Koalitionsverhandlungen Handwerk: Förderung von Energieeffizienz

Die Koalitionsverhandlungen befinden sich in der Schlussphase. Beim Thema Energiewende sieht das Handwerk allerdings noch viel Verhandlungsbedarf. Noch fehle es an politischen Anreizen bei der Energieeffizienz.

Nach Ansicht des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) komme das Thema Energieeffizienz bei den Beratungen der Großen Koalition zum Thema Energiewende zu kurz. So fordert der Generalsekretär des ZDH, Holger Schwannecke, dass die Energiewende nicht allein zu einer Stromwende schrumpfen darf.

"Die Energiewende muss sich mit geeigneten Anreizen und Förderung zur nachhaltigen Effizienzwende wandeln", sagt Schwannecke. Denn zügige Maßnahmen beim Ausbau der Erneuerbaren Energien und ein nachhaltiges Strommarktdesign seien nur eine Seite der Energiewende, verstärkte Anstrengungen für mehr Energieeffizienz vor allem im Gebäudebereich die andere Seite.

Einführung von Kapazitätsmarkt

Auch die Deutsche Energie-Agentur (dena) warnt davor, die Bedeutung der Versorgungssicherheit in der Energiewende zu unterschätzen. Dies gelte auch für die Politik. "Die bisherigen Pläne der Koalitionsparteien, die Einführung eines Marktes für gesicherte Kraftwerksleistung lediglich prüfen zu lassen, greifen noch zu kurz", betont Stephan Kohler, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung.

Laut der dena werde nicht genügend in fossile Kraftwerke investiert. Vorhandene Kapazitäten würden nicht ausreichen, um die Energiewende bezahlbar, sicher und nachhaltig zu realisieren. Durch das Abschalten der Atomkraftwerke bis 2022 bestehe laut dena ein akuter Bedarf an neuen, effizienten Gas- und Kohlekraftwerken, insbesondere im Süden, weil dort rund zwei Drittel der gesicherten Leistung stillgelegt werden.

Damit die Versorgungssicherheit gewährleistet werden kann, plädiert die dena für einen Kapazitätsmarkt, der über europaweite Ausschreibungen die kostengünstigste Leistung ermittelt. Die Ausschreibung dafür solle technologieoffen sein. Dennoch sollen Obergrenzen für die CO2-Emissionen von Kraftwerken festgelegt werden.

Handwerk mehr in den Fokus rücken

Nach Ansicht des ZDH gehöre das Handwerk beim Thema Energieeffizienz besonders in den Focus der Politik. Durch Maßnahmen in den eigenen Betrieben sowie durch kompetente Beratung könne das Handwerk maßgeblich zur Hebung der vorhandenen Effizienzpotenziale beitragen. Die politische Vorgabe, den Gebäudebestand bis 2050 klimaneutral zu gestalten, könne laut ZDH nur eingehalten werden, wenn der Weg dorthin nicht durch Überbürokratisierung verstopft wird. Die Kunden benötigen mehr Transparenz über qualifizierte Gebäudeenergieberater.

Handwerkliches Fachwissen benötigt

Die Energieeffizienz-Expertenliste würde hierbei eine wichtige Rolle spielen. Nach Ansicht des ZDH sei nicht nachvollziehbar, dass Energieberater des Handwerks weiterhin von dieser Liste und auch von bestimmten Beratungsprogrammen des Bundes ausgeschlossen sind. Ihr handwerkliches Fachwissen würde dringend benötigt. Das gelte gerade für Handwerksmeisterinnen und -meister, die in einem Handwerksbetrieb beschäftigt sind oder diesen leiten. Wenn künstlich hochgeschraubte Qualifikationsanforderungen diese hoch qualifizierten Fachleute ausschließen, würde das der Energiewende eher schaden als nützen.

Auch das Handwerk müsse in Zukunft den sich rasant entwickelnden Energiedienstleistungsmarkt maßgeblich mitgestalten. Damit der Marktzugang auch weiterhin gewährleistet bleibt und das Handwerk seine Kompetenz ungehindert entfalten kann, sei ein passfähiger ordnungsrechtlicher und ordnungspolitischer Rahmen notwendig. Dazu gehören nicht zuletzt neue Finanzierungsformen und anwenderfreundliche Musterverträge, die das Thema Contracting auch im Bereich kleiner und mittlerer Unternehmen weiter voranbringen. dhz