Beim Marketing spielt die Außendarstellung eine ganz besonders wichtige Rolle. Schließlich zählt oft genug der erste Eindruck. Wer sich dabei auf das Wesentliche konzentriert, punktet auch beim Kundenkontakt.
Frank Muck

Stefan Bless ist Metzgermeister in Stuttgart. Sein Name ist inzwischen untrennbar mit der "Stuggi" verbunden. Die "Stuggi" ist eine Weißwurst, die Bless erfunden und 2011 auf den Markt gebracht hat. Auf dieses Produkt hat er auch seine Außendarstellung ausgerichtet. Bei Metzgerei Bless dreht sich alles um die Stuggi. Ein selbst entworfenes Logo ziert die Werbung auf dem Firmenwagen, einem E-Bike, Werbebannern und Roll-ups.
Auch die Internetseite www.metzgerei-bless.de hat eigene Seiten, in denen sich alles um die Stuggi dreht. Es gibt außerdem eine Smartphone-App, einen Twitter-Account, einen Facebookprofil, Aufkleber, Flyer sowie Merchandising-Produkte wie "Stuggi"-Schuhe, einen Tanga oder einen Bierkrug. Stefan Bless, so scheint’s, hat an alles gedacht. Für Claudia Schimkowski ist Bless’ Außendarstellung vorbildhaft. Die Marketingexpertin kennt die Bedürfnisse von Handwerksunternehmen und betont, dass es wichtig ist, sich auf seine Stärken zu konzentrieren.
"Was kann ich am allerbesten?"
"Handwerksbetriebe sollten sich fragen: Was kann ich am allerbesten", sagt Schimkowski, die selbst eine Agentur für das Marketing kleinerer Untenehmen betreibt. Viele Betriebe meinten sich mit jedweder Art von Dienstleistung auch nach außen hin präsentieren zu müssen. Stefan Bless bewirbt nicht global die Produkte, die jeder von seinem Fleischer kennt, sondern das, was er besonders gut kann oder selbst erdacht hat. Denn Kunden erinnerten eher das Besondere als das, was sie womöglich beim Konkurrenzunternehmen lesen.
Schimkowski rät, sich in Wort und Bild abzugrenzen: "Ein gelungener Auftritt muss unverwechelbar sein." Voraussetzung dafür ist, sich genau zu überlegen, was ein Handwerker anbieten will und kann. Genau darauf solle die Außendarstellung abgestimmt sein. Es nütze nichts, womöglich in ähnlicher Form und mit ähnlichen Inhalten und Angeboten auf dem Firmenwagen dasselbe zu bewerben wie der Konkurrenzbetrieb. Ein stimmiges Bild ergebe sich dann, wenn das Design und die Angebote aufeinander abgestimmt sind. Für den Kunden schaffe das einen Wiedererkennungswert. Neu- und Stammkunden kämen irgendwann quasi von alleine, weil Angebot und Auftritt logisch miteinander verknüpft und somit erinnerbar seien.
Der erste Weg führt immer ins Internet
Umso wichtiger wird die Wierdererkennung und die Unterscheidbarkeit vom Wettbewerb, wenn Kunden wie selbstverständlich über Google nach einem Handwerker suchen. "Kunden suchen ihren Handwerker nicht mehr übers Telefon oder in der Nachbarschaft um die Ecke", sagt Schimkowski. Der erste Weg führe ins Internet. Unverzichtbar sei deshalb die eigene Webseite. In der Hierarchie der wichtigsten Bestandteile einer gelungenen Außendarstellung steht sie für die Expertin an erster Stelle – noch vor dem Firmensitz.
Auch hier ist Bless vorne mit dabei. Auf seiner Webseite bewirbt er neben den wöchentlichen Angeboten eher ungewöhnliche Dinge, wie das Fahrsicherheitstraining seiner Mitarbeiter oder Welt-Vegetarier-Tag und bietet dazu Gemüsefrikadellen an – zubereitet "von unserem Küchenengel Rosetta". So ist Aufmerksamkeit garantiert. Ein solcher Auftritt erfordert natürlich Engagement. Eine Webseite muss fortlaufend aktualisiert werden. Claudia Schimkowski rät deshalb, sich nicht zu verzetteln. Social Media wie Facebook oder Twitter böten zwar weitere gute Möglichkeiten zur Kundenakquise oder Stammkundenpflege, seien jedoch noch pflegeintensiver als eine Webseite. Wer eine tägliche Aktualisierung nicht leisten könne, solle hiervon vorerst die Finger lassen.
Profis können es besser
Ebenfalls "Finger weg!" heißt es vom Selbermachen. Ein Handwerker sollte – änlich wie die Kunden, die seinen Fähigkeiten vertrauen – auf die Professionalität der Gestaltung seines Firmeinmages setzen. Neben der Expertise, die eine Agentur mitbringt, geht es auch um die Schnellligkeit. Ein Konzept hat ein Agenturchef mit dem richtigen Briefing im Zweifel schneller erstellt als der Handwerker selbst. Schimkowski: "Und der Handwerker hat die Hände frei, um Geld zu verdienen."
Stefan Bless hat ein Faible für Marketing und arbeitet dementsprechend auch selbst gerne daran. Der Fleischer tüftelt selbst an seiner Webseite herum. Bless ist bereits so firm im Ungang mit Facebook, dass er sich sein Logo hat über die Facebook-Seite kreieren lassen. Die Silhouette des Stuttgarter Fernsehturms dient im Namen "Stuggi" als T. Zusammen mit diesem optischen Anker und der Verniedlichung des Wortes Stuttgart schafft der Name Identifikation mit dem Produkt. Zudem hat sich Bless die "Stuggi" als Wort-Bild-Marke schützen lassen. Aber das ist dann schon die hohe Schule.
Buchtipp: Marketing-1x1 für Handwerker: Fünf Erfolgsfaktoren für eine gewinnbringende Außenwirkung, Claudia Schimkowski, broschiert, 148 Seiten, 19,80 Euro, ISBN 978-3778307397, Holzmann Medien