Während der Ausbildung -

Rechte und Pflichten von Azubis Was dürfen Azubis im Betrieb?

Darf ich im Betrieb Piercings tragen? Muss ich das Auto vom Chef waschen? Und darf ich während der Arbeitszeit Radio hören? Die Liste der Rechte und Pflichten für Azubis ist lang. Wir klären, was wirklich zum Aufgabengebiet des Azubis gehört.

Raus der Schule und rein in die Arbeitswelt – Mit der Unterzeichnung des Ausbildungsvertrages beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Viele Jugendliche werden mit bisher unbekannten Vorschriften konfrontiert . Um einen guten Eindruck beim Chef zu hinterlassen, arbeiten viele länger oder erledigen kleine Extras. Doch was muss ein Azubi wirklich tun und wann fordert der Chef zu viel? Wir klären, welche Rechte und Pflichten ein Azubi hat. Und nicht nur der: Auch der Ausbilder muss sich an seine Rechte und Pflichten halten.

Ausbilder sollte Rechte und Pflichten klar kommunizieren

Sowohl für den Lehrling als auch für den Ausbildungsbetrieb bestehen während der Ausbildung bestimmte Verpflichtungen. Vor allem der Ausbilder sollte seinen Azubi bereits am Anfang über dessen Rechte und Pflichten aufklären. "Ausbildungsbetriebe sollten ihren Auszubildenden von Anfang an ganz klar sagen, was sie von ihnen erwarten", rät Michael Scheiffele, Ausbildungsberater der Handwerkskammer Ulm. Für die Qualität der Ausbildung sei es unerlässlich, dass der Auszubildende weiß, was seine Rechte und Pflichten sind. "Das, was dem Ausbilder am allerwichtigsten ist, muss er am Anfang sagen, und zwar ganz konkret."

Die AGBs der Ausbildung

Am besten sei laut Scheiffele ein betrieblicher Fahrplan für die Ausbildung, an dem sich beide Seiten orientieren können. "Das sind quasi die AGB der Ausbildung. Je ehrlicher man hier ist, desto besser", sagt Scheiffele. Grundlagen für die Rechte und Pflichten im Ausbildungsverhältnis sind das Berufsbildungsgesetz, das Arbeitsrecht und der Berufsausbildungsvertrag.

Welche Pflichten hat ein Azubi?

"Die Auszubildenden müssen ihre Pflichten einhalten, das reicht von der Lernpflicht bis hin zur Geheimhaltungsvereinbarung", sagt Scheiffele. "Es darf zum Beispiel nicht sein, dass ein Auszubildender über Betriebsinterna spricht oder davon erzählt, wie es beim Kunden XY zu Hause im Schlafzimmer aussieht." Sollte der Azubi seine Pflichten in der Probezeit mehrmals verletzen, so kann es schnell sein, dass er in der Probezeit ohne Angabe von Gründen gekündigt wird. Die wesentlichen Pflichten eines Azubis haben wir hier zusammengefasst.

Wesentliche Pflichten des Auszubildenden

  • Pflicht zum Erwerb der beruflichen Handlungsfähigkeit, um das Ausbildungsziel zu erreichen
  • Pflicht zur sorgfältigen Ausführung der aufgetragenen Aufgaben im Rahmen der Berufsausbildung
  • Teilnahmepflicht am Berufsschulunterricht, an Prüfungen sowie an angeordneten Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte, für die der Azubi freigestellt ist
  • Beachtung der Betriebsordnung in der Ausbildungsstätte
  • Pflegliche Behandlung der Werkzeuge, Maschinen und anderer Einrichtungen
  • Befolgung der Aufträge weisungsbefugter Personen
  • Stillschweigen über Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse wahren
  • Sorgfältiges Führen des Berichtshefts beziehungsweise der Ausbildungsnachweise
  • Benachrichtigungspflicht beim Fernbleiben von der betrieblichen Ausbildung oder vom Berufsschulunterricht unter Angabe von Gründen
  • Teilnahme an den ärztlichen Pflichtuntersuchungen nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz

Quelle: Die Handwerker-Fibel, Band 4, ISBN 978-3-7783-0856-1, holzmann-medienshop.de

Was dürfen Azubis?

Was für Rechte hat ein Azubi?

Zu den Pflichten eines Azubis gehört unter anderem, dass er seine Ausbildung und die ihm aufgetragenen Arbeiten gewissenhaft und sorgfältig erledigt. Im Gegenzug dafür hat er auch Rechte. Doch welche genau sind das?

Recht auf einen Arbeitsvertrag

Auszubildende haben Anspruch auf einen Vertrag, in dem genau festgelegt ist, was sie lernen und welche Tätigkeiten der Arbeitgeber von ihnen verlangt. Darin sollten die Dauer der Arbeits- und Probezeit, der Urlaubsanspruch, die Höhe der Vergütung und die Regelungen bei Kündigung festgelegt sein. Dazu gehört beispielsweise, dass der Chef nach der Probezeit nicht mehr grundlos kündigen darf. Auch der Azubi darf seine Ausbildung nach der Probezeit abbrechen. Allerdings nur mit der vorgeschriebenen Kündigungsfrist. Dies sollte er sich jedoch gründlich überlegen.

Recht auf Vergütung

Zur Berufsausbildung gehört eine angemessene Vergütung, die mindestens jährlich ansteigen soll. Das verlangt das Berufsbildungsgesetz. Gibt es keinen Tarifvertrag, in dem die Vergütung geregelt ist, müssen die Firmen nach gängiger Rechtsprechung mindestens 80 Prozent des für die Branche geltenden Tarifniveaus zahlen. Die Vergütung müssen Arbeitgeber spätestens am letzten Arbeitstag des Monats zahlen. Für Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie Zuschläge gibt es keine gesetzlichen Grundlagen. Diese Zahlungen werden ausschließlich durch die Tarifverträge geregelt. Ein Recht auf Vergütung hat der Azubi auch bei der Teilnahme am Berufsschulunterricht, an Prüfungen sowie bei Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte.

Recht auf Urlaub

Auszubildende haben ein Recht auf bezahlten Urlaub. Der Urlaubsanspruch für Minderjährige ist nach Alter gestaffelt. So bekommt ein Jugendlicher, der zu Beginn des Kalenderjahrs noch nicht 16 Jahre alt ist, mindestens 30 Werktage frei, ein 16-Jähriger mindestens 27, ein 17-Jähriger 25 Werktage. Für Azubis ab 18 gilt das Bundesurlaubsgesetz. Sie müssen bei einer Fünf-Tage-Woche wenigstens 20 Tage Urlaub bekommen. Ein weiteres wichtiges Detail findet sich ebenfalls im Gesetz: Den Urlaub soll der Arbeitgeber in der Zeit der Berufsschulferien geben.

Recht auf faire Arbeitszeiten

Bei minderjährigen Azubis richtet sich die Arbeitszeit nach den Regelungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes, bei Volljährigen nach dem Arbeitszeitgesetz. Demnach darf der Arbeitgeber minderjährige Azubis nicht mehr als acht Stunden täglich und nicht mehr als 40 Stunden wöchentlich beschäftigen. Bei Volljährigen ist die Rechnung etwas komplizierter: Sie dürfen acht Stunden täglich und an sechs Tagen in der Woche arbeiten, also 48 Stunden pro Woche. Die Arbeitszeit kann auf zehn Stunden täglich und 60 Stunden wöchentlich verlängert werden. Dann muss allerdings sichergestellt sein, dass Auszubildende innerhalb von sechs Monaten im Schnitt nicht mehr als acht Stunden pro Tag arbeiten. Die Nachtarbeit ist in der Regel für alle Azubis verboten. Ausnahmen gibt es jedoch in Krankenhäusern, Hotels oder Betrieben mit dauerhafter Schichtarbeit.

Recht auf Schule

Die Lehrer in der Berufsschule vermitteln theoretisches Wissen, das die praktische Ausbildung im Betrieb ergänzt. Der Betrieb ist verpflichtet, den Lehrling zum Besuch der Berufsschule anzuhalten und muss ihn für den Unterricht freistellen.

Recht auf Vermittlung der Ausbildungsinhalte

Azubis dürfen nur die Aufgaben machen, die dem Ausbildungsplan entsprechen und der Lehre dienen. Das heißt, der Azubi muss keine privaten Besorgungen für den Chef machen oder das Putzen der Toilette übernehmen. In der Praxis ergeben sich allerdings Grauzonen. Manche Aufgaben scheinen erst einmal mit der Ausbildung nichts zu tun zu haben – gehören aber doch dazu. Wenn allerdings jemand immer nur Kaffee kocht oder die Werkhalle fegen muss, ist das nicht zulässig.

Recht auf ein Zeugnis

Auszubildende haben einen Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis, das Angaben über Verhalten und Leistungen enthält. Hier werden auch die erworbenen Fertigkeiten und Kenntnisse aufgezählt. Das Zeugnis müssen die Azubis am Ende der Ausbildung selber einfordern. Ratsam ist es zudem, auch während der Lernzeit regelmäßiges Feedback vom Ausbilder einzufordern und zu prüfen, ob die Ausbildungsziele erreicht sind.

Recht auf das Gesellenstück

Am Ende der Ausbildung fertigt jeder Lehrling ein eigenes Gesellenstück an. Auch wenn der Betrieb die Materialkosten übernimmt, darf der Lehrling sein Gesellenstück behalten. Die bei der Herstellung entstandenen Kosten muss der Azubi nicht zurückzahlen.

Welche Pflichten hat ein Ausbilder?

Zu den Pflichten eines Ausbilders gehört an erster Stelle die Ausbildungspflicht. Das bedeutet, dass er dem Azubi alle Fertigkeiten und Kenntnisse vermitteln muss, die für die Ausbildung erforderlich sind. Dazu gehört auch, dass er den Azubi für Berufsschule und Prüfungen freistellen muss. Im Falle einer Insolvenz sollte der Arbeitgeber seinem Azubi einen neuen Betrieb vermitteln. aro

Wesentliche Pflichten des auszubildenden Betriebes

  • Vermittlung der für das Ausbildungsziel erforderlichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten (sogenannte berufliche Handlungsfähigkeit)
  • Einhalten der geltenden Angaben zur sachlichen und zeitlichen Gliederung des Ausbildungsablaufs
  • Selbständige Durchführung der Ausbildung oder Beauftragung eines Ausbilders
  • Kostenlose Aushändigung der Ausbildungsordnung an den Lehrling
  • Kostenlos Ausbildungsmittel für die Berufsausbildung zur Verfügung stellen
  • Charakterliche Förderung des Lehrlings sowie Verhinderung sittlicher und körperlicher Gefährdung
  • Nur Übertragung von Aufgaben, die dem Ausbildungszweck dienen
  • Kostenfreie Aushändigung der Ausbildungsnachweise
  • Anhalten zum Besuch der Berufsschule und Freistellung zu deren Besuch
  • Bescheinigungen über ärztliche Pflichtuntersuchungen nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz vorlegen lassen
  • Bereitstellung der Berufskleidung, sofern vom Ausbildenden vorgeschrieben
  • Freistellung für angeordnete Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte und Kostenübernahme
  • Zahlung einer angemessenen Vergütung

Quelle: Die Handwerker-Fibel, Band 4, ISBN 978-3-7783-0856-1, holzmann-medienshop.de

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