Gewinnermittlung 2020 20 Steuertipps für die Gewinnermittlung

Für die Gewinnermittlung 2020 winken wegen Corona zahlreiche neue Steuerspartipps.Wahren Sie Ihre Chance auf den Investitionsabzugsbetrag, höhere Sonderabschreibung und alle Steuererleichterungen aufgrund der Pandemie­.

Bei der Gewinnermittlung 2020 können Unternehmer von zahlreichen Steuerspartipps wegen Corona profitieren. - © mhp - stock.adobe.com

1. Neue Anlage "Corona-Hilfen"

Sollen die Steuererklärungen 2020 im Finanzamt möglichst schnell durchlaufen, weil Sie eine Steuererstattung erwarten? Dann vergessen Sie nicht, die neue Anlage Corona-Hilfen auszufüllen. Fehlt dieses Steuerformular, sind Rückfragen und damit Verzögerungen programmiert.

2. Corona-Hilfen versteuern I

Corona-Hilfen müssen Sie bei der Gewinnermittlung als Betriebseinnahme versteuern. Umsatzsteuer fällt nicht an. Ermitteln Sie Ihren Gewinn nach der Einnahmen-Überschussrechnung gemäß § 4 Abs. 3 Einkommensteuergesetz (EStG), erhöhen die Corona-Hilfen erst in dem Jahr den Gewinn, in denen Ihnen die Zahlungen gutgeschrieben werden.

3. Corona-Hilfen versteuern II

Bei selbstständigen Handwerkern, die ihren Gewinn 2020 mittels einer Bilanz berechnen, erwartet das Finanzamt die Gewinnerhöhung für Corona-Hilfen in der Regel bereits 2020, selbst wenn die Zahlungen erst im Jahr 2021 überwiesen wurden. Bei Bilanzierung genügt es, wenn der Antrag noch 2020 gestellt wurde. Selbst ohne Antrag können in der Bilanz 2020 "sonstige Vermögensgegenstände" und in der Gewinn- und Verlustrechnung 2020 "sonstige betriebliche Erträge" zu erfassen sein, wenn am 31. Dezember 2020 ohne Zweifel feststand, dass ein Handwerker einen Anspruch auf die staatlichen Corona-Hilfen hat.

4. Stundungseffekt durch Fristverlängerung

Erstellt Ihre Steuererklärung ein Steuerberater, ist wegen der Corona-Pandemie eine Fristverlängerung zur Abgabe bis August 2022 im Gespräch. Das ist gut für all diejenigen, die Steuernachzahlungen für 2020 erwarten. Die Fristverlängerung wirkt dann wie eine zinslose Stundung.

5. Neue Chance für Investitionsabzugsbetrag

Planen Sie in den Jahren 2021 bis 2023 Investitionen ins bewegliche Anlagevermögen, können Sie unter Umständen bereits bei der Gewinnermittlung 2020 die Hälfte der voraussichtlichen Netto-Investitionskosten als Betriebsausgaben abziehen. Selbst wenn das in den Vorjahren nicht geklappt hat, sollten Sie einen neuen Versuch starten. Denn für das Jahr 2020 winkt der sogenannte Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG allen Unternehmern, deren Gewinn 2020 vor Abzug des Investitionsabzugsbetrag nicht über 200.000 Euro lag.

6. 20-prozentige Sonderabschreibung

Haben Sie 2020 trotz Corona in Ihren Handwerksbetrieb investiert, können Sie betriebliche Gegenstände des Anlagevermögens abschreiben. Daneben winkt Ihnen für das Jahr 2020 vielleicht sogar noch eine 20-prozentige Sonderabschreibung, wenn der Gewinn im Vorjahr (also im Jahr 2019) nicht mehr als 200.000 Euro betragen hat.

7. Wahlrecht bei Abschreibung

Bei der Abschreibung betrieblicher Anlagegegenstände haben Sie 2020 wieder ein Wahlrecht. Wegen Corona wurde neben der linearen Abschreibung im Jahr 2020 die degressive Abschreibung neu eingeführt. Die degressive Abschreibung beträgt das 2,5-fache des linearen Ab­schreibungssatzes, maximal 25 Prozent pro Jahr.

8. Hard- und Software für Computer

Vielleicht haben Sie gehört, dass für Hard- und Software nur noch eine einjährige Nutzungsdauer unterstellt werden kann. Mit anderen Worten: Die Kosten sind im Jahr des Kaufs in voller Höhe als Betriebsausgaben abziehbar. Kleiner Wermutstropfen: Diese Neuregelung gilt leider noch nicht für die Gewinnermittlung 2020, sondern für Käufe ab 1. Januar 2021. Haben Sie 2020 Hard- und Software für Computer ge­kauft und auf drei bis fünf Jahre abschrieben, müssen Sie sich nicht ärgern. Der 2020 noch nicht abgeschriebene Restbetrag kann 2021 in voller Höhe als Betriebsausgabe abgezogen werden.

9. Homeoffice-Pauschale I: Auch für Unternehmer

Die neue Homeoffice-Pauschale ist abziehbar für jeden Tag, an dem Sie ausschließlich zu Hause gearbeitet haben, 5 Euro, maximal je­doch 600 Euro pro Jahr. Die Homeoffice-Pauschale gibt es nicht nur als Arbeitnehmer, sondern auch für jeden Unternehmer. Diese pauschalen Betriebsausgaben müssen Sie nicht nachweisen und sie sind auch ohne häusliches Arbeitszimmer abziehbar.

10. Homeoffice-Pauschale II: Zusatzkosten abziehbar

Neben der Homeoffice-Pauschale sind als Betriebsausgaben Telefonkosten abziehbar, die für betriebliche Telefonate vom privaten Anschluss an­fallen. Ohne Aufzeichnungen dürften monatlich 20 Prozent der Telefonrechnung, maximal 20 Euro, absetzbar sein. Auch für Arbeitsmittel im Homeoffice (Schreibtisch, Bürostuhl, Laptop oder Regal) kommt ein Betriebsausgabenabzug in Frage.

11. Homeoffice-Pauschale III: Mehrfach absetzbar?

Arbeiteten im Jahr 2020 mehrere Familienangehörige gleichzeitig zu Hause im Homeoffice, steht die Homeoffice-Pauschale von bis zu 600 Euro im Jahr jedem Familienmitglied einzeln zu.

Beispiel: Ehefrau ist Handwerkerin, Ehemann Angestellter und die beiden Kinder arbeiten als Angestellte, leben aber noch zu Hause. Folge: Die Ehefrau kann bis zu 600 Euro vom Gewinn abziehen, der Ehemann und die beiden Kinder tragen die Homeoffice-Pauschale jeweils als Werbungskosten in ihre Anlage N zur Einkommensteuererklärung ein.

12. Ehegatten-Gehalt abziehen

Haben Sie wegen der Corona-Krise erstmals Ihren Ehepartner im Handwerksbetrieb angestellt, weil dieser bei den Arbeitszeiten sehr flexibel war und weil so viel wie möglich der erzielten Betriebseinnahmen 2020 in der Familie bleiben sollen? Dann müssen Sie entweder bei Abgabe der Steuererklärungen 2020 oder bei einer später stattfinden Betriebsprüfung des Finanzamts mit strengen Überprüfungen rechnen.

Wichtig deshalb: Schließen Sie dieses Arbeitsverhältnis steuerlich wasserdicht ab. Das bedeutet: schriftlicher Arbeitsvertrag, fremdübliches Gehalt, pünktliche Zahlung des Gehalts und Aufzeichnungen, welche Arbeiten der Ehepartner erledigt hat.

13. Keine Umsatzsteuer für Sachspenden

Bei der Gewinnermittlung 2020 steht auch die Erstellung der Umsatzsteuererklärung 2020 auf dem Plan. Konnten Sie wegen des Lockdowns Saisonware nicht verkaufen, sondern haben sie gemeinnützigen Organisationen gespendet, winken steuerliche Erleichterungen. Denn normalerweise verlangt das Finanzamt bei Sachspenden Umsatzsteuer. Doch wer nachweisen kann, dass er durch Corona nicht unerheblich negativ betroffen war und deshalb gespendet hat, muss keine Umsatzsteuer auf seine ab dem 20. März 2020 geleisteten Sachspenden ans Finanzamt abführen (BMF-Schreiben v. 18.03.2021, Az. III C 2 - S 7109/19/10002 :001).

14. Vorsteuer-Pauschalierung 2020

Ermitteln Sie Ihren Gewinn nach der Einnahmen-Überschussrechnung und Ihr Umsatz 2019 lag nicht über 61.356 Euro, profitieren Sie von der Vorsteuer-Pauschalierung. Das bedeutet: Hatten Sie wegen Corona kaum betriebliche Ausgaben, winkt Ihnen ohne Nachweise und ohne Belege ein pauschaler Vorsteuerabzug ((§§ 69 und 70 Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung und Anlage dazu). Die Höhe des Prozentsatzes für die Vorsteuer-Pauschalierung hängt von der Branche ab, der sie angehören.

Beispiel: Ein Friseur ermittelt für 2020 einen Vorsteuerabzug von nur 1.200 Euro. Seine Umsätze 2019 betrugen 60.000 Euro, sein Umsatz 2020 nur 44.000 Euro. Dem Friseur steht nach §§ 69 und 70 UStDV ein pauschaler Vorsteuerabzug von 1.980 Euro zu (44.000 Euro x 4,5 Prozent).

15. Steuerspielregeln bei Geschenkaufwendungen

Da Unternehmer ihre Geschäftspartner und Kunden wegen der Corona-Krise und der daraus resultierenden Kontaktbeschränkungen häufig nicht zum Essen einladen konnten, wurden 2020 verstärkt Geschenke verteilt. Trotz Corona gibt es bei den Steuerspielregeln zu Geschenkaufwendungen keine Erleichterungen. Abziehbar als Betriebsausgabe sind Geschenke danach im Jahr 2020 nur, wenn die Nettokosten je Jahr und Empfänger nicht über 35 Euro lagen. Ausnahme: Kann der Beschenkte sein Präsent ausschließlich betrieblich einsetzen, dürfen auch höhere Ausgaben vom Gewinn abgezogen werden.

16. Investitionen 2020 verschlafen?

Hat ein Unternehmer von seinem Gewinn 2017 einen Investitionsabzugsbetrag für geplante Investitionen in den Jahren 2018 bis 2020 abgezogen und hat bis Ende 2020 nicht investiert, hätte das steuerlich eigentlich negative Konsequenzen. Das Finanzamt würde in diesem Fall den Steuerbescheid 2017 ändern, den Investitionsabzugsbetrag kippen und Steuern plus Zinsen vom Unternehmer fordern. Doch wegen Corona wurde der Investitionszeitraum um ein Jahr verlängert. Das bedeutet im Klartext: Investieren Sie bis Ende 2021, bleibt der Steuerbescheid 2017 unangetastet.

17. Umsatzsteuer als Betriebsausgabe

Ermitteln Sie Ihren Gewinn nach der Einnahmen-Überschussrechnung, stellen die Umsatzsteuerzahlungen im Jahr der Zahlung eine ge­­winnmindernde Betriebsausgabe dar. Eine Besonderheit ist für die Umsatzsteuerzahlung aus der letzten Umsatzsteuervoranmeldung für 2020 zu beachten, die bis zum 11. Januar 2021 beim Finanzamt anzumelden und zu entrichten war. Diese Zahlung gilt ausnahmsweise als Be­­triebsausgabe 2020. Bestand ein Lastschriftverfahren und die Umsatzsteuer wurde erst am 14. oder 15. Januar 2021 abgebucht, ist das kein Problem. Es bleibt beim Betriebsausgabenabzug, wenn das Konto am 11. Januar 2021 eine ausreichende Deckung ausgewiesen hat.

18. Tatsächlicher Verlustrücktrag auf 2019

Erwarten Sie für 2020 wegen der Corona-Pandemie bei der Gewinnermittlung einen Verlust, sollten Sie die Steuererklärung 2020 so schnell wie möglich einreichen. Denn der Verlust 2020 kann mit Gewinnen 2019 steuersparend verrechnet werden.

19. Pauschaler Verlustrücktrag auf 2019

Sind Sie noch nicht soweit, die Gewinnermittlung für 2020 abzuschließen? Bei einem zu erwartenden Gewinn für 2020 trägt das Finanzamt wenigstens 30 Prozent pauschal als Verlust auf 2019 zurück und fördert mit den Steuererstattungen 2019 Ihre finanzielle Liquidität.

20. Corona-Investitionszuschüsse

Wurden Ihnen wegen Corona bereits im Jahr 2020 staatliche Zuschüsse zu betrieblichen Investitionen gewährt, haben Sie in der Gewinnermittlung 2020 ein Wahlrecht. Sie können die erhaltenen Zuschüsse im Jahr 2020 in voller Höhe als Betriebseinnahmen erfassen und versteuern. Oder Sie kürzen die Anschaffungskosten der Investitionsgegenstände um die staatlichen Zuschüsse und schreiben nur den Restbetrag auf mehrere Jahre verteilt gewinnmindernd ab.

Fazit: Steuertipps gibt es trotz oder gerade wegen der Corona-Pandemie für Unternehmer zur Genüge. Neben dem Gespräch mit dem Steuerberater zur Gewinnermittlung 2020 empfiehlt es sich, hin und wieder einen Blick in die FAQ "Corona" (Steuern) des Bundesfinanzministeriums zu werfen. Dort werden Zweifelsfragen zur Steuererleichterungen wegen Corona näher beleuchtet. Wichtig zu wissen: Diese FAQ werden regelmäßig ergänzt.