Was bringt die neue EnEV 2012? - Umwelt + Energie - deutsche handwerks zeitung

Umwelt + Energie - 12.07.2012

Auflagen könnten Sanierungstempo bremsen

Was bringt die neue EnEV 2012?

Gegen stark verschärfte Auflagen für die Dämmung von Altbauten im Zuge der Novelle der Energieeinsparverordnung regt sich Widerstand. Das könnte das Sanierungstempo bremsen, befürchten nicht nur Handwerker. Doch noch lässt der für das erste Quartal angekündigte Entwurf für die EnEV 2012 auf sich warten. Das kann ein gutes Zeichen sein. - Von Ulrich Steudel

KfW-Bilddatenbank/phototek.net
Immer höhere Anforderungen an die Dämmung von Altbauten sind umstritten.

Die befürchtete Verschärfung gegenüber der derzeit gültigen EnEV 2009 im Bereich der Bestandsbauten wird wohl nicht kommen, wie Äußerungen von Bundesbauminister Peter Ramsauer vermuten lassen. "Es ist extrem wenig Luft nach oben", sagt der Minister in einem Video-Interview. Schon im Frühjahr hatte die Bundesvereinigung der Bauwirtschaft bei der Novellierung der EnEV Augenmaß angemahnt. Auch der Baden-Württembergische Handwerkstag (BWHT) warnt vor strengeren Sanierungsauflagen. "Vielen Eigentümern scheint die Stellschraube bei den Anforderungen an die Dämmung bereits überdreht", fasst der BWHT die Erfahrungen vieler Handwerksunternehmer zusammen. Das führe dazu, dass Bauherren keine Sanierungen mehr anstreben, sondern nur noch ihre Häuser verschönern lassen.

Dämmung stößt an Grenzen

Hinzu kommt, dass die Baugewerke bei der Dämmung schon jetzt an physikalische Grenzen stoßen. Dachdeckermeister Karl-Heinz Schneider aus Weimar kennt das Problem mit der Statik. "Bei Mineralwolle kommen wir an Dämmdicken, die wir nicht mehr aufdübeln können. Dann braucht die Dämmung ein eigenes Standsystem", verweist Schneider auf ein Beispiel aus der Praxis. Die Entwicklungen der Industrie hinken mitunter hinter den Anforderungen der EnEV hinterher.

Als Vorsitzender der Bundesvereinigung Bauwirtschaft steht Schneider trotzdem hinter den ehrgeizigen Zielen des Bundes bezüglich der Energieeffizienz von Gebäuden, die im Jahr 2050 durchweg klimaneutral mit Wärme versorgt werden sollen. Rund 18 Millionen alte Wohngebäude stehen in Deutschland, nur ein gutes Prozent davon ist saniert. Ein unsanierter Altbau verbraucht zwischen 150 bis 250 Kilowattstunden Energie pro Quadratmeter und Jahr – Werte, die um das Vierfache den aktuellen Stand der Technik übersteigen.

Sanierungstempo muss verdoppelt werden

Das Einsparpotenzial ist riesig, das Sanierungstempo dagegen noch viel zu langsam. "Wir müssen das Sanierungstempo verdoppeln oder verdreifachen, wenn wir die Energieeffizienz wie angestrebt steigern wollen", sagt Karl-Heinz Schneider, der statt gesetzlicher Vorgaben lieber mehr Anreize zur Sanierung sehen würde.

Zwar werden die zinsgünstigen Kredite der KfW-Förderprogramme bis 2014 pro Jahr mit 1,5 Milliarden Euro vom Staat gefördert, die steuerliche Förderung der Gebäudesanierung scheitert aber seit Monaten an der Blockade im Bundesrat.

Nicht jeder Bauherr bekommt Kredit

Dabei möchten viele Altbaubesitzer ohne Kredit sanieren. Ein 70-Jähriger, dessen Dach kaputt ist, bekommt gar keinen Kredit mehr. Er würde nur von einer steuerlichen Förderung profitieren. "Wir können ihm zwar vorrechnen, nach wie viel Jahren sich die Kosten für  die energetische Sanierung durch Einsparungen bei der Heizung amortisieren. Aber dieses Argument zieht nur bei jüngeren Menschen. Die Älteren reparieren einfach nur ihr Dach", sagt Karl-Heinz Schneider. Ohne steuerliche Anreize bliebe bei der energetischen Gebäudesanierung viel Einsparpotenzial ungenutzt.

 
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