Beerdigung zu teuer Sozialbestattungen: Wenn die Toten nicht begraben werden

Sozialbestattungen in Deutschland nehmen immer mehr zu. Der traurige Trend bringt für die Bestatter-Branche massive Probleme mit sich. Sie beklagen lange Prüfverfahren der öffentlichen Hand und bleiben oft auf ihren Kosten sitzen. Allerdings gibt es Alternativen.

Christoph Ledder

Särge mit Toten, die nicht begraben werden können. Viele Menschen können sich die Bestattungen ihrer Angehörigen nicht mehr leisten. Die Kommunen helfen, doch bis die Anträge geprüft sind, werden die Verstorbenen nicht beigesetzt. - © Foto: Kzenon/fotolia

Das Sprichwort "Umsonst ist nur der Tod" geht einem schon mal schnell über die Lippen. Doch das stimmt nicht so ganz. Eine würdevolle und angemessene Bestattung kann nach Art der Beisetzung bis zu mehrere tausend Euro kosten. Doch nicht jeder kann sich das leisten. Hartz-IV- und Sozialhilfeempfänger , die nicht das Geld für eine Beerdigung ihrer Hinterbliebenen haben, können sich an ihre Kommune wenden. Nach eingehender Prüfung des Falls können diese den Trauernden einen Zuschuss zu den Bestattungskosten gewähren.

Außenstände im fünfstelligen Bereich

Solche Sozialbestattungen nehmen in Deutschland seit Streichung des Sterbegeldes im Jahr 2004 immer mehr zu. "Etwa acht bis zehn Prozent aller Bestattungen sind Sozialbestattungen", erläutert Rolf Lichtner vom Bundesverband Deutscher Bestatter. In den Ballungszentren und sozial schwachen Bundesländern kann es laut Verband durchaus Abweichungen nach oben geben. Doch für die Bestattungsunternehmen fangen die Probleme damit erst richtig an. Sie müssen zunächst mit sämtlichen Kosten in Vorleistung gehen. Ralf Michal kann davon ein Lied singen.

Mit seinem Bestattungsunternehmen in Schweinfurt hat er zwar keine Existenzängste, doch die steigende Zahl der so genannten Sozialbestattungen macht auch ihm zu schaffen. "Derzeit habe ich Außenstände im fünfstelligen Bereich", sagt der Unternehmer. Laut § 74 SGB XII müssen die Sozialämter für Bestattungen bei bedürftigen Hinterbliebenen aufkommen. Die Bearbeitungszeit wird aber nicht festgelegt.

Bestatter schicken Auftraggeber weg

Teils warten Michal und seine Kollegen bis zu dreizehn Monate auf ihr Geld. So lange kann nämlich die Bearbeitungszeit dauern. Die Toten können währenddessen nicht beerdigt werden. Wird der Verstorbene eingeäschert, bleiben die Urnen mit der Asche im Regal der Bestattungsunternehmen. "Die Situation zwischen den Kommunen und den Bestattern ist sehr angespannt", so Lichtner. Ralf Michal beklagt noch einen weiteren Zustand.

Auch wenn die Sozialträger zahlen, werden mit den Leistungen nicht annähernd die Kosten des  Bestattungsunternehmens gedeckt. Eine Beerdigung kostet mindestens 1.400 Euro. Sollte das Sozialamt keinen Zuschuss gewähren, würde er auf den Kosten sitzen bleiben.

Hinzu kommt die Gefahr eines Imageschadens für die Bestatter. Schnell ist von Geschäftemacherei die Rede. Doch Michal muss auch Aufträge ablehnen, wenn sich herausstellt, dass die Auftraggeber nicht zahlen können. Die Branche fordert deshalb schnellere Prüfverfahren von den zuständigen Kostenträgern. In einigen Kommunen werden bereits Vorschüsse wenige Tage nach Antragstellung gezahlt. Erst danach wird geprüft. Sollten die Mittel für die Beerdigung doch vorhanden sein, muss der Betrag zurückgezahlt werden.

Das regelt § 74 SGB XII

Das Zwölfte Sozialgesetzbuch (SGB XII) enthält keine Vorleistungspflicht des Trägers der Sozialhilfe, damit die Bestattung fristgerecht erfolgen kann. § 74 SGB XII regelt lediglich, dass die erforderlichen Kosten einer Bestattung übernommen werden, soweit dem hierzu Verpflichteten nicht zugemutet werden kann, die Kosten zu tragen. Die Einhaltung der in Ländern vorgegebenen Bestattungsfristen obliegt den Ordnungsbehörden und nicht den Trägern der Sozialhilfe. Nach Auskunft der Länder tritt das Problem der verzögerten Prüfung allerdings nur in Einzelfällen auf.

Darüber hinaus ist nicht der Träger der Sozialhilfe, sondern der jeweils Bestattungspflichtige zur Zahlung der Bestattungskosten verpflichtet und Ansprechpartner für den Bestattungsunternehmer. Die Träger der Sozialhilfe prüfen lediglich, ob die Voraussetzungen für eine Übernahme der Bestattungskosten vorliegen.