Häuser aus Holz Fest gefügt mit Holz in Holz

Rolf Rombach baut Häuser mit einer selbst erfundenen Holzschraube. Auf Leim und Metall kann er damit gut und vor allem gern verzichten.

Frank Muck

Ausgetüftelt: Für die Produktion der Schrauben und die Verschraubung der "Nur-Holz"-Elemente musste Rombach eigens zwei neue Maschinentypen entwickeln. - © Foto: Rombach

Als Rolf Rombach aus dem badischen Oberharmersbach sich vor vier Jahren daran begab, eine Holzschraube zu erfinden, ging es ihm darum, nun endlich einmal ein "gescheites Haus" bauen zu können. Die am Markt gängigen Holzhäuser seien auf Leim zur Verbindung der Elemente angewiesen. Rolf Rombach wollte das nicht. Rombach wollte eines ohne Spanplatten und ohne "das ganze Klebezeugs". Denn er weiß: "Verleimtes Holz hält nun mal nicht so lang."

Vorn dabei: Rolf Rombach sieht Fortschritt als Entwicklung neuer Techniken sowie im Einsatz regionaler und ökologischer Roh­stoffe. - © Foto: Frank Muck

Heute bietet der Zimmermeister als Systemanbieter seine so genannten "Nur-Holz-Elemente" an – ohne Leim und bis hin zur Schraube nur aus Holz. Alle Elemente sind aus Massivholz, Nadelholz für Wände und Decken sowie Hartholz für die Schrauben. Rombach kann damit Wandelemente bis zu einer Größe von elf mal 3,20 Meter und einer Dicke von 12 bis 36 Zentimeter produzieren.

Auch im Ausland sind die Häuser gefragt

Für seine Erfindung, die er zum Patent angemeldet hat, hat er im vergangenen Jahr diverse Preise bekommen, unter anderem den Innovationspreis der Volks- und Raiffeisenbanken und den Preis für das Handwerksunternehmen des Jahres der Handwerkskammer Freiburg.

Doch das Unternehmen hatte mit der Holzschraube und den "Nur-Holz-Elementen" nicht nur eine von allen Seiten hochgelobte exotische Erfindung, sondern auch einen regelrechten Verkaufsschlager. Mit der "Nur-Holz-Produktion" habe sich der Umsatz seit dem Jahr 2009 jährlich verdoppelt, freut sich Rombach. In den vier zurückliegenden Jahren hat er 250 Häuser ausgeliefert. Für 2014 allein sind schon 120 Häuser beauftragt. Mehr als 30 Partnerbetriebe vertreiben das "Nur-Holz"-Haus und bauen es vor Ort bei den Kunden auf. Die Montage größerer Projekte übernimmt Rombach zum Teil selbst.

Begrüntes Beispiel: Ein „Nur-Holz“-Musterhaus, wie es die Firma Bouwpuur aus den Niederlanden anbietet. - © Foto: Rombach

Auch im Ausland sind die Häuser gefragt. In Italien, Holland, der Schweiz, Norwegen und sogar Japan wächst die Nachfrage. 20 seiner insgesamt 60 Mitarbeiter sind inzwischen mit der "Nur-Holz"-Fertigung beschäftigt. Insgesamt wächst der Markt für ökologisches Bauen. Ein reines Öko-Haus, das auf Metallschrauben und Nägel verzichten kann und damit auch für Allergiker nochmal interessanter ist, gab es jedoch vorher nicht.

"Ich wollte endlich ein Haus ohne das ganze 'Klebezeugs'."

Bis das erste "Nur-Holz-Objekt" möglich war, hat es anderthalb Jahre Entwicklungszeit und rund drei Millionen Euro Investitionen gebraucht. Schließlich war nicht klar, wie die Schraube aussehen musste. Der Sinn einer Schraube im Gegensatz zum bisher schon genutzten Holzdübel liegt in der Festigkeit. Bei gedübelten Holzteilen besteht die Gefahr, dass Holzelemente sich gegeneinander verschieben oder auseinanderrücken. Die Schraube gewährleistet einen festen Halt durch die Verzahnung. Wenn hier was kaputtgeht, dann nur weil die Verzahnung bricht. Doch da müssten schon tonnenschwere Belastungen auf die Schrauben drücken, sagt Rombach.

Seite 2: Am Ende der Tüftelei standen zwei neue Maschinentypen.>>>

Ein paar Schraubenmodelle hat es letztlich gebraucht, bis die nun gültige Version entwickelt war. Zuerst war das Gewinde zu groß und dann wieder nicht tief genug. Dann tauchte die Frage auf, wie die Schraube in ein Gewinde eindrehen und wie das Gewinde selbst in die Holzelemente geschnitten werden kann.

Hohe Festigkeit: die Holzschraube. - © Foto: Frank Muck

Am Ende sprangen zwei neue Maschinen dabei heraus: die Woodscrew SK 450, die die Holzschrauben aus den Buchenholzrohlingen dreht, und ein Automat, der Holzschrauben in die Wandelemente einschraubt. Wie das produktionstechnisch nun ganz genau funktioniert, verrät Rolf Rombach natürlich nicht. Seinen Vorsprung auf dem Markt will der 45-Jährige nicht verlieren – auch wenn seine Erfindung durch ein Patent geschützt ist.

Andere Sparten profitieren von Rombachs Bekanntheit

Seine Freude am Werkstoff bekam Rombach bereits mit in die Wiege gelegt. Die Zimmerei gründete sein Großvater Ende 1934. Er selbst konnte den Betrieb 1998 von seinem Vater übernehmen. Die einzelnen Sparten mit Kantholzzuschnitt, klassischem Holzbau, Dach- und Fassadensanierung wurden seitdem ausgebaut und profitieren zusätzlich von der Bekanntheit, die das Unternehmen Rombach durch die Holzschraube inzwischen erfährt.

Im März 2012 wurde die neue 120 Meter lange und 30 Meter breite Produktionshalle für die "Nur-Holz"-Teile in Betrieb genommen. Gegenüber ist schon die nächste Halle im Bau. Alle bisher ausgelagerten Betriebsteile sollen in Oberharmersbach an einem Ort zusammengelegt werden.

Für dieses und nächstes Jahr ist angesichts solcher großen Projekte auch ein wenig Konsolidierung angesagt. Die Umsatzzuwächse prognostiziert Rombach für dieses und kommendes Jahr auf "nur" 50 Prozent. Der Firmenchef ist aber zuversichtlich, dass die Nachfrage nach Holzbau nicht nachlassen wird. Ideen habe man schließlich genug. Für 2016 müsse man auch über eine Lizenzproduktion nachdenken. Rombach: "Die Schraube kann noch viel."

Holzbau in Deutschland

Mit Holz zu bauen ist seit Mitte der 80er Jahre für viele Menschen überhaupt erst wieder eine Option. Damals wurde der Holzrahmenbaukatalog veröffentlicht. Mit diesem Konstruktionskatalog sollten Zimmerer wieder in die Lage versetzt werden, komplette Häuser zu zimmern. Hintergrund war eine politische Initiative zum kostengünstigen Wohnungsbau. Der Bund Deutscher Zimmermeister sah die Gefahr, dass berufsfremde Kreise zum Beispiel mit dem Import billiger Holzrahmen-Häuser aus Kanada den Markt erobern. Der Holzrahmenbaukatalog gelte heute als Initialzündung für die Verbreitung dieser Bauart, so der Verband.

Die absolute Zahl der Wohngebäude in Holzbauweise fällt zwar seit 1998, der Anteil der Holzhäuser an den Wohngebäuden insgesamt steigt dagegen langsam, aber stetig an. Im Jahr 2011 lag er bei 15,2 Prozent. Der Anteil der Gewerbebauten aus Holz stieg dagegen auch in absoluten Zahlen, war im Jahr 2011 jedoch wieder etwas rückläufig. Die Quote lag im Jahr 2011 bei 18,1 Prozent.

Heutige Holzhäuser werden aus scheibenförmigen Elementen gebaut, im Gegensatz zu früher meist stabförmigen Elementen für Fachwerkhäuser und andere skelettartige Bauweisen. Die Holzteile können heutzutage durch technische Verfahren in Formate gebracht werden, die von Natur aus nicht existieren. Diese Produkte besitzen, so Holzbau Deutschland, wesentlich bessere technologische und statische Eigenschaften als Vollholz. Beispiele sind hier Brettschichtholz, das schon zum ausgehenden 19. Jahrhundert erfunden wurde, Langspanholz und OSB-Flachpressplatten.

Ein großer Vorteil gegenüber Beton und Ziegel sind die guten Wärmedämmeigenschaften von Holz. Weil die Dämmung auch immer innerhalb der tragenden Wand abläuft, ergeben sich geringere Wandstärken als bei anderen Bauweisen. Beliebt seien heutzutage, so der Verband, Mischbauweisen, die Holz mit mineralischen und metallischen Baumaterialien kombinieren, um die Stärken der jeweiligen Baustoffe auszunutzen.