Unternehmensführung -

Fördermittel finden Der lange Weg zur Inklusion

Je älter der Mensch, desto höher ist sein Risiko, durch eine Krankheit oder einen Unfall dauerhafte Schäden davonzutragen. Trotz der Beeinträchtigung können und wollen viele weiterarbeiten. Was Chefs in diesem Fall wissen sollten.

Wolfgang Müller war 58, als er erfuhr, dass er an Parkinson leidet. Vierzig Jahre lang hatte der Monteur zur Zufriedenheit der Kunden gearbeitet, schnell, fleißig, absolut zuverlässig, der beste Mitarbeiter im Betrieb.

Dann, vor vier Jahren, ließen seine Leistungen nach, seine Bewegungen wurden immer langsamer und ungenauer. Die Kunden beschwerten sich bei WWS, einem Fachbetrieb für Sanitär und Heizung in Marktoberdorf im Ostallgäu. Weder Müller noch sein Chef konnten sich erklären, was da passierte. "Insofern war die Diagnose fast eine Erleichterung. Endlich wussten wir, was los war“, erinnert sich Peter Klöck, Geschäftsführer von WWS.

Mehr als jeder Achte betroffen

Wie Wolfgang Müller geht es tausenden Menschen in Deutschland. Nur vier Prozent aller Schwerbehinderten leiden an einer angeborenen Beeinträchtung. Für die Mehrzahl der rund 7,5 Millionen Betroffenen ist die Behinderung Folge einer Krankheit oder eines Unfalls. Je älter der Mensch, desto höher sein Risiko für eine Behinderung – und desto höher die Wahrscheinlichkeit, Einschnitte im Berufsleben zu erleiden. Mehr als jeder achte Bürger ist betroffen.

Doch ein Schwerbehindertenausweis bedeutet nicht, dass der Mensch nicht mehr arbeiten kann oder will. "Mir ist meine Zeit zu schade, um daheim rumzusitzen“, befand Wolfgang Müller und sein Chef setzte alles daran, dem langjährigen Mitarbeiter einen passenden Arbeitsplatz einzurichten.

Zunächst reichte es, Abläufe zu ändern, Teams zu bilden. "Aber es war klar, dass die Arbeit draußen auf der Baustelle für die Zukunft nicht der richtige Weg war“, sagt Peter Klöck. Er schlug vor, Müller zur Lagerfachkraft umschulen zu lassen – doch im Grunde konnte sich der 16-Mann-Betrieb keinen Lageristen leisten.

Fördermittel sind da, aber schwer zu bekommen

Auf der Suche nach Fördermöglichkeiten hörte Klöck immer wieder, es gebe keine Zuschüsse. Schließlich fand der 33-Jährige bei der Handwerkskammer für Schwaben in Claudia Bröll-Ostler eine Mitstreiterin, die all ihre Erfahrung als Inklusionsberaterin einsetzte: "Leider wissen viele Betriebe nicht, dass es Fördermittel gibt. Selbst wenn man die Fördertöpfe kennt, ist die Antragstellung nicht einfach. Nur in der intensiven Zusammenarbeit mit den Fördergebern geht es“, sagt sie.

Letztlich finanzierte die Deutsche Rentenversicherung Müllers Umschulung zum Lagerfachwirt beim Kolping Bildungswerk in Kaufbeuren; das Integrationsamt übernahm rund die Hälfte der Kosten, die die Einrichtung des neuen Lagerarbeitsplatzes verursachte; die Agentur für Arbeit zahlt einen Zuschuss zu den Lohnkosten. Mit dieser Lösung ist Peter Klöck sehr zufrieden. "Wir haben Wolfgangs Stelle nie von der Förderung abhängig gemacht. Aber es hilft ungemein.“

Heute leistet Müller trotz seiner Schwerstbehinderung wertvolle Arbeit. Im Betrieb ist er ein von Chef und Kollegen geschätzter Experte – aber an seinen schwächeren Tagen geht er ohne schlechtes Gewissen nach Hause. Für Klöck steht fest: "Es wäre doch schlimm, wenn so wertvolle Mitarbeiter nicht mehr am Arbeitsleben teilnehmen könnten.“

Morbus Parkinson

Morbus Parkinson ist eine nicht heilbare, fortschreitende neurologische Erkrankung. Im Gehirn fehlt der Botenstoff Dopamin, was sich durch Bewegungsstörungen zeigt, aber auch andere Begleitsymptome mit sich bringt.

Weiterführende Informationen

Arbeitgeber von schwerbehinderten Menschen können, abhängig vom Einzelfall, Förderleistungen nutzen, beispielsweise von den Integrationsämtern, den Agenturen für Arbeit, der Rentenversicherung oder der Krankenversicherung. Allerdings müssen die Anträge vor Beginn der Maßnahme gestellt werden.

Die Handwerkskammer Erfurt hat umfangreiches Material zum Thema Inklusion zusammengetragen. In der Broschüre "Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderung" finden Betriebe eine übersichtliche Zusammenfassung darüber, wann sie sich um Fördermittel bemühen können und welche Stellen dafür die richtigen Ansprechpartner sind.

Bei Rehadat finden Arbeitgeber spezielle Informationen, welche Leistungen sie beanspruchen können.

Auch der betroffene Mitarbeiter selbst kann Fördermittel beanspruchen, wovon beide Seiten profitieren.

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