Corona und häusliches Arbeitszimmer 10 Tipps: Wie Sie Homeoffice steuerlich absetzen

Da viele Arbeitnehmer während der Corona-Pandemie im Homeoffice arbeiten, wurden die Möglichkeiten, das Arbeiten Zuhause steuerlich abzusetzen, erweitert. Aber auch Arbeitnehmer, die teilweise bei Kunden und teilweise im Homeoffice arbeiten, können Steuern sparen. 10 Tipps, wie Sie Arbeitszimmerkosten steuerlich absetzen können.

Von der Homeoffice-Pauschale profitieren auch Arbeitnehmer, die kein abgeschlossenes Arbeitszimmer, sondern eine Arbeitsecke etwa im Wohnzimmer oder Schlafzimmer nutzen. - © Rymden - stock.adobe.com

Steuertipp 1: Kein Arbeitszimmer: Homeoffice-Pauschale winkt

Die Koalition hat sich Anfang Dezember beim Werbungskostenabzug auf eine Homeoffice-Pauschale geeinigt, die ein Arbeitnehmer (oder ein Unternehmer) geltend machen kann, wenn er die Voraussetzungen für den Abzug von Werbungskosten für ein häusliches Arbeitszimmer nicht erfüllt. Von der Homeoffice-Pauschale profitieren alle, die zu Hause arbeiten und keinen abgeschlossenen Raum nutzen, sondern eine Arbeitsecke im Wohnzimmer oder Schlafzimmer. Profitieren werden wohl auch Arbeitnehmer (oder Unternehmer), die zwar im Betrieb einen anderen Arbeitsplatz haben und diesen trotz der Corona-Krise nutzen könnten.

Die Homeoffice-Pauschale soll 5 Euro für jeden Tag im Homeoffice betragen, maximal jedoch 600 Euro im Jahr. Das Gute an diese Pauschale: Nachweise über Kosten von 5 Euro am Tag müssen nicht erbracht werden. Es muss lediglich nachgewiesen werden, an wie viel Tagen man im Jahr 2020 im Homeoffice gearbeitet hat.

Praxis-Tipp: Es besteht übrigens kein Wahlrecht, ob die Entfernungspauschale für Fahrten zur Arbeit oder die Homeoffice-Pauschale geltend gemacht werden kann. Wer zu Hause gearbeitet hat, darf nur die Homeoffice-Pauschale als Werbungskosten abziehen.

Steuertipp 2: Werbungskosten für Arbeitsmittel neben der Homeoffice-Pauschale

Noch gibt es zwar keinen Gesetzesentwurf zur Einführung der Homeoffice-Pauschale und auch kein Schreiben des Bundesfinanzministeriums. Doch nach der bisherigen Systematik zum häuslichen Arbeitszimmer, müssten die Ausgaben für den Kauf von beruflichen Arbeitsmitteln im Zusammenhang mit der Arbeit im Homeoffice zusätzlich zur Homeoffice-Pauschale als Werbungskosten beziehungsweise Betriebsausgaben abgesetzt werden dürfen.

Beispiel: Eine Arbeitnehmerin arbeitete wegen der Corona-Krise an 160 Tagen zu Hause an einem Schreibtisch im Wohnzimmer. Den Schreibtisch hat sie für 600 Euro gekauft, einen Bürostuhl für 199 Euro und einen absperrbaren Schrank für 220 Euro. Folge: Die Arbeitnehmerin darf zum einen die Homeoffice-Pauschale in Höhe von 600 Euro abziehen (160 Tage x 5 Euro = 800 Euro, maximal aber 600 Euro). Zum anderen darf sie die Ausgaben für die beruflichen Arbeitsmittel in Höhe von 1.019 Euro steuerlich absetzen.

Praxis-Tipp: Die Ausgaben für berufliche Arbeitsmittel sind 2020 immer dann in voller Höhe absetzbar, wenn die Kosten je Arbeitsmittel netto (ohne Umsatzsteuer) nicht mehr als 800 Euro betragen haben. Kostet ein Arbeitsmittel mehr als 800 Euro netto, sind die Kosten verteilt auf mehrere Jahre als Werbungskosten beziehungsweise Betriebsausgaben absetzbar.

>>> Lesetipp: Steuererklärung 2020: 15 Tipps zum Sparen

Steuertipp 3: Auch Unternehmer sollten auf die Homeoffice-Pauschale pochen

Zwar ist in der Presse immer nur die Rede von Arbeitnehmern, die wegen der Corona-Krise 2020 vorwiegend im Homeoffice arbeiteten. Doch aus Gründen der Gleichmäßigkeit der Besteuerung müssten auch Unternehmer von der Homeoffice-Pauschale profitieren.

Praxis-Tipp: Die Deutsche Handwerks Zeitung wird Unternehmer auf dem Laufenden halten, sollten in einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums oder im Jahressteuergesetz 2020 weitere Ausführungen zur Homeoffice-Pauschale aus der Sicht eines Unternehmers gemacht werden.

Steuertipp 4: Werbungskosten beziehungsweise Betriebsausgaben in Höhe von bis zu 1.250 Euro absetzbar

Nutzt ein Arbeitnehmer oder ein Unternehmer zu Hause einen abgeschlossenen Raum, der ausschließlich beruflich genutzt wird, kann er unter bestimmten Voraussetzungen Werbungskosten beziehungsweise Betriebsausgaben in Höhe von bis zu 1.250 Euro geltend machen. Dieser auf 1.250 Euro begrenzte Werbungskostenabzug ist immer dann möglich, wenn

  • ein Arbeitnehmer oder einen Unternehmer bei Kunden vor Ort und im häuslichen Arbeitszimmer arbeitet und keinen weiteren "anderen" Arbeitsplatz hat, an dem er seinen Bürokram erledigen kann.

Wichtig zu wissen: Im Gegensatz zur Homeoffice-Pauschale müssen Unternehmer, die bis zu 1.250 Euro Arbeitszimmerkosten geltend machen möchten, die entstandenen Kosten anhand von Belegen und Aufzeichnungen nachweisen.

Praxis-Tipp: Nutzen Sie zu Hause einen abgeschlossenen Raum, arbeiten zu Hause oder bei Kunden und die Kosten für das Arbeitszimmer liegen unter 600 Euro, sollten Sie beim Werbungskosten- beziehungsweise beim Betriebsausgabenabzug auf die Homeoffice-Pauschale von 600 Euro pochen. Ob das möglich ist, wird ein noch zu erwartendes Schreiben des Bundesfinanzministeriums zur Homeoffice-Pauschale zeigen.

Steuertipp 5: Arbeitsmittel zusätzlich zum 1.250-Euro-Höchstbetrag abziehbar

Können Sie für die Arbeit in Ihrem häuslichen Arbeitszimmer die 1.250 Euro pro Jahr steuersparend geltend machen, ist das noch nicht das Ende des Werbungskosten- beziehungsweise Betriebsausgabenabzugs. Zusätzlich zu diesem abziehbaren Höchstbetrag dürfen Sie auch die Kosten für berufliche Arbeitsmittel im Zusammenhang mit der Nutzung des Arbeitszimmers geltend machen.

Praxis-Tipp: Auch hier gilt: Betragen die Kosten für ein Arbeitsmittel netto nicht mehr als 800 Euro, winkt der Abzug des kompletten Kaufpreises in 2020.

Steuertipp 6: Voller Abzug von Werbungskosten beziehungsweise Betriebsausgaben

Die kompletten Werbungskosten beziehungsweise Betriebsausgaben im Zusammenhang mit einem ausschließlichen beruflich genutzten Raum zu Hause sind abziehbar, wenn das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen und betrieblichen Tätigkeit darstellt.

Steuertipp 7: Besonderheit bei Ehegatten beziehungsweise Partnern einer eingetragenen Lebenspartnerschaft

Seit 2018 gibt es beim Werbungskostenabzug für das häusliche Arbeitszimmer eine Besonderheit. Liegt das Arbeitszimmer im Eigenheim, jeder Ehegatte ist zu 50 Prozent Miteigentümer und nur ein Ehegatte nutzt das Arbeitszimmer, dürfen nur 50 Prozent der grundstücksbezogenen Kosten wie Abschreibung oder Schuldzinsen für das Darlehen in die steuerlich abziehbaren Werbungskosten beziehungsweise Betriebsausgaben einbezogen werden.

Dasselbe gilt, wenn das häusliche Arbeitszimmer in einer gemieteten Immobilie liegt. Hat nur ein Ehegatte den Mietvertrag unterzeichnet und der andere möchte die Kosten für ein Arbeitszimmer absetzen, dürfen die grundstücksorientierten Kosten nicht als Werbungskosten abgezogen werden.

Steuertipp 8: Wie wäre es mit einem außerhäuslichen Arbeitszimmer?

Keine Abzugsbeschränkungen gibt es, wenn ein Arbeitnehmer oder ein Unternehmer ein außerhäusliches Arbeitszimmer anmietet. In diesem Fall sind die kompletten Arbeitszimmerkosten als Werbungskosten beziehungsweise Betriebsausgaben steuersparend absetzbar.

Steuertipp 9: Besondere Aufzeichnungspflicht beachten

Sind Sie Unternehmer kann sich das Finanzamt beim Betriebsausgabenabzug quer stellen, selbst wenn Sie die Voraussetzungen für einen Betriebsausgabenabzug im Zusammenhang mit einem häuslichen Arbeitszimmer erfüllen. Schuld daran kann die fehlerhafte Aufzeichnung der Arbeitszimmerkosten sein. Denn das Finanzamt erwartet nach § 4 Abs. 7 Einkommensteuergesetz (EStG),dass die Arbeitszimmerkosten getrennt von den übrigen Betriebsausgaben aufgezeichnet werden. Wer seine Arbeitszimmerkosten also als sonstige Betriebsausgaben mit anderen betrieblichen Ausgaben verbucht, geht in Punkto Betriebsausgaben für das Arbeitszimmer leer aus.

Steuertipp 10: Fragebogen des Finanzamts und Nachweise

Möchten Sie höhere Arbeitszimmerkosten als die Homeoffice-Pauschale geltend machen, wird Ihnen das Finanzamt einen Fragebogen zuschicken. Anhand Ihrer Antworten kann der Sachbearbeiter festlegen, ob Ihnen der volle Werbungskosten- beziehungsweise Betriebsausgabenabzug zusteht (= Arbeitszimmer = Mittelpunkt), ob Sie den Höchstbetrag von 1.250 Euro abziehen dürfen oder ob Sie komplett leer ausgehen. Wobei "leer ausgehen" nach Einführung der Homeoffice-Pauschale nicht mehr möglich sein dürfte. Ein Abzug von 5 Euro pro Arbeitstag im Homeoffice, maximal 600 Euro pro Jahr, müsste immer drin sein.