Kompostierbare Plastiktüten sind eine glatte Werbelüge. Das wirft die Deutsche Umwelthilfe (DUH) den Handelsketten Aldi und Rewe vor, die ihren Kunden mit Tragetaschen aus Bioplastik ein gutes Gewissen einreden möchten. Die DUH spricht hingegen von Greenwashing und Verbrauchertäuschung.
Recherchen der DUH bei der chemischen Industrie, Plastiktütenher stellern, Handelsunternehmen, Kompostierern und Entsorgern hätten jedoch ergeben, dass die als kompostierbar beworbenen Einkaufstüten zu mehr als zwei Dritteln aus Erdöl herge stellt werden und weder kompostiert noch recycelt werden. Besonders interessant sei, dass sie laut Her stellerangaben überhaupt nicht für die Eigenkompostierung geeignet sind. „Die Wahrheit über biologisch abbaubare Plastiktüten“ beleuchtet die DUH in einem Hintergrundpapier .
In industriellen Kompostierungsanlagen würden sie gemeinsam mit herkömmlichen Plastiktüten als Störstoffe aussortiert, um Plastikre ste im Kompost zu vermeiden. Eine Umfrage unter mehr als 80 deutschen Kompostierungsanlagen habe belegt, dass eine Kompostierung biologisch abbaubarer Kunststoffe – darunter auch die vermeintlich zu 100 Prozent kompostierbaren Tragetaschen von Aldi und Rewe – praktisch nicht stattfindet. „Die gebräuchlichen biologisch abbaubaren Kunststoffe bauen sich viel langsamer als herkömmliche Bioabfälle ab, und führen dadurch zu hohen Störstoffanteilen im Kompost. Auf diese Weise verunreinigter Kompost lässt sich kaum noch vermarkten“, erklärte Herbert Probst, Vorstandsmitglied des Verbandes der Humus- und Erdenwirtschaft Region Nord.
Verrottung dauert Kompostierern zu lange
Zwar sind die Aldi- und Rewe-Tüten nach der Norm DIN EN 13432 biologisch abbaubar. Jedoch offenbare diese bei genauerer Betrachtung eine große Schwäche. Denn nach ihrer Vorgabe müssen die Plastiktüten erst innerhalb von zwölf Wochen unter bestimmten Vorgaben bezüglich Feuchtigkeit, Temperatur und Sauerstoff in industriellen Kompostierungsanlagen zu minde stens 90 Prozent zersetzt sein.
Deutsche Kompostierungsanlagen würden in der Regel mit deutlich kürzeren Verweilzeiten zwischen ein bis acht Wochen arbeiten. Gleichzeitig reicht der nach der DIN Norm EN 13432 auch nach knapp drei Monaten zugelassene Plastikanteil von zehn Prozent im Kompost aus, um dessen Qualität erheblich herabzusetzen. Viele deutsche Kommunen haben deshalb die Entsorgung von Bioplastiktüten und anderen Biokunststoffen über die Biotonne verboten.
DUH: Es gibt keine umweltfreundlichen Einweg-Plastiktüten
Selbst wenn man theoretisch von einem vollständigen biologischen Abbau der Plastiktüten ausgehen würde, ergäbe sich daraus kein ökologischer Nutzen. Das Plastik ließe sich durch den Prozess zwar entsorgen. Jedoch würden keine Nährstoffe freigesetzt und kein Humus aufgebaut.
Die DUH-Bereichsleiterin für Kreislaufwirtschaft Maria Elander kommt deshalb zu dem Schluss: „Das Recycling biologisch abbaubarer Kunststoffmischprodukte, wie die Aldi- und Rewe-Tüten, bleibt in der Realität eine Fantasie.“ Nach Einschätzung der DUH gibt es, unabhängig von den verwendeten Rohstoffen, keine umweltfreundlichen Einweg-Plastiktüten.
Eine gute Plastiktüte ent steht erst gar nicht. Deshalb bieten Mehrwegbeutel und -taschen eine umweltfreundliche Variante. Für nicht vermeidbare Einwegkonzepte fordert die Umweltschutzorganisation recyclingfähige Materialien, ein optimiertes Recyclingverfahren und hohe Anteile an Recyclingmaterialien. ste
