Sonnenenergie Solarindustrie: Mehr Schatten als Licht

Der Boom ist vorbei, die erfolgsverwöhnte Solarbranche droht zum Verlierer der Energiewende zu werden. Fast alle Hersteller legen rote Zahlen vor. Für das Handwerk ist dieser Markt aber weiter lukrativ.

In den vergangenen Jahren wurde fleißg installiert. Doch die Anzahl an Zubauten sinkt nun. - © Marina Lohrbach (Fotolia)

EU-Energiekommissar Günther Oettinger gibt offenbar nicht mehr viel auf die deutsche Solarindustrie. Die Branche ist seiner Meinung nach am Ende ihres Wachstums angekommen. Man könne froh sein, wenn die Arbeitsplätze überhaupt gehalten werden könnten. Mehr sei nicht drin nach Jahren extremen Branchenbooms.

Die Industrie bläst in der Tat Trübsal. Kurz vor Weihnachten sind mit dem Berliner Solarkonzern Solon und der Erlanger Solar Millennium gleich zwei große Branchenplayer spektakulär Pleite gegangen. Und diese Insolvenzen seien nur der Anfang eines unausweichlichen Konsolidierungsprozesses, der noch mehr Opfer fordern wird, wie Marktbeobachter befürchten.

Überall rote Zahlen

Denn anderen Herstellern erging es zuletzt ebenfalls schlecht. Ein Blick auf die letzten Quartalszahlen: Mit Solarworld war im dritten Quartal auch das letzte Glanzlicht der Sonnenindustrie vom Preisverfall erfasst worden – netto minus neun Millionen Euro Verlust. Die Jahresprognose musste gestutzt werden, die Zahlen von 2010 werden nicht mehr erreicht.

Auch bei Q-Cells, einem Zellen- und Modulhersteller aus dem sachsen-anhaltinischen Thalheim, fielen die Quartalszahlen deutlich schlechter aus als gedacht. Im dritten Quartal fielen fast 50 Millionen Euro Nettoverlust an, 250 Mitarbeiter müssen das Haus verlassen.

Die Liste krisengeschüttelter Solarfirmen ließe sich mühelos verlängern. Fast alle schreiben rote Zahlen, fast alle müssen Stellen abbauen, fast alle sind an der Börse abgeschmiert.

Preisverfall und Unsicherheit

Die Probleme der Industrie sind bekannt und waren vorhersehbar:

Erstens: Ein rascher Preisverfall für Solarmodule hat den deutschen Firmen in diesem Jahr das Leben schwer gemacht. Die relativ simplen Produkte können in China billiger gebaut werden, die hiesigen Wettbewerber sprechen von Dumpingpreisen. "Die Chinesen haben einen Industriekrieg begonnen", sagte Solarworld-Chef Frank Asbeck kürzlich der Zeitschrift "Capital".

Zweitens: In Deutschland sinkt die Solarförderung weiter - zum 1. Januar 2012 um weitere 15 Prozent. Das kann die Nachfrage drücken. "Die Aussichten der Hersteller für das kommende Jahr sind keineswegs sonnig, da zum Auftakt eine Kürzung der Einspeisevergütung ansteht", wie "Börse Online" schreibt.

Drittens. Die Lager der Solarhersteller sind zum Bersten voll. Die Überkapazitäten betragen mehr als 100 Prozent. 2011 hat es Produktionskapazitäten für Solarmodule im Volumen von 50 Gigawatt gegeben. Benötigt wurden aber nur 20 Gigawatt.

Hohe Subventionen, geringer Ausstoß

Die Photovoltaik hat auch in der Öffentlichkeit ein anderes Bild bekommen. Nach Jahren mit eitel Sonnenschein sind Solardächer für manche mittlerweile Synonym für drastische Strompreiserhöhungen. Denn durch die EEG-Umlage muss jeder Bürger mitzahlen. "Das Image ist angeschlagen, wenngleich Umfragen von Branchenverbänden und Meinungsforschungsinstituten etwas anderes vermitteln", wie die Fachzeitschrift "Photovoltaik" im Frühjahr schrieb.

Auch die Politik hat die Sonnenenergie 2011 aufs Korn genommen. Der Beitrag zur Versorgungssicherheit in Deutschland sei, so das oft zu hörende Argument aus Berlin und Brüssel, mit nur rund drei Prozent Anteil am Strombedarf als vernachlässigbar einzustufen. Hoffnungsträger der Zukunft ist vielmehr die Offshore-Windkraft, liest man die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) genau.

Die Koalition diskutiert derzeit, künftig nur noch Neubauten von Solaranlagen bis zu 1000 Megawatt zu fördern. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) ist dafür, Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) offenbar dagegen. Zum Vergleich: 2011 gehen voraussichtlich Anlagen mit einer Leistung von 6500 Megawatt ans Netz.

SPD-Vizefraktionschef Ulrich Kelber warnt nun vor dem "Zusammenbruch einer Zukunftsbranche in Deutschland". Die Bundesregierung schaue dabei tatenlos zu.

Handwerk ohne Grund zur Klage

Das zuständige Handwerk im Solarbereich - SHK, Elektriker, Dachdecker - kann sich indes nicht über mangelnde Arbeit beklagen. Im Gegenteil: Die Aufträge zur Installation sind auch für 2011 ansehnlich.

Zwar werden die Installationen von neuen Anlagen laut dem Bundesverband Solarwirtschaft in den kommenden Jahren abnehmen. Doch nimmt dafür nun das Wartungsgeschäft der vielen bestehenden Anlagen zu. Und zudem wird damit begonnen, die alten Anlagen der ersten Generation langsam auszutauschen - denn die sind teils schon 20 Jahre auf dem Dach.