Kleine Betriebe und Privatverbraucher werden die Kosten für die Energiewende im kommenden Jahr deutlich stärker zu spüren bekommen. Die EEG-Umlage für die Förderung der erneuerbaren Energien steigt 2013 auf 5,277 Cent pro Kilowattstunde und damit fast um die Hälfte mehr als noch in diesem Jahr. Großverbraucher müssen jedoch weiterhin weniger zahlen. Eine Liste zeigt, welche Unternehmen davon profitieren.

Was lange angekündigt war, steht nun fest: Die EEG-Umlage steigt im kommenden Jahr vom heute 3,59 auf knapp 5,3 Cent pro Kilowattstunde. Das teilten die vier Betreiber der deutschen Stromübertragungsnetze mit und verwiesen darauf, dass insgesamt ein Umlagebetrag von 20,36 Milliarden Euro nötig sei, um die Einspeisevergütung für Ökostrom zu bezahlen. Darin enthalten ist auch ein Nachholbetrag für die vergangenen zwölf Monate von knapp 2,6 Milliarden Euro.
Nach Angaben der Netzbetreiber steigt damit der Strompreis für einen Durchschnittshaushalt um rund 60 Euro pro Jahr. Zusätzlich müssen aber auch diejenigen Betriebe mehr als Energiekosten einkalkulieren, die nicht von den Ausnahmeregelungen von der EEG-Umlage profitieren. Ausgenommen von den Anstiegen bleiben vor allem energieintensive Industriebetriebe, das Handwerk muss dagegen mit erheblich höheren Kosten rechnen.
Ausnahmeregeln für Strompreisanstieg verantwortlich
In diesem Jahr profitieren bundesweit 734 Firmen beziehungsweise Firmenteile von den Sonderregelungen. Zum Schutz ihrer Wettbewerbsfähigkeit müssen sie lediglich einen Anteil an der sogenannten EEG-Umlage zahlen, der je nach Verbrauch zwischen einem und zehn Prozent liegt. Nach Angaben des Öko-Instituts sind die Ausnahmeregelungen für 17 Prozent des Strompreisanstiegs zwischen 2003 und 2013 verantwortlich, was 1,2 Cent pro Kilowattstunde entspricht.
Berechnungen von Greenpeace zufolge beteiligt sich die Industrie derzeit nur zu 0,3 Prozent an den Kosten der Förderung der erneuerbaren Energien. Aber sie habe einen Anteil von 18 Prozent am Stromverbrauch. Da von den Vergünstigungen aber nicht nur Großunternehmen profitieren, die auf den Export angewiesen sind, fordern sowohl die Grünen als auch einige Verbände, die Sonderregeln zu begrenzen. Eine Liste des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, zeigt dass auch viele Firmen davon profitieren, die gar nicht im Ausland tätig sind wie Futtermittelhersteller oder Firmen aus dem Bergbau.
Nach Angabe der Netzbetreiber sind für den Anstieg der EEG-Umlage im kommenden Jahr zwei Faktoren hauptsächlich verantwortlich:
• Mehr Einspeisevergütung muss ausbezahlt werden, da 2013 deutlich mehr Anlagen Strom aus erneuerbaren Energien produzieren und laut dem Netzbetreiber Tennet gleichzeitig geringere Vermarktungserlöse je Megawattstunde prognostiziert werden. Das gelte insbesondere im Bereich Wind, Photovoltaik und Biomasse. Im Vergleich zur Umlage 2012 führt dies zu einer Erhöhung um knapp 0,35 Cent pro Kilowattstunde bei der Photovoltaik, 0,30 Cent pro Kilowattstunde bei der Windenergie und knapp 0,25 Cent pro Kilowattstunde bei Biomasse.
• Da der Ausbau der erneuerbaren Energien schneller vorangegangen ist als geplant, ist eine Differenz zwischen den im Vorjahr prognostizierten und den tatsächlichen Einnahmen und Ausgaben entstanden, die nun ausgeglichen werden muss. Diese Unterdeckung des sogenannten EEG-Kontos betrug zum 30. September 2012 knapp 2,6 Milliarden Euro und wurde bei der Kalkulation der Umlage für 2013 insgesamt mit umgerechnet knapp 0,7 Cent pro Kilowattstunde berücksichtigt.
EEG muss reformiert werden
Durch die steigende EEG-Umlage wird die Forderung nach einer Reform des dazugehörigen Gesetzes immer lauter. Da die Strompreise dadurch stark ansteigen, schwindet nach einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens Emnid auch die Überzeugung der Deutschen, dass der Atomausstieg gelingt. Wie der "Spiegel" berichtet, ist es für 77 Prozent der Wähler sehr wichtig, dass die Stromkosten bezahlbar bleiben. Nur 53 Prozent legen dagegen Wert darauf, dass der Atomausstieg gelingt. Die Energiewende wird also voraussichtlich eines der bestimmenden Themen im Bundestagswahlkampf.
Bundesumweltminister Peter Altmaier hatte schon in der vergangenen Woche seinen Reformvorschlag für das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) vorgelegt. Um die Kosten der Energiewende zu deckeln, hatte er angekündigt, den Ausbau der erneuerbaren Energien bis 2020 auf bis zu 40 Prozent des Strommix begrenzen zu wollen. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler und die FDP wollen dagegen die Stromsteuer senken, um die Verbraucher zu entlasten.
Uneins sind sich beide aber nicht nur über die Inhalte der nötigen Reform, sondern auch über den Zeitpunkt des Inkrafttretens. Rösler sprach sich für Sofortmaßnahmen zur Senkung der Strompreise aus, Altmaier möchte noch abwarten und die Pläne genau prüfen. Eine Steuersenkung lehnt er komplett ab. jtw
Wie die Ausnahmen von der EEG-Umlage genau aussehen, erfahren Sie hier.
Welche deutschen Unternehmen momentan von den Sonderregeln profitieren, lesen Sie in der offiziellen Liste des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle .