglich vorlegen. Dann bekommen Sie die einbehaltene Steuer umgehend von der Bank zurück.

Kindergeld für Übergangszeit bei freiwilligem Wehrdienst

Hat sich Ihr Kind direkt nach Beendigung der Schule freiwillig zur Bundeswehr gemeldet, versagte die Familienkasse bislang die Auszahlung von Kindergeld für den Übergangszeitraum zwischen Schulende und Beginn der freiwilligen Wehrpflicht. Seit 2015 steht Eltern nun für diese Übergangszeit Kindergeld zu, wenn diese nicht länger als vier Monate dauert. Diese Neuregelung gilt auch für die Übergangszeit von längstens vier Monaten, wenn nach Beendigung des freiwilligen Wehrdienstes eine Ausbildung angetreten wird.