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Virtuelles Erbe Digitaler Nachlass: was passiert mit persönlichen Profilen nach dem Tod?

Was geschieht mit meinem virtuellen Ich nach meinem Tod? Vorab zu regeln, wer das digitale Erbe verwalten soll, wird immer wichtiger. Bestatter stehen mit Tipps zur Seite.

Unser Alltag ist digital, ständig sind wir "online" und mit zahlreichen Konten im Internet angemeldet. Wenn ein Mensch stirbt hinterlässt er also nicht nur seine Erbstücke, sondern auch einen Berg voller Daten im Netz.

Bestatter als Ratgeber bei wichtigen Fragen

Der digitale Nachlass ist für die Hinterbliebenen nicht einfach zu regeln. "Es ist ein sehr  wichtiges Thema. Jedoch gibt es einige Dinge zu beachten", sagt Oliver Wirthmann vom Bundesverband Deutscher Bestatter.

Um die Verwaltung von Profilen und E-Mail-Postfächern zu unterstützen, sind Bestatter inzwischen wichtige Ansprechpartner.  "Unsere Aufgabe ist es, die Angehörigen darüber aufzuklären welche Möglichkeiten es gibt, die Konten und Daten des Verstorbenen im Netz zu verwalten oder zu löschen", sagt Christian Streidt, Präsident des Bundesverbands der Bestatter.

Spezielles Verfahren für digitale Nachlassverwaltung

Um den Hinterbliebenen bei der schwierigen Verwaltung helfen zu können, haben die Bestatter-Landesinnungen eine Kooperation mit der Firma Columba geschlossen. Streidt: "Columba hat ein spezielles Verfahren entwickelt, dass die Nachlassverwaltung im Internet ermöglicht."

Zunächst können die Daten des Verstorbenen bei Columba hinterlegt werden. In regelmäßigen Abständen gleichen Unternehmen dann die Daten ihrer Nutzer mit den Eintragungen bei Columba ab. Erkennt das System eine Übereinstimmung erhält das Unternehmen eine Nachricht über das Ableben der Person. "Anschließend nehmen die Firmen mit Columba Kontakt auf und melden, dass der Verstorbene dort einen Account hatte. Dann kann das weitere Vorgehen mit den Angehörigen abgestimmt werden", erläutert Streidt.

Wie wichtig eine ausführliche Beratung der Angehörigen ist, zeigt ein Blick auf die Regelungen einzelner Online-Anbieter wie Facebook, Google oder Yahoo. Denn: Einen einfachen Zugriff auf die Konten für die Hinterbliebenen gewähren nur die wenigsten.

Was geschieht mit dem digitalen Nachlass?

Das sollten Sie beachten.

Im Jahr 2065 mehr Tote als lebende Personen bei Facebook

Bei Facebook wird mit dem Nachweis der Geburts- und Sterbeurkunde des Verstorbenen sowie des Erbscheins, das Profil in den Gedenkzustand versetzt. Unmittelbare Familienangehörige können auch die Löschung des Accounts beantragen. Direkten Zugriff auf das Profil erhalten die Hinterbliebenen jedoch nicht. Laut einer Studie der Website "what if?" könnte es bei Facebook bereits ab dem Jahr 2065 mehr Accounts von Toten als von lebenden Personen geben.

Google führt Kontoinaktivitätsmanager ein

Google hat für den Umgang mit Online- Konten Verstorbener einen so genannten Kontoinaktivitätsmanager eingerichtet. Hier kann der Nutzer bis zu zehn Personen benennen, die über die Inaktivität benachrichtigt werden sollen. Der Nutzer kann festlegen, wer auf welche Daten Zugriff haben darf oder ob das Konto komplett mit allen Inhalten automatisch gelöscht werden soll. Hat der Verstorbene keinen Kontoinaktivitätsmanager eingerichtet, müssen sich Hinterbliebene direkt an Google wenden.

E-Mails fallen unter das Briefgeheimnis

"Äußerst kompliziert ist es bei E-Mail-Konten. Diese fallen unter das Briefgeheimnis", sagt Bestatter Streidt. Bei E-Mail-Postfächern, wie beispielsweise Yahoo, wird in der Regel der Zugriff auf das Konto verweigert. Durch Vorlage der Sterbeurkunde können Erben den Account lediglich löschen lassen.

Digitalen Nachlass verwalten

Um den Familienangehörigen die Organisation und Verwaltung zu erleichtern, ist es sinnvoll sich bereits vorab um den digitalen Nachlass zu kümmern und Passwörter sowie Anweisungen für den Umgang mit den Online-Konten anzulegen.

Digitalen Nachlassverwalter bestimmen

Zum einen sollte eine Liste mit allen relevanten Passwörtern und Benutzerkonten an einem sicheren Ort deponiert werden. "Wir empfehlen hier oftmals einen Notar", so Streidt. Zum anderen sollte eine Vollmacht für die Personen ausgestellt werden, die Zugang zu den Accounts bekommen sollen. Wichtig: Diese Vollmacht muss ausdrücklich auch über den Tod hinaus gültig sein.

Außerdem ist es sinnvoll, in der Vollmacht genau festzulegen, was mit Endgeräten, wie Smartphone, Laptop oder Tablet und den darauf gespeicherten Daten geschehen soll. "In seiner Vollmacht einen digitalen Nachlassverwalter zu bestimmen und detailliert festzulegen, wer Zugriff auf die Sachen bekommt, ist unerlässlich, sonst sind einige Daten womöglich für immer verloren. Denken sie nur mal an eine Cloud", erklärt der Bestatter.

Als Cloud wird das Speichern von Daten in einem entfernten Rechenzentrum bezeichnet. Die Daten sind also nicht auf dem lokalen Arbeitsplatzcomputer gesichert, sondern entfernt in der metaphorischen Wolke, auf Englisch Cloud.

Kampagne zur Aufklärung

Um die Menschen darin zu bestärken sich rechtzeitig um ihren digitalen Nachlass zu kümmern, hat der Bundesverband der Verbraucherzentralen eine Kampagne gestartet. Unter machts-gut.de hilft ein Fragebogen, die wichtigsten Fragen rund um den digitalen Nachlass zu klären.

Das sollten Sie bei Ihrem digitalen Nachlass beachten:

  • Fertigen Sie eine Übersicht aller Accounts mit Benutzernamen und Kennwörtern an.
  • Speichern Sie die Übersicht auf einem Kennwort geschützten USB-Stick, den Sie an einem sicheren Ort deponieren. Beispielsweise in einem Tresor, beim Notar oder in einem Bankschließfach.
  • Bestimmen Sie eine Person Ihres Vertrauens zu Ihrem digitalen Nachlassverwalter.
  • Legen Sie in einer Vollmacht fest, wer sich um ihr digitales Erbe kümmern soll.
  • Regeln Sie in der Vollmacht detailliert, wie mit Ihrem digitalen Nachlass umgegangen werden soll. Bestimmen Sie ebenfalls, was mit Ihren Endgeräten (Computer, Smartphone, Tablet) geschehen soll.
  • Die Vollmacht muss handschriftlich verfasst und mit einem Datum versehen sein. Wichtig: sie muss unterschrieben und "über den Tod hinaus" gültig sein.
  • Teilen Sie Ihrer Vertrauensperson mit, wo Sie die Zugangsdaten zu Ihren Accounts findet.
  • Denken Sie daran, die Auflistung Ihrer Accounts immer aktuell zu halten.

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