Neue Bestattungstrends Den letzten Abgang individuell gestalten

Ob im Wald, auf der Wiese oder auf hoher See - Neue Bestattungstrends lassen viele Bestattungsunternehmen umdenken. Auch die Konkurrenz in der Branche ist härter geworden. Billiganbieter werben mit Bestattungen zu Dumping-Preisen. Ein würdevoller Umgang mit den Toten scheint allerdings nicht gegeben zu sein.

Christoph Ledder

Naturbestattungen im Wald oder auf einer Wiese liegen im Trend. Die Friedhofskultur in Deutschland ist im Wandel. Vorsicht ist allerdings bei Discount-Bestattern geboten. - © Foto: Kzenon/fotolia

Die Friedhofskultur in Deutschland verändert sich. Längst behagen große Friedhöfe mit teils wuchtigen Grabsteinen bei weitem nicht mehr jedem. Das klassische Friedhofsbild wird sich in den kommenden Jahren verändern. Grund dafür sind einerseits die vermehrt unterschiedlichen Religionen und Kulturen in Deutschland, andererseits die Bandbreite ästhetischer Stile sowie die finanziellen Möglichkeiten der Hinterbliebenen.

Erd- und Feuerbestattung sind die zwei Hauptbestattungsarten. "Unterschiedlich sind die Arten der Beisetzung, wie beispielsweise Naturbestattungen oder auch Bestattungen auf See", erläutert Rolf Lichtner, Sprecher des Bundesverbands Deutscher Bestatter.

Bestattungstrends sind Geschäftsideen

Nur noch rund 45 Prozent der 860.000 Verstorbenen im Jahr 2012 waren Erdbestattungen. Der Rest waren Feuerbestattungen. "Generell geht der Trend zur Feuerbestattung, womit neue Möglichkeiten der Beisetzung in Urnengräbern, Grabeskirchen oder Waldstücken gegeben sind", sagt Lichtner.

Allerdings bleibt man im Wald nicht unerkannt. "Nutzer sollten wissen, dass anonyme Bestattungen im Wald nicht möglich sind. Der Name des Verstorbenen oder eine ihm zugehörige Nummer wird auf den Baum geschrieben", erläutert Lichtner. Wer anonym bleiben möchte, kann sich auf einem Gemeinschaftsfeld eines Friedhofes bestatten lassen.

"Um See- oder Waldbestattungen durchzuführen, müsse man vorher eingeäschert werden", so Lichtner. Mit dem Wort "Bestattungstrends" ist er vorsichtig. "Ein Trend hat nichts zu tun mit einer Richtung, die alle einschlagen. Es sind lediglich Geschäftsideen von Bestattern, die bei Nutzern gut ankommen", erklärt Lichtner. Neben dem Trend zur Feuerbestattung ist zu beobachten, dass Menschen die Grabpflege in fremde Hände abgeben.

Angebote von Billigbestattern

Konjunkturprobleme schienen für Bestattungsunternehmen immer in weiter Ferne zu sein. In den vergangenen Jahren sind allerdings immer mehr Discount-Unternehmen auf dem Markt erschienen. Diese bieten Bestattungen in einem Gesamtpaket meistens unter 1.000 Euro an. Bestattungen bei Unternehmen können schon mal mehrere tausend Euro kosten.

Auch wenn Discount-Bestatter ihre Leistungen zu einem sehr günstigen Preis anbieten, sollten bei der Entscheidung einige Dingte berücksichtigt werden. "In den Angeboten von beispielsweise 500 oder 600 Euro sind zusätzliche Kosten, wie beispielsweise Friedhofsgebühren oder die Kosten für die Traueranzeige nicht enthalten", so Lichtner.

Bei Discount-Bestattern bestimme außerdem der Preis das Ziel. Zeitdruck und Logistik würden zusätzlich den Umgang mit den Toten beeinflussen. Der würdevolle Umgang mit den Verstorbenen scheint bei Discount-Anbietern nicht gewährleistet zu sein. Auch seien Sammeltransporte bei Discountern nicht unüblich. Wer dennoch einen Billigbestatter beauftragen möchte, sollte deshalb immer auf’s Kleingedruckte achten, Vergleichsangebote einholen und bei Vertragsabschluss Zeugen hinzuziehen.

Bestattungen im Netz

Mit mehr als 1 Million Suchanfragen bei Google ist die Bestattungsbranche längst im Internet angekommen. Portale wie bestattungen.de oder billigbestattungen.com informieren Nutzer über sämtliche Bestattungskosten und geben ihnen die Möglichkeit, Preise von Bestattern online zu vergleichen.

Darüber hinaus werden vom Steinmetz- und Bildhauerhandwerk Grabsteine mit QR-Code angeboten. Mit Hilfe des QR-Scanners des Smartphones gelangen Nutzer zu einer individuell gestalteten Trauerseite im Internet. Bislang gibt es noch wenige Bestattungsinstitute in Deutschland, die diese Leistungen mit dem QR-Code anbieten.

Auch Friedhöfe bekommen Probleme

Mit den neuen Bestattungstrends steigen allerdings auch die Friedhofsgebühren. Je mehr Urnengräber es gibt, desto mehr freie Fläche ist auf dem Friedhof vorhanden. "Um diese entsprechend zu unterhalten, muss das nötige Kleingeld her", sagt Lichtner. Die Kosten werden auf die Nutzer umgelegt. Somit steigen die Friedhofsgebühren wegen fehlender Nichtauslastung an.