Steuerinformationen für Unternehmer 20 aktuelle Steuerinfos für Unternehmer

Hochwasserkatastrophe, Corona-Pandemie, Doppelbesteuerung von Renten – die wichtigsten akuellen Steuerinfos für Unternehmer in der Übersicht.

1. Steuervergünstigungen wegen Hochwasser

Steuerinfos für Unternehmer
Betroffene der aktuellen Hochwasserkatastrophe können eine zinslose Stundung fälliger Steuern bis Ende Oktober zinslos beantragen. - © Reiner Wellmann - stock.adobe.com

Können Sie nachweisen, dass Sie Opfer der Hochwasserkatastrophe wurden, werden Ihnen auf Antrag fällige Steuern bis Ende Oktober zinslos gestundet, Vollstreckungsmaßnahmen des Finanzamts können gestoppt und Sonderabschreibungen für b­eschaffte Ersatzgegenstände beantragt werden. Haken Sie bei Ihrem Finanzamt nach, welche steuerbegünstigten Bestimmungen gelten.

2. Buchhaltungsunterlagen vernichtet

Wurden die Papier-Buchhaltungsunterlagen in den Fluten vernichtet, sollen Sie laut einem Schreiben des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen und für Heimat keine Nachteile haben. Sorgen Sie für Nachweise und informieren Sie zeitnah das Finanzamt, dass Sie Ihren steuerlichen Aufbewahrungspflichten (zum Herunterladen und Abspeichern) wegen des Verlusts der Buchführungsunterlagen nicht nachkommen können.

3. Sachspenden wegen Hochwasser

Normalweise fällt bei Sachspenden aus dem betrieblichen Bereich Umsatzsteuer an. Leisten Sie aus Ihrem Handwerksbetrieb jedoch wegen der aktuellen Hochwasserkatastrophe im Zeitraum vom 15. Juli bis 31. Ok­tober 2021 Sachspenden, fällt ausnahmsweise keine Umsatzsteuer an (BMF-­Schreiben, Az. III C 2 – S 7030/21/ 10008:001). Dokumentieren Sie, aus welchen Gründen Sie an wen welche Gegenstände spenden.

4. Erstattung Sondervorauszahlung

Haben Unternehmer eine Dauerfristverlängerung beim Finanzamt zur Abgabe der Umsatzsteuer-Voranmeldungen beantragt und mussten eine Sondervorauszahlung leisten, kann die Erstattung beantragt werden. Das gilt
für alle Hochwasseropfer (BMF-Schreiben, Az. III C 2 - S 7030/21/10008:001).

5. Anlage Corona-Hilfen stets ein Muss

Die neue Anlage Corona-Hilfen muss jeder Selbstständige mit seinen Steuererklärungen 2020 ans Finanzamt übermitteln. Das gilt auch für die, die gar keinen Anspruch auf Corona-Hilfen haben oder 2020 noch keine staatlichen Hilfen ausbezahlt bekommen haben. Fehlt bei Abgabe der Steuererklärungen 2020 dieses neue Steuerformular, hakt das Finanzamt nach.

6. Neue "FAQ Corona (Steuern)": Impfungen

Das Bundesfinanzministerium hat seine Fragen und Antworten zu steuerlichen Besonderheiten wegen der Corona-Krise am 6. Juli 2021 erneuert (abrufbar unter bundesfinanzministerium.de). Neue wichtige Info: Hatten Sie Aufwendungen für Impfungen für Geschäftspartner oder für deren Angehörigen, dürfen diese Impfaufwendungen in voller Höhe als Betriebsausgaben abgezogen werden. Es bestehen keine Abzugsbeschränkungen.

7. Arbeitszimmer steuerlich tabu

Verkauft ein Arbeitnehmer sein privates Eigenheim, kann er den Gewinn steuerfrei kassieren, wenn er die Immobilie stets zu eigenen Wohnzwecken genutzt hat. Hat er ein Arbeitszimmer genutzt, wollte das Finanzamt bei Verkauf des Eigenheims den auf diesen Raum entfallenden Gewinn versteuern, wenn zwischen Kauf und Verkauf weniger als zehn Jahre liegen (§ 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG). Das ist nun vom Tisch. Der Bundesfinanzhof stellte klar: Trotz Arbeitszimmer gilt die Immobilie zu 100 Prozent als zu Wohnzwecken genutzt (BFH, Az. IX R 27/19).

8. Nichtsteuerlicher Tipp: Zollauktion nutzen

Müssen Sie in Ihren Handwerksbetrieb investieren, haben aber nicht viel Geld zur Verfügung? Dann schauen Sie doch mal bei den Online-Auktionen des Zolls rein. Hier werden von den Finanzämtern gepfändete Gegenstände teilweise mit Abschlägen von bis zu 70 Prozent versteigert.

9. Bilanzierung - nein danke

Wurden Sie vom Finanzamt ab dem 1. Januar 2022 zum Wechsel von der Einnahmen-Überschussrechnung zur Bilanzierung aufgefordert? Dann kann es sein, dass das Finanzamt diese Aufforderung auf Ihren Antrag hin wieder zurückzieht. Bilanzierungspflichtig werden selbstständige Handwerker, wenn die Umsätze der Vorjahre über 600.000 Euro geklettert sind oder wenn der steuerliche Gewinn über 60.000 Euro lag. Bei der Berechnung der Umsatzhöchstgrenze wird neu gerechnet (BMF-Schreiben, Az. IV A 4 – S 0310/19/10001:004). Die Ermittlung richtet sich nun nach § 19 Abs. 3 UStG und kann bedeuten, dass Sie Ihren Gewinn weiterhin nach der Einnahmen-Überschussrechnung ermitteln dürfen.

10. Gehaltsextra Smartphone

Ein beliebtes Gehaltsextra ist die kostenlose Überlassung eines betrieblichen Smartphones an einen Mitarbeiter. Selbst wenn dieser damit zu 100 Prozent privat telefoniert oder surft, ist dieser Vorteil stets steuerfrei nach § 3 Nr. 45 EStG. In einem Fall kaufte der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern deren Smartphones ab, übernahm die Mobilfunkverträge und überließ den Mitarbeitern die Smartphones
zur privaten Nutzung. Hier spricht nichts gegen die ­Steuerfreiheit (FG München, Az.8 K 2655/19).

11. Kosten für Rückholaktion

Saßen Sie im März 2020 wegen Corona im Ausland fest und wurden durch die Rückholaktion Deutschlands außer Land geflogen? Sind Sie auf den Kosten für die Rückholaktion sitzen geblieben, lässt das Finanzamt zumindest bei privaten Urlaubsreisen steuerlich keine außergewöhnliche Belastung zum Abzug zu. Doch was ist, wenn Sie sich zur Kur oder aus beruflichen Gründen im Ausland befunden haben? Dann sollten Sie diese Kosten der Rückholaktion unbedingt steuerlich geltend machen

12. Lohnsteuer und Betriebsveranstaltung

Betragen die Kosten einer Betriebsveranstaltung je Arbeitnehmer mehr als 110 Euro, fällt für den übersteigenden Betrag Lohnsteuer an, der Vorsteuerabzug kippt zu 100 Prozent. Wichtig zu wissen: Darf der Arbeitnehmer eine Begleitperson mitbringen, werden ihm deren Teilnahmekosten zugerechnet. Außerdem sind die Kosten der Betriebsveranstaltung nicht durch die Zahl der eingeladenen Gäste zu teilen, sondern nur durch die Zahl der tatsächlich erschienenen Gäste (BFH, Az. VI R 31/18).

13. Neue Spielregeln zu Bargeldkontrollen

Unternehmer, die aus der EU nach Deutschland einreisen oder von Deutschland ins EU-Ausland, müssen seit 3. Juni 2021 neue Bestimmungen zur Bargeldkontrolle beachten. Der Begriff Barmittel wird nun weiter gefasst (siehe zoll.de). Fällt ein Steuerzahler bei einer Bargeldkontrolle negativ auf, wird in der Regel das Finanzamt informiert. Anschließend wird im Rahmen von Betriebs­prüfungen die Herkunft der Barmittel überprüft.

14. Bewirtungsaufwendungen: Formelle Voraussetzungen

Bewirten Sie Geschäftspartner oder Kunden in einem Restaurant, sind 70 Prozent der Bewirtungsaufwendungen als Betriebsausgabe abziehbar und es werden 100 Prozent der ausgewiesenen Umsatzsteuer als Vorsteuer erstattet. Damit das klappt, müssen Unternehmer formelle Steuerspielregeln beachten. Da es in der Praxis immer wieder Probleme gibt, hat das Bundesfinanzministerium alle Voraussetzungen für die Absetzbarkeit von Bewirtungsrechnungen be­leuchtet (BMF-Schreiben IV C 6 – S 2145/19/10003:003).

15. Doppelbesteuerung von Renten

Nachdem die Klage zur möglichen Doppelbesteuerung von Teilen ihrer Renten beim Bundesfinanzhof gescheitert sind, legten sie beim Bundesverfassungsgericht eine Verfassungsbeschwerde ein (2 BvR 1143/21 und 2 BvR 1140/21). Durch die Einbeziehung der Witwenrente in die Ermittlung der steuerfreien Rente bis zum Lebensende kommt es bei verheirateten Rentnern seltener zu einer Doppelbesteuerung. Das könne aber zu einer Ungleichbehandlung von unverheirateten Paaren führen.

16. Ausfall eines Privatdarlehens

Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass der endgültige Verlust einer privaten Darlehensforderung im Sinn des
§ 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG zu einem steuerlich zu berücksichtigenden Verlust nach § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 EStG führt. Doch es sind zwei Einschränkungen zu beachten: Die Verluste aus dem endgültigen Ausfall einer privaten Darlehensforderung dürfen nur mit anderen positiven Kapitaleinkünften steuersparend verrechnet werden. Verrechenbar sind solche Verluste also mit Zinsen, Dividenden oder mit Gewinnen aus dem Verkauf von Aktien. Können nicht die gesamten Verluste verrechnet werden, darf der Restverlust mit Kapitaleinkünften der Folgejahre verrechnet werden. Eine zweite Einschränkung ist zu beachten, wenn der Verlust der Darlehensforderung nach dem 31. Dezember 2019 eingetreten ist. In diesem Fall dürfen pro Jahr maximal 20.000 Euro des Verlusts mit anderen Kapital­erträgen verrechnet werden.

17. Zahlungen an Scheinfirma

Zahlungen einer GmbH an ein anderes Unternehmen, das als Scheinfirma sogenannte Abdeckrechnungen erstellt, können dem zu versteuernden Einkommen der GmbH als verdeckte Gewinnausschüttung wieder hinzugerechnet werden, wenn die tatsächliche Erbringung der abgerechneten Leistungen nicht nachgewiesen werden kann (FG Münster, Az. 10 K 1556/16).

18. Abzug von Kinderbetreuungskosten

Entstehen für Kinder bis 14 Jahre Betreuungskosten, dürfen diese in Höhe von zwei Dritteln, maximal in Höhe von 4.000 Euro pro Kind und Jahr, als Sonderausgaben abgezogen werden. Das klappt nicht, wenn der Arbeitgeber steuerfreie Zuschüsse zu den Kosten geleistet hat (BFH, Az. III R 30/20).

19. Merkblatt zu Photovoltaikanlage

Für kleine Photovoltaikanlagen und vergleichbare Blockheizkraftwerke im privaten Eigenheim können Steuerzahler einen Antrag auf "fehlende Gewinnerzielungsabsicht" stellen. Im Merkblatt "Liebhabereiwahlrecht bei kleinen Photovoltaikanlagen & Blockheizkraftwerke" unter finanzamt.bayern.de finden Sie die Voraussetzungen.

20. Steuerreform der Europäischen Union

Über die Grenzen hinaus Aufträge anzunehmen, könnte in der Zukunft auch für kleine und mittlere Unternehmen einfacher werden. 130 Staaten haben einen neuen zwei-Säulen-Plan zur Reform der internationalen Steuerregeln zugestimmt.