Im Poststreik ist eine Einigung erreicht. Gerade für mittelständische Betriebe ist das eine gute Nachricht. Sie litten besonders darunter, wenn Pakete und Rechnungen beim Kunden nicht ankamen.
Manuel Endress

Nach vier Wochen Streik haben sich die Deutsche Post und Verdi geeinigt. Verdi konnte sich nur teilweise durchsetzen. Die Paketgesellschaften der Post bleiben ausgegliedert und deren Angestellte schlechter bezahlt als die Mitarbeiter des Mutterkonzerns. Außerdem sieht der Abschluss eine Einmalzahlung in Höhe von 400 Euro zum 1. Oktober sowie Erhöhungen der Entgelte zum 1. Oktober 2016 um 2,0 Prozent und zum 1. Oktober 2017 um weitere 1,7 Prozent vor.
Betriebe mussten schnell reagieren
Besonders betroffen vom Arbeitskampf der Postangestellten waren auch kleinere und mittelständische Betriebe. Weil ihre Waren, Rechnungen und Mahnungen nicht bei den Kunden ankamen, blieben sie entweder auf den Kosten sitzen oder mussten sich schnell umorientieren.
So wie Claus Böbel. Der Metzgermeister betreibt seit 2004 einen Onlineshop für Wurst- und Fleischwaren. Durch den Poststreik war er zu schnellem Handeln gezwungen. "Ich war zu 100 Prozent DHL-Kunde und musste mich nach geeigneten Alternativen umschauen." Vor allem die Organisation war hierbei ein enormer Aufwand. „Man benötigt neue Aufkleber, es gibt andere Abholzeiten und natürlich sind auch die Preise verschieden", sagt Böbel.
Streik kein Haftungsgrund
Schnelle Umorientierung war auch deshalb nötig, da Böbel in seinem Onlineshop umdiewurst.de Lebensmittel verkauft. Diese sollten frisch beim Kunden ankommen. In ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) schließt die Post Streiks als Haftungsgrund aus. "Verderben die Waren streikbedingt, hat der Kunde keinen Anspruch auf Entschädigung", so die Verbraucherzentrale Bayern.
Hier sind die Kunden also auf die Kulanz des Versenders angewiesen. Böbel: "Klappt der erste Zustellversuch nicht oder die Ware hat keine 100-prozentige Qualität, trage ich die vollen Kosten. Schließlich hat der Kunde Vorrang." So handhabt der Metzgermeister das schon immer. Durch den Poststreik hätte es bei rund 6.000 Paketen pro Monat jedoch eine teure Angelegenheit werden können.
Rechnungen per Einschreiben verschicken
Rechnungen und Mahnungen fallen für Claus Böbel nicht allzu stark ins Gewicht. Der Großteil seiner Kunden bezahlt via Online-Diensten. Dennoch sollten Betriebe sich auch hier nach Alternativen Möglichkeiten zur Zustellung umsehen oder immer per Einschreiben mit Rückschein versenden.
Denn: Egal ob Päckchen oder Brief – das Verspätungsrisiko liegt stets beim Versender. Er muss nachweisen, dass sein Schreiben auch tatsächlich angekommen ist. So lange der Kunde keine Rechnung erhalten hat, muss er diese in der Regel auch nicht begleichen oder gar Mahngebühren bezahlen.
Fax statt E-Mail
"Ich habe meine Rechnungen zuletzt per Mail oder Fax verschickt. Da ist man dann auf die Kulanz der Kunden angewiesen, dass diese auch ohne die Originalrechnung aus der Post trotzdem bezahlen", sagt der Metzgermeister.
Bei der Frage Rechnung mailen oder faxen gibt es vom bayerischen Verbraucherschutz eine klare Empfehlung. Ein Fax, das mit Übermittlungsprotokoll versandt wird, hat auch vor Gericht als Zugangsbeweis bestand. Bei Mails sieht es dagegen anders aus.
Nicht jedes Gericht erkennt E-Mails als Beweis an, selbst bei Lese- und Zugangsbestätigung. Diese zeigen nämlich nur, dass der Datensatz als solcher angekommen ist, nicht aber, ob auch der genaue Inhalt so zugestellt wurde.
Post hat an Vertrauen verloren
Ob Rechnungen oder Paketversand, durch den Streik hat die Post bei Unternehmen und Kunden gleichermaßen an Vertrauen verloren. "Wir bekamen zahlreiche Anfragen von Kunden, die unsicher waren, ob sie bei uns während des Streiks etwas bestellen können. So schlug sich der Streik auch auf unseren Umsatz nieder", sagt Claus Böbel und fügt hinzu: "Ich werde ab jetzt beim Versand zweigleisig fahren, um solchen Szenarien in Zukunft vorzubeugen."
In naher Zukunft wird Böbel diesem Szenario nach der Einigung im Poststreik erstmal nicht mehr begegnen. "Jetzt geht wenigstens alles wieder seinen gewohnten Gang", freut sich der Metzgermeister.