"Neue Netze für neue Energien" lautet das Motto des neuen Netzentwicklungsplans, der nun für alle Interessierten öffentlich zugänglich ist. Mit dem Ausbau der Stromnetze soll die Energiewende endlich an Fahrt gewinnen. Experten erwarten dennoch Proteste und Klagen der Bürger.

Obwohl die Energiewende in der Bevölkerung großen Zuspruch findet und der Ausbau der Stromnetze als Kernprojekt gilt, um den Umstieg auf die erneuerbaren Energien voranzutreiben, werden schon kurz nach Veröffentlichung des neuen Netzentwicklungsplans kritische Stimmen laut. Die Betreiberfirmen erwarten Klagen aus der Bevölkerung und von Bürgerinitiativen, da die geplanten Stromtrassen auch über Wohn- und Naherholungsgebiete führen.
Aufruf zum Mitmachen
Schon gestern überreichte die Bundesnetzagentur Kanzlerin Merkel den Bericht. Stolz, dass die nächsten Schritte in Sachen Energiewende nun konkret feststehen, nahm sie den Entwurf entgegen und wie darauf hin, dass nun der Ausstieg aus der Kernenergie bis 2022 gesichert sei.
Innerhalb dieses Zeitraums sollen 3.800 Kilometer neue Leitungen gebaut und rund 4.000 Kilometer vorhandener Trassen aufgerüstet werden. Die Gesamtkosten dafür belaufen sich auf rund 20 Milliarden Euro. Damit sei eine "solide Planungsbasis für die Bundesnetzagentur und den Gesetzgeber" geschaffen, sagte der Geschäftsführer des Netzbetreibers Tennet, Martin Fuchs bei der Vorstellung des Berichts.
Ohne doppelten Boden
Doch noch sind die Baumaßnahmen nur Pläne auf dem Papier. Bis zum 10. Juli bleibt der Entwicklungsplan ein Entwurf, den jeder öffentlich einsehen und mögliche Einwände äußern kann. Der Bericht steht seit heute unter netzentwicklungsplan.de bereit. Ziel der Netzbetreiber ist es, größtmögliche Transparenz zu schaffen und damit eine Akzeptanz in der Bevölkerung zu erreichen, teilte der Geschäftsführer von Transnet BW, Rainer Joswig, mit. "Wir haben ein Netz, aber keinen doppelten Boden", sagte Klaus Kleinekorte, Mitglied der Geschäftsführung von Amprion.
Die Betreiberfirmen rechnen also noch nicht damit, dass die Diskussion um den Netzausbau jetzt beendet ist. Im Internet laden sie deshalb die Bürger zur Beteiligung ein. "Wir werden nicht verhindern können, dass sich Bürgerinitiativen gegen solche Projekte wenden werden", sagte Joswig zu den aktuellen Erwartungen. Die Betreiber könnten nur versuchen, "bestmöglich aufzuklären". dapd/jtw