Sattlermeister Albrecht Mönch fertigt in Loßburg im Schwarzwald Pferdegeschirre nach Maß. In reiner Handarbeit entstehen Kunstwerke von höchster Präzision und nobler Eleganz.
Achim Schneyder

Nein, ein Maßband verwendet Albrecht Mönch beim Kopf nicht. "Davor scheuen die meisten Pferde", sagt er und legt stattdessen einen einfachen Strick an. Von Maulspalte zu Maulspalte über das Genick. "Gute Fahrzäume sollten sitzen wie gute Lederschuhe, bevor ein Pferd vor einen Wagen gespannt wird – und das Leder muss äußerst geschmeidig sein und darf nirgendwo drücken."
Deshalb gilt sein größtes Augenmerk nicht nur dem Geschirr allgemein, sondern speziell dem Kopfgestell mit seinem Zubehör wie Scheuklappen oder Nasenriemen. Für Albrecht Mönch ist das seit fast 25 Jahren eine Selbstverständlichkeit, auch wenn er sich seinen Kindheitstraum erst mit Verspätung erfüllen konnte. "Ich wollte immer Sattler werden, aber dieses Handwerk war damals nahezu ausgestorben und es fand sich im Umkreis weit und breit kein Lehrbetrieb. Also lernte ich Zimmermann."
Kunden kommen inzwischen aus aller Welt
Aber auch der Zimmermann war stets besessen von seinem ursprünglichen Berufswunsch, widmete sich in seiner Freizeit fortwährend der Geschirrmacherei und gründete schließlich 1989 auf dem elterlichen Hof in Loßburg im Schwarzwald einen Betrieb, bevor er neuerlich eine Meisterprüfung ablegte. Diesmal als Sattler. "Mit dem Ziel, nur hochwertige Geschirre herzustellen – und ausschließlich in Handarbeit."
Diese produziert Mönch inzwischen in einem neuen, weit größeren Betriebsgebäude, denn eines Tages florierte das Geschäft derart, dass Expandieren unumgänglich war. "Wir beliefern inzwischen Gestüte in aller Welt. Sogar der Sultan von Oman hat Galageschirre bei uns in Auftrag gegeben. Denn so detailverliebt, so präzise und so ursprünglich wie wir arbeitet heute kaum noch ein Sattler", erzählt der Pferdeliebhaber und greift zum Halbmond, einem geschwungenen Messer, mit dem er das Leder entlang einer vorgezeichneten Linie schneidet.
"Egal ob sogenannte Kumt- oder Brustblattgeschirre, all unsere Wagengeschirre werden aus rein pflanzlich gegerbtem Rindsleder aus Deutschland, der Schweiz und Österreich erschaffen", sagt der Sattlermeister. Dass beim Gerbvorgang keine Chemikalien verwendet werden, ist insofern wichtig, als damit die Hautverträglichkeit garantiert ist. "Und das Leder ist ganz allgemein dann am besten, wenn die Kuh schon acht bis neun Kälber geboren hat", erklärt Albrecht Mönch.
Jedes Geschirr ein Unikat
Die lichtdurchflutete Werkstatt, in der meist an die zehn Mitarbeiter beschäftigt sind, darunter auch Mönchs Tochter Julia, die sich als einzige von vier Geschwistern der Sattlerei verschrieben hat, wirkt ungemein aufgeräumt. Alles und jeder hat seinen Platz, irgendwo dudelt leise ein Radio, es riecht nach Leder, und der Chef packt selbst mit an. "Es muss familiär zugehen und jeder muss sich mit dem Produkt identifizieren. Nur dann ist ehrliche Arbeit garantiert", sagt der Firmengründer, der quasi im Nebenberuf auch noch Schwere Warmblüter züchtet und längst als Pionier im Bereich der optimierten Passform gilt.
"Nur ein korrekt sitzendes Geschirr bewahrt die Pferde vor zu frühem Verschleiß", sagt er. Wenn alles passt, wird auch den unterschiedlichsten Krankheiten oder Verletzungen des Pferdes vorgebeugt. Zerrungen beispielsweise oder Schäden an Gelenken und Bändern oder wundgeriebenen Stellen. Nicht zu vergessen Blutzirkulationsstörungen oder Atmungsbehinderungen.
Deshalb gibt es bei den Mönchs eben keine Ware von der Stange, sondern ausschließlich Produkte nach Maß. Im Idealfall vermisst der Chef die Pferde selbst. Wenn das aus Gründen der Distanz aber nicht möglich ist, bekommt der Kunde von ihm genaueste Anweisungen, was er wie zu tun hat. "So ist jedes Geschirr, das unseren Betrieb verlässt, ein Unikat wie der elegante Maßanzug vom Maßschneider."
Roggenstroh und Rosshaar für den Kern
Mönchs Geschirre werden auch heute noch mit einem Kern aus Roggenstroh und einem Polster aus Winterrehhaar und Rosshaar gefertigt. "Das Roggenstroh", erklärt Tochter Julia, "muss zu einem bestimmten Zeitpunkt vor seiner Reife geerntet und dann so getrocknet werden, dass es seine maximale Festigkeit behält. Und Stroh verwenden wir deshalb, weil sich das Stroh durch die Körperwärme des Tieres anatomisch perfekt anpasst."
Natürlich gibt es Hersteller, die die sogenannten Leibe der Geschirre ausschäumen, aber im Hause Mönch macht man das nicht. "Wir sind der Tradition verpflichtet", sagt Julia. Und das Abpolstern des Strohkerns mit Rehhaar hat den großen Vorteil, dass Rehhaar durch seinen hohen Gehalt an Talg wasserabweisend ist. So kommt der Schweiß zwar durch das Leder, dringt aber nicht bis zum Strohkern, und das beugt Fäulnis vor.
Aus Liebe zu den Pferden das Handwerk neu belebt
Ein gutes Geschirr, versichern die Mönchs, habe demnach eine Lebensdauer von hundert Jahren und mehr. All das hat freilich seinen Preis. Beginnend mit gut 3.000 Euro sind nach oben hin keine Grenzen gesetzt. Wobei schon in nur einem Geschirr – und da in seiner einfachsten Ausführung – weit mehr als 50 Arbeitsstunden stecken. "Weil wir selbst Teile, die man mit der Maschine nähen könnte, aus Qualitätsgründen mit der Hand nähen."
Dass die Geschirre zum Teil mit historischen Beschlägen, geprägten Kastenschlaufen und Monogrammen versehen sind, versteht sich von selbst. "Wir haben für unsere Beschläge verschiedene Gussmodelle, die wir auswärts gießen lassen und dann bei uns schleifen, verlöten und polieren, ehe sie auch noch vergoldet oder versilbert werden", erzählt Mönch. Stark im Verschleiß stehende Teile werden hingegen aus Edelstahl gefertigt.
"Grundsätzlich ist es so, dass das Design schon elegant und möglichst feingliedrig sein soll, sich aber stets der Funktion unterordnen muss", erklärt Albrecht Mönch, der auch mehrere klassische Kutschen besitzt. Aus Liebe zu Pferden und zum Gespannfahren hat er das alte Handwerk neu belebt und zur Kunst erhoben. "Mich erfüllt jedes fertige Geschirr mit aufrichtiger und großer Freude", sagt der Sattlermeister. Und die Pferde danken es ihm, indem sie sich in seinem Geschirr wohlfühlen. Weltweit.
Informationen unter moench-geschirre.de.